Leserbrief

Gesinnungstest Harsche Kritik am Landtagsabgeordneten Manfred Kern (Grüne) nach dem Mailwechsel mit Hamed Abdel-Samad

Etwas weniger Überheblichkeit . . .

Zum Artikel „Gesinnungstest oder ganz legitime Frage?“ in der SZ vom 9. Juli wird uns geschrieben: Wenn der parteilose Politikwissenschaftler und Schriftsteller Hamed Abdel-Samad von einem grünen Landtagsabgeordneten zu einer Distanzierung von der „Werte-Union“ aufgefordert wird, dann kann es sich bei diesem unglaublichen Vorgang wohl kaum um eine „ganz legitime Frage“ handeln. Noch leben wir in einer Demokratie und nicht in einer Diktatur, in der Gesinnungsschnüffler das Sagen haben.

Laut Manfred Kern handelt es sich bei der „Werte-Union“ um eine Gruppe von Politikern in der CDU, die den Ersatz von Angela Merkel als Kanzlerin durch den Konservativen Friedrich Merz begrüßen würden. Und das soll so schlimm und empörend sein, dass sich Hamed Abdel-Samad „glaubhaft“ distanzieren muss, als „unbedingte Voraussetzung“ für eine Zusammenarbeit? Kein Wunder, dass der deutsch-ägyptische Publizist diese Art der Zusammenarbeit dankend abgelehnt hat – mit deutlichen Worten: „Wie können Sie es wagen, einen Schriftsteller einem Gesinnungstest zu unterziehen als Voraussetzung für eine Zusammenarbeit?“

Wäre Manfred Kern mit etwas mehr Hintergrundwissen ausgestattet, dann wüsste er, dass es sich bei der CDU früher einmal um eine konservative Partei gehandelt hat. „Die Pfalz ist meine Heimat und Deutschland mein Vaterland“ – das hat Helmut Kohl gesagt und nicht Alexander Mitsch von der „Werte-Union“. Muss sich Hamed Abdel-Samad auch „glaubhaft“ von diesem Kohl-Zitat distanzieren? Wehret den Anfängen – sonst schlafen wir in einer Demokratie ein und wachen in einer Diktatur wieder auf. Hut ab vor Hamed Abdel-Samad. Jürgen Hans Rausch, Hockenheim

Parteipolitische Bedingungen

Ein grüner Landtagsabgeordneter möchte den bekannten Politikwissenschaftler, Schriftsteller und Islamkritiker Hamed Abdel-Samad für einen Vortrag nach Schwetzingen einladen, damit dieser wie Manfred Kern selbst schrieb „seinen interessanten Vortrag auch hier halten könne“. Dann erfährt Kern, dass der Schriftsteller bereits Gast bei einer politisch anders gerichteten Gruppierung war und stellt für eine Zusammenarbeit die Bedingung an Abdel-Samad, er möge ihm glaubhaft die „Distanz zu dieser Gruppierung darlegen“. Was für eine schlimme politische und antidemokratische Arroganz!

Ich habe Hamed Abdel-Samad vor einiger Zeit in Heidelberg live erleben und kennenlernen dürfen und muss Manfred Kern wirklich zustimmen: Seine Ausführungen sind außerordentlich interessant. Seine Vorträge fesselnd, sie regen zum Nachdenken an. Er beleuchtet Seiten des Islams, die manch einer vielleicht nicht hören möchte.

Aber ist nicht gerade das wichtig in einer Demokratie? Auch die andere Seite zu betrachten und vielleicht versuchen zu verstehen? Ich meine ja. Ich selbst bin sicher nicht rechtspopulistisch orientiert, laufe mit offenen Augen und Ohren durchs Leben und nenne die Dinge beim Namen, die mir nicht gefallen. Ich bin kein Rassist und sicher kein Nazi. Ich bin ein Menschenfreund.

Ich habe wie jeder andere auch das Recht auf kritische und freie Meinungsäußerung und möchte deswegen nicht diskriminiert werden. Dieses Recht haben auch die, die eine andere Meinung als ich haben und deren Meinung mir vielleicht nicht gefallen mag.

Das ist in meinen Augen völlig legitim. Etwas anderes macht Abdel-Samad auch nicht. Er nennt die Dinge beim Namen, die ihm nicht gefallen und die ihm vielleicht auch gewisse Sorgen bereiten. Bei wem er diese Dinge äußert, beziehungsweise welche Einladungen er annimmt, hat alleine er zu entscheiden. Was Manfred Kern nun von ihm forderte – wie Abdel-Samad selbst schrieb – „sich einem Gesinnungstest zu unterziehen“, ist ein Unding.

Die gebührende Antwort des Schriftstellers an Kern macht nun deutschlandweit Furore. Abdel-Samad schrieb, dass er als freier Mensch und Schriftsteller selbst bestimme, mit wem und wo er mit jemandem reden würde. Er verlangt von Kern, dass dieser ihm im Gegenzug beweisen solle, dass er ein Demokrat sei. Er wirft ihm Unfähigkeit, Überheblichkeit und Verachtung der demokratischen Debattenkultur vor und distanziert sich ausdrücklich von einer Zusammenarbeit mit ihm.

Eine sachliche und ehrliche Antwort – vollauf gerechtfertigt in meinen Augen. Sehr, sehr schade aber für Schwetzingen. Ich bin überzeugt davon, dass viele zu diesem interessanten Event gekommen wären.

Ich selbst konnte mich vor einigen Jahren selbst vom fragwürdigen Demokratieverständnis Manfred Kerns überzeugen, als ich mit einigen Flüchtlingen und lieben Freunden das erste Persische Neujahrs-und Frühlingsfest „Nouruz“ ausrichten wollte. Auf der Suche nach einer Lokalität konnten wir damals zuerst nur das Josefshaus finden. Allerdings waren die Räumlichkeiten nur an einem Tag frei, an dem damals noch der Fastenmonat Ramadan war. Nach Rücksprache mit vielen Muslimen, wäre es für die Menschen kein Problem gewesen, das Fest in dieser Zeit auszurichten. Der grüne Landtagsabgeordnete setzte damals mit einigen Mitgliedern des damaligen Asylarbeitskreises aber alles daran, das Fest zu verhindern. Eine nicht enden wollende E-Mail-Korrespondenz der verschiedenen Seiten ging über mehrere Wochen hin und her. Wenn ich mir diese heute durchlese, kann ich nur den Kopf schütteln. Man wollte uns auferlegen, wann wir zu feiern hätten!

Ein, wie gesagt, sehr fragwürdiges und wie ich finde sehr undemokratisches Verhalten. Letztendlich stornierte ich damals die Buchung im Josefshaus. Wir organisierten das Fest dank privater Spenden im Lutherhaus und freuten uns alle riesig über den überwältigenden Zuspruch mit über 500 Gästen.

Etwas weniger Überheblichkeit und etwas mehr Demut stünde einigen Politikern in der Tat gut.

Raquel Rempp, Schwetzingen

Respekt vor dem Mut

Ich habe Respekt vor dem Mut von Hamed Abdel-Samad, dem grünen Landtagsabgeordneten Manfred Kern auf dessen Ansinnen in entsprechender Weise zu antworten. Nach den Worten von Kern ist das Demokratieverständnis eindeutig auf der Seite von Hamed Abdel-Samad, definitiv nicht auf der Seite unseres Landtagsabgeordneten.

Gaby Gehring, Schwetzingen

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