Leserbrief

Corona Todesraten wie bei einer saisonalen Influenza?

Erst in einem Jahr abrechnen

Zu den Leserbriefen „Zitat aus dem Zusammenhang gerissen“ (SZ-Ausgabe vom 11. April) wird uns geschrieben: „Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür geben, dass Du es sagen darfst“ – ein Zitat von Voltaire.

Dies möchte ich Lesern entgegnen, die sich bei der Redaktion gemeldet haben, um sich zu beschweren, wie man einen Leserbrief wie den meinen drucken könne. Mein Dank gilt der Redaktion, die sich diese Reaktionen im Vorfeld denken konnte, aber trotzdem im Sinne der Meinungsfreiheit gehandelt hat, dafür Respekt.

Dr. Uwe Reichert wirft mir eine falsche Interpretation der Zahlen vor und ist dabei anscheinend nicht in der Lage, das Editorial richtig zu verstehen, deshalb zitiere ich wörtlich: „Auf der Grundlage einer Falldefinition mit dem Vorhandensein der Diagnose einer Lungenentzündung liegt die aktuell berichtete Todesfallrate bei etwa zwei Prozent. (...) Geht man davon aus, dass die Zahl der asymptomatischen oder minimal symptomatischen Fälle um ein Mehrfaches höher ist als die Zahl der gemeldeten Fälle, kann die Sterblichkeitsrate deutlich unter ein Prozent liegen. Dies deutet darauf hin, dass die klinischen Gesamtfolgen von Covid-19 letztlich eher denen einer schweren saisonalen Grippe (mit einer Falltodesrate von etwa 0,1 Prozent) oder einer pandemischen Grippe (ähnlich wie 1957 und 1968) ähneln als einer Krankheit wie SARS oder MERS, die Falltodesraten von neun bis zehn Prozent beziehungsweise 36 Prozent hatten.“

Dr. Reichert geht davon, dass die zwei Prozent eine Aussagekraft haben, was aber falsch ist, da bei dieser Berechnung eine unbekannte Größe von tatsächlich Infizierten dazu führt, dass man keine verlässliche Zahl nennen kann und deshalb letztlich nur schätzen kann, was die Autoren dann auch machen, indem sie vermuten, dass die tatsächliche Sterberate viel eher bei einer saiso-nalen Grippe als bei SARS oder MERS liegt, die beide wesentlich höhere Sterberaten verursachten.

Zum anderen Brief: Zum einen bin ich kein Hobbyvirologe und möchte es auch nicht werden, halte mich aber für einen verantwortungsvollen Arzt, der täglich virale Infektionen behandelt und das Denken nicht aufgegeben hat. Zum Zweiten ist es in unserer Praxis so, dass niemand von mir zwangsbehandelt wird, wie es zum Beispiel in Dänemark bereits per Gesetz möglich ist. Wer nicht von mir behandelt werden möchte, darf gerne zu einer Kollegin oder einem Kollegen, deshalb werde ich auf niemand „losgelassen“. Bei der Interpretation der Zahlen hat die Schreiberin sich sprichwörtlich so weit aus dem Fenster gelehnt, dass sie hinausgefallen ist. Aus den Zahlen der Infizierten und Toten eine Sterberate zu berechnen, ist hochgradig unseriös, weil die Zahl der tatsächlich Infizierten unbekannt ist und deshalb so hoch erscheint, weil in Schweden zu diesem Zeitpunkt wenig getestet wurde. Sie mag tatsächlich etwas höher liegen, aber dazu ein Zitat von Prof. Ansgar Lohse, Direktor der Universitätsklinik Hamburg: „Die schwedischen Maßnahmen sind meines Erachtens die rationalsten weltweit. Natürlich stellt sich die Frage, ob das psychologisch durchzuhalten ist. Anfänglich müssen die Schweden mit deutlich mehr Todesfällen rechnen, die sich aber mittel- bis langfristig deutlich reduzieren. Abgerechnet wird in einem Jahr – wenn die Schweden es durchhalten. Die Angst vor der Virusinfektion zwingt Politiker leider oft zu Handlungen, die nicht unbedingt vernünftig sind. Die Politik ist getrieben, auch durch Bilder der Medien.“

Sollten weitere Leser wünschen, mit mir in Kontakt zu treten, gestatte ich der Redaktion, meine E-Mail-Adresse auf Wunsch zur Verfügung zu stellen, um den Platz der Leserbriefe nicht dauerhaft zu blockieren, emotional geladene und beleidigende E-Mails werde ich ignorieren.

Zu guter Letzt noch einige Expertenstimmen: „Dieses Virus beeinflusst in einer völlig überzogenen Weise unser Leben. Das steht in keinem Verhältnis zur Gefahr, die vom Virus ausgeht.“ (Prof. Klaus Püschel)

„Wer das aktuelle Vorgehen fälschlicherweise als angemessen bewertet, müsste dies anlässlich der jährlichen Influenzadaten bei uns wohl jedes Jahr in der Influenzasaison mit gleicher Konsequenz aufs Neue fordern müssen.“ (Prof. Dr. Dr. Martin Haditsch)

„Ich persönlich halte diesen Covid-Ausbruch für eine schlimme Wintergrippeepidemie.“ (Prof. Dr. John Oxford)

„Die wiederholte Gleichsetzung der Zahl positiv Getesteter mit der Zahl der Infizierten vernebelt den Blick, die Zählweise bei Corona-Toten ebenfalls. Der Maßstab der Regierung, ab wann eine Abschwächung der Maßnahmen geboten ist, basiert auf einer Scheinzahl von Infizierten, die nichts mit der Realität gemein hat.“ (Prof. Dr. Gerd Bosbach)

„Wir sehen das an den Todesraten, die in etwa bei 0,3 bis 0,7 Prozent liegen. Das entspricht dem, was wir bei Influenza sehen. Der Verlauf ist ähnlich. Also, es ist eine Erkrankung des Hals-Nasen-Bereiches bis hin zur Lunge. Das ist eine Infektion, die ähnlich verläuft wie Influenza und auch ähnlich ansteckend ist.“ (Prof. Dr. Stefan Hockertz)

Götz Pilopp, Römerberg

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