Leserbrief

Corona in Italien Wie es den Menschen in Spoleto geht

Erste gute Nachrichten

Ich muss mich jetzt mal zu Wort melden zum Thema Corona in Italien. Seit zwei Monaten betreibe ich täglich in geschäftlichen und privaten E-Mails, Gesprächen und Telefonaten Aufklärungsarbeit, was eigentlich Arbeit der Medien wäre – und ich spreche da ausdrücklich nicht über die Schwetzinger Zeitung.

Als die Erkrankung begann und in Mailand und Umgebung die Firmen schlossen, sind alle italienischen Gastarbeiter per Zug, Flieger und Auto in ihre „Heimat“ zurück. Das wirkte als Multiplikator von Corona in Apulien, Kalabrien, Sardinien, Sizilien und in der Toskana. Und die Mailänder haben ja auch so wunderschöne Zweitwohnungen an der italienischen Riviera, in Ligurien – so kam das Virus nach Genua, Cinque Terre, Alassio und Diano Marina.

Und dann das desolate Gesundheitssystem. Die Senioren, die zu Hause betreut werden, die man nirgends hinbringen kann, es gibt ja keine Klinikplätze. Sie sterben den Familien unter den Händen weg. Fakt ist: Wir sind 80 Millionen Deutsche und haben 60 000 Beatmungsgeräte. Die Italiener sind 60 Millionen und haben 4500.

Positive Nachrichten gibt es: Mein Schwager hat seit Jahrzehnten eine Bäckerei im Herzen von Mailand, 20 Fußminuten sind es zum Dom und der Scala, dort wohnen Superreiche. Er hat geöffnet, die ganze Zeit.

Oder das Unternehmen, bei dem ich beschäftigt bin, liefert jetzt schon wieder Chemikalien in den Großraum Mailand. Dort hat das Virus vor zwei Monaten begonnen, ist aber jetzt in der „gelben“ oder in der „grünen“ Phase. Die Firma meines Mannes – ein privater Stahlkonzern mit Niederlassungen – war nie geschlossen. Es ist nur ein Problem, Spediteure und Fahrer zu finden, die den Stahl nach Deutschland fahren.

Gilberto Giasprini, der Ende 2019 die Verdienstmedaille der Stadt Schwetzingen bekam, und Alfredo Natili, dem langjährigen Musikschulleiter in der Schwetzinger Partnerstadt Spoleto, geht es auch gut. Wer wissen will, wie es in Spoleto geht, kann auf www.spoletonline.it schauen, da schreibt der Bürgermeister über Neuigkeiten.

Ein Wermutstropfen bleibt: In unserer zweiten Heimat hätte ich einen Kurs für die VHS Alassio halten sollen – gratis – er hätte geheißen „Deutschland kennenlernen – conoscere la Germania“. Ich war so stolz im Sinne der Völkerverständigung – jetzt wird es halt Ostern 2021. Andrea Wasserrab-Spadini, Brühl

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