Leserbrief

Rechtsanspruch auf Kitaplatz Am Bedarf vorbei entschieden

Es gibt Lösungsansätze

Grundsätzlich ist der Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz der richtige Weg, er kommt nur zu früh, ist unausgereift und nicht zu Ende gedacht. Durch den Fachkräftemangel wird die Umsetzung im nächsten Jahr in einem Fiasko enden. Es geht nicht nur um fehlende Plätze im Sinne von Gebäude, darin betriebene Gruppen und krippengemäße Ausstattung, sondern in der Hauptsache darum, dass keine staatlich anerkannten Erzieherinnen auf dem Markt sind. Schon jetzt gehört es zum Alltag, dass bei Krankmeldungen der Erzieherinnen Kinder nach Hause geschickt oder Gruppen tageweise geschlossen werden müssen, weil die Aufsichtspflicht nicht gewährleistet werden kann. Die ist bei Zweijährigen alternativlos, geschweige denn was bei der Einjährigen-Betreuung auf uns zukommt, die noch mehr Fachkräfte benötigt.

Bei schwangeren Erzieherinnen muss sofort ein Beschäftigungsverbot ausgesprochen werden, bis der Nachweis über die Immunität gegen bestimmte Krankheiten vorliegt. Wenn nicht, dürfen die Betroffenen, zum Schutz des Ungeborenen, nicht mehr arbeiten, teilweise schon ab der 6./7. Woche. In solchen Fällen können Vertretungen nur befristete Verträge angeboten werden. Da es keine Erzieherinnen gibt, kann man nur versuchen abzuwerben, was mit befristeten Angeboten schwer bis unmöglich ist. Wenn es doch gelingt, weiß man , dass die andere Einrichtung den Mangel verwalten muss.

Dabei ist der Fachkräftemangel landespolitisch hausgemacht: Noch immer gibt es Träger von Einrichtungen, die keine Leitungsfreistellung gewähren (wenn bei uns die Leiterinnen nicht einspringen könnten, hätten wir die Kitas schon öfter schließen, geschweige denn nach dem Orientierungsplan arbeiten können), noch immer werden Auszubildende, wie Anerkennungspraktikantinnen zum Stellenschlüssel gezählt (unfassbar, wir könnten den Bedarf an Erzieherinnen selbst ausbilden), noch immer gehören Erzieherinnen zu den gering Verdienenden, bei anspruchsvoller Ausbildung (im Vorpraktikum ohne Vergütung) und immer höheren Anforderungen in der Pädagogik und deren Verwaltung, im Sinne von Entwicklungsdokumentationen, Verhaltensbeobachtung und Portfolio.

Die pädagogische Arbeit mit den Kindern steht an erster Stelle, deshalb müssen immer öfter alle Aktivitäten, die sonst die Arbeit bereichern, wie Elternangebote, besondere Themenabende oder Öffentlichkeitsarbeit reduziert oder gestrichen werden und so Wichtiges wie gezielte Sprachförderung kann mangels Personal oft gar nicht angeboten werden.

Den Rechtsanspruch auf 2014 verschieben, dann erst ab 24 Monaten anbieten, Einjährigen frühestens 2015 Rechtsanspruch einräumen und in der verbleibenden Zeit die Auszubildenden vom Stellenschlüssel ausklammern, so dass alle Einrichtungen Anerkennungspraktikantinnen aufnehmen und/oder die neue praxisorientierte Ausbildung anbieten können, das würde helfen, den Qualitätsstandard sichern und vor allem den politischen Gemeinden eine Klagewelle ersparen.

Wir alle sind Gemeinde und müssen die Kosten mittragen. Dass das mehr als fragwürdige Betreuungsgeld die Situation noch retten soll, zeigt wie realitätsfremd und am tatsächlichen Bedarf vorbei bundespolitisch und auf Länder-und Städtetagen entschieden wurde und wird.

Silvia Kief, Reilingen

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