Leserbrief

Bürgerbefragung in Plankstadt Die Verlagerung der Sportstätten wäre ein Schildbürgerstreich / Der Gemeinde droht eine Schuldenfalle

Es geht hier um die Zukunft

Die Bürgerbefragung läuft langsam an, doch es bestehen Unklarheiten. Die in der verteilten Informationsbroschüre dargestellten "Standort-Alternativen", sowie die "Abstimmungs-Befragungskarten" sind nicht gut gelungen und für viele Bürger verwirrend. Die Darstellungs-Alternativen durch das Büro Gebhardt sind nicht schlüssig und es wird dadurch kein klares Meinungsbild geschaffen. Gut gemeint aber nicht gut gemacht.

Unverständlich bei der Befragung ist, dass sich Kinder ab 14 Jahren an der Befragung beteiligen dürfen. Die komplizierte Investitions-Rechnung in mehrstelliger Millionenhöhe, sowie die Schuldenfalle für die Bürgerschaft, kann ein Kind mit 14 Jahren unmöglich überblicken. Bei der Alternative: Auslagerung der Sportplätze und Sporthalle einschließlich Clubhaus - in die verlängerte Kantstraße - müsste eine Wohnbebauung über die vorhandenen Sportplätze erfolgen.

Dies hätte zur Folge, dass zwei Bebauungspläne, mit vielen Auflagen, erstellt werden müssten, deren Genehmigung - bei möglichen Einsprüchen - sich über viele Jahre hinziehen könnte und möglicherweise der Vogelpark mit Vereinshaus, inmitten zweier Wohngebiete, keinen Bestand mehr hätte. In jedem Fall abgerissen werden müssten: Die Dr. Senn-Halle, zwei Clubhäuser, der Hundeplatz mit Clubhaus und die Grillhütte - weil diese in einem nahen Wohngebiet nicht mehr genehmigungsfähig wäre. Die veröffentlichten Kostenschätzungen durch das Büro Gebhardt sind eine Milchmädchen-Rechnung.

Die üblichen Steigerungen - wenn Planungen konkret werden - sind: Steigende Baukosten, Architektenkosten, 30 Prozent Nebenkosten für Planung und Steuerung, 30 Prozent Risikoaufschlag für Unvorhergesehenes. 19 Prozent Mehrwertsteuer, sowie Zinsen für Zwischenfinanzierung, da die angedachte Wohnbebauung nicht Zug um Zug erstellt werden kann, sondern Jahre dauert! Jahrelange Baustellen und weitere zeitliche Verzögerungen würden entstehen, weil der große Hauptsammler (großer Abwasserkanal der Gemeinde) diagonal durch den Eintracht-Sportplatz bis zur Gänsweid hin verläuft. Dieser müsste verlegt werden. Die Kosten würden sich auf circa 2 Millionen Euro belaufen.

Ein weiteres Argument gegen die Sportstättenverlagerung ist der hohe Landverbrauch. Die Gemeinde Plankstadt hat durch den Straßenbau B 535 circa 40 Hektar hochwertiges Ackerland verloren und eine weitere Flächenversiegelung, bis hin zu den Aussiedlerhöfen Jungholz, wäre unverantwortlich.

Die Gemeinde steht vor großen Herausforderungen. Auch die finanzielle Lage muss berücksichtigt werden. Die Einnahmen reichen nicht mehr aus zur Deckung der laufenden Ausgaben (Prüfbericht KRA 2016). Die TSG-Vereinsführung hat - geradezu erpresserisch - ihre Wünsche für ihr Prestigeobjekt am Wunschstandort Kantstraße bei der Gemeinde vorgetragen, aber keinerlei Angaben über eine finanzielle Beteiligung und Eigenleistungen gemacht. Der Eindruck entsteht, die Gemeinde soll alles richten, dann kann sich der Verein ins "gemachte Bett" legen. Mit Blick auf die anderen Vereine in Plankstadt, wäre es unverantwortlich, nur einem Verein das "Tafelsilber" zur Verfügung zu stellen, während die anderen Vereine vertröstet werden.

Lasst die Sportanlagen im Dorf! Die damit verbundene "grüne Lunge" für den Ortskern und die gute Erreichbarkeit sind weitere Argumente für einen Verbleib.

Der Vogelpark ist seit 50 Jahren ein Kleinod mitten im Ort. Den Erhalt gilt es für die Allgemeinheit zu sichern. Bei einer Verlagerung der Sportstätten und einer Wohnbebauung würde der Nutzen für die Bevölkerung und die Attraktivität der Gemeinde erheblich gemindert.

An der Sanierung der Sportstätten führt kein Weg vorbei. Die TSG-Sporthalle trägt den Namen von Dr. Erwin Senn, weil er als Organisator selbst auf dem Gerüst stand, gemauert und mit angepackt hat. Ein Abriss wäre für ihn und für viele Mitglieder, unvorstellbar! Auch der Leserbrief von Walter und Thea Fritz im Juli 2017 "Sanierung: Ja, Verlagerung: Nein" zeigt, dass sie mit dem Zustand der Sporthalle und den Sportplätzen vertraut sind und die Sportanlagen dringend ihren Standort behalten sollen! Sie bemängeln als treue, langjährige Mitglieder des Vereins, dass die gesamten Sportgebäude und Platzanlagen "schlechtgeredet" werden. Sie bestätigen weiter, dass die Sportplätze in hervorragendem Zustand sind.

Noch vor Jahren wurde - auf Drängen des Vereins - der frühere Reiterplatz durch die Gemeinde für viel Geld zum dritten Spielfeld umfunktioniert. Auch der frühere, langjährige TSG-Vorsitzende hat sich massiv für einen Verbleib der Sportstätten an der Jahnstraße eingesetzt. Die Begehrlichkeiten und die Argumente des heutigen Vereinsvorstandes: Die Senn-Halle hat ihre besten Zeiten hinter sich und ein Neubau einer Sporthalle wäre wünschenswert. Das Werkstatt-Büro Gebhardt schreibt: "Eine Sanierung wäre unwirtschaftlich." Gerade das wird bestritten, weil diese Argumente für einen Abriss nicht ausreichen!

Wenn Fachfirmen, die sich auf Sanierungen spezialisiert haben, Jahrhunderte alte Gebäude wieder herausputzen, dann müsste dies bei der Senn-Halle auch möglich sein. Vielleicht ist die äußere Hülle weit weniger wichtig als der Vorstand meint! Für die Sanierung könnte die Gemeinde Anträge auf Gewährung von Zuschüssen beim Land und Fördermittel beim Sportbund beantragen. Es kommen bestimmt noch einige Sponsoren hinzu.

Wie ausgefallen und aufwendig eine Sanierung tatsächlich sein soll, muss im Hinblick auf die Zielgruppe entschieden werden. Es muss nicht immer größer, höher, schöner oder gar ein prunkvoller Neubau sein. Dem Verein stehen vier Hallen zur Verfügung: Senn-Halle, Mehrzweckhalle, Turnhalle in der Humboldt-Schule und Turnhalle in der Friedrich-Schule.

Der Hinweis des Vereins ist ja, man benötige auch mehrere kleinere Gymnastikräume: Diese könnte die Gemeinde in den freiwerdenden Räumen in der Humboldtschule zur Verfügung stellen.

Die Bürgerbefragung dient vielleicht als Entscheidungshilfe, aber nur der Gemeinderat entscheidet. Letztlich geht es um die finanziellen Möglichkeiten der Gemeinde und um die hohen Belastungen für alle Bürger in der Zukunft.

Friedrich Stroh, Plankstadt

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