Leserbrief

Fleischpreise Die Politiker wissen doch schon seit Jahren davon / Tierschutz steht im Grundgesetz

Erbärmliche Verhältnisse

Zum Artikel „Kostet Fleisch bald mehr?“ vom 27. Juni wird uns geschrieben: Ja, Fleisch muss unbedingt teurer werden, dieses kostbare Lebensmittel ist schon viel zu lange auf ein billiges Ramschniveau gesunken. Den Preis dafür zahlen zuerst die Menschen, die damit arbeiten – unter zum Teil schlimmen Zuständen in den Schlachthöfen, was die Corona-Krise jetzt aufdeckt, unsere Volksvertreter aber auch vorher schon wussten, jedoch vielleicht nicht wissen wollten.

Die ganz großen Verlierer dieser Massentierhaltung waren schon immer vor allem die Tiere, die oft unter erbärmlichsten Bedingungen gehalten und dann transportiert werden. Wir sprechen seit Jahrzehnten über die furchtbaren Tiertransporte von Millionen von Zucht- und Schlachttieren quer durch Europa – bis hin in Drittstaaten über tausende von Kilometern in oft überladenen Lkw, auch bei extremen Temperaturen und sehr oft ohne die erforderliche Fürsorge für die Tiere, die dicht gedrängt über Tage ohne Pausen, ohne frische Luft oder Wasser zusammengepfercht stehen.

Ich wundere mich doch sehr, dass erst jetzt unsere Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) auf diese Missstände aufmerksam wird. Hat sie – beziehungsweise haben ihre Vorgänger – das alles nicht gewusst? Es mag ja in den vergangenen Jahren kleine Verbesserungen gegeben haben, aber die Grundprobleme bestehen weiter. Wir sprechen doch seit Jahrzehnten über diese erbärmlichen Verhältnisse.

Das „C“ im Parteinamen steht für christlich. Eine christlich geprägte Partei nimmt seit Jahrzehnten hin, wie wir unsere Mitgeschöpfe behandeln. Das ist eine Schande und eines zivilisierten Landes unwürdig!

Ich bin überzeugt davon, dass jeder Kleinbauer in Afrika seinen Tieren mehr Wertschätzung entgegenbringt als wir. Zu dem Thema passt auch, dass das entsetzliche Kükenschreddern weitergehen darf. Ja, es ist tatsächlich so, dass Millionen männlicher Küken wie ein Blatt Papier, das nicht mehr benötigt wird, bei lebendigem Leib in den Schredder kommen.

Ein furchtbarer Gedanke und bestimmt kein schöner Tod. Aber ja, wir werden von einer christlichen Partei regiert.

Und wie geht es mit den armen Muttersauen weiter, die in so engen Käfigen, sogenannten „Kastenständen“ liegen, in denen sie sich nicht rühren, umdrehen oder ihre Gliedmaßen ausstrecken können, weil es zu eng ist? Wenn ich zynisch wäre, würde ich sagen, hier gibt es gute Nachrichten. Die Wahrheit aber ist schlimm: Die Muttersauen sollen tatsächlich mehr Platz bekommen, aber die Übergangszeit ist 15 Jahre!

Übrigens: Der Tierschutz ist seit 2002 als Staatsziel im Grundgesetz verankert.

Dem ist nichts hinzuzufügen.

Gaby Gehring, Schwetzingen

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