Leserbrief

Aufbruch 2016 Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch

Enttäuschend und nervend

Zur Auseinandersetzung um eine Veranstaltung der Initiative „Aufbruch 2016“ in Brühl wurde sowohl, was deren Vernetzung mit der AfD, als auch, was die Analyse der in diesem Zusammenhang benutzten Sprache angeht, ausführlich Stellung genommen. Aufgrund der unfassbar schrecklichen Ereignisse dieser Tage (Limburg, Halle, türkischer Einmarsch in Nordostsyrien) begrenze ich mich auf folgende Punkte:

Es ist enttäuschend, dass seit der ersten Flüchtlingsdebatte Anfang 1990 die politisch Verantwortlichen – trotz großer Ankündigungsreden – keine entscheidenden Maßnahmen zur Behebung der Fluchtursachen durchgeführt haben.

Es ist enttäuschend, dass die EU keine einheitliche Flüchtlingspolitik zustande bringt; noch nicht einmal bei der zahlenmäßig überschaubaren Aufnahme von Bootsflüchtlingen.

Es ist enttäuschend, dass die deutsche Akut-Politik noch immer kein humanpragmatisches Konzept für die ausführende Bürokratie vorgelegt hat, wie man mit geduldeten Flüchtlingen so umzugehen hat, dass Straftäter abgeschoben und in Ausbildung oder Arbeit befindliche geflüchtete Menschen in Deutschland bleiben können.

Es nervt, die ständige Wiederholung der durch nichts bewiesenen These zu hören, dass Migration den Untergang des christlichen Abendlandes bedeutet.

Es nervt das Selbstmitleid der Rechtspopulisten, weil man mit ihnen als „braune Schmuddelkinder“ nicht reden wolle und sie sich ausgegrenzt fühlen; einer der geschickten AfD-Schachzüge, wie man vom verbalen Täter zum Opfer wird.

Es nervt nicht zuletzt das ewig Gleiche wortgewaltige Tschingderassabum des Plankstädter Vielschreibers W. W., der es nicht gerne hat, wenn man seine persönliche Meinung auch persönlich pointiert, kritisiert und einschätzt. Vielleicht kann man es dabei belassen, dass Migration kein Selbstläufer ist und erfolgreiche Integration von Migranten harte Arbeit ist, die von beiden Seiten geleistet werden muss. Das hat inzwischen wohl auch die CDU Rhein-Neckar erkannt und den Vorsitzenden der „Werte Union“, Alexander Mitsch, der gerne mit der AfD kooperieren möchte, nicht mehr in ihren Kreisvorstand gewählt.

Bleibt am Schluss die schauderhafte Feststellung, dass deutsche Nazi-Terroristen deutsche Politiker erschießen, jüdische Mitbürger auslöschen wollen und unschuldige Menschen ermorden. „Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch.“ So schrieb Bert Brecht.

Gerhard Wacker, Plankstadt

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