Leserbrief

Adler-Areal in Plankstadt Die massive Bebauung würde einen Präzedenzfall schaffen und wäre ein Schlag ins Gesicht anderer Bürger

Flügellahm und desorientiert

Eine endlose Geschichte in Plankstadt ist der "Adler". Warum ist das so? Weil alle Beteiligten bisher versagt haben. Die Interessen wurden nur von einer Seite konsequent durchgezogen: Von den Eigentümern nämlich, der ganze Rest der beteiligten Personen, Gruppen und die Verwaltung haben versagt.

Als der "Adler" keine erfolgreiche Wirtschaft mehr war, wurde von den Besitzern immer nur ein Downsizing betrieben. Es wurde nur gemacht, was Geld versprach - von Investitionen in die Zukunft keine Spur. Sonst wäre das Gebäude nie in den erbärmlichen Zustand gekommen, in dem es dann abgerissen wurde.

Warum war es möglich, den Denkmalschutz zu umgehen? Weil die Eigentümer konsequent auf den Verfall und den dann wirtschaftlich möglichen Abriss gesetzt haben. Ein Leugnen der Tatsache ist absurd, weil das Anwesen viele Jahre mit defektem Dach, ohne Heizung und ohne jede Pflege war. Auch die Mindestanforderungen wurden unterlassen, wie Straßenreinigung und Winterdienst. Das Vorgehen war erfolgreich, und nun gibt es den "Adler" nicht mehr. Dies ist auch den Bürgermeistern und den maßgebenden Gemeinderäten zur Last zu legen. Es hat nie konsequente Vorgaben gegeben, wie das Areal zu pflegen und zu erhalten gewesen wäre.

Nun nimmt die schlechte Posse aber neu Fahrt auf. Die Besitzer planen eine extrem massive Bebauung, und auf minimale Vorgaben der Gemeinde wird mit einer weiter aufgemotzten Bebauung geantwortet. Der neue Plan sieht vor, noch weiter in die Tiefe (3. bis 5. Baureihe, fast 100 Meter) zu bauen. Als Muster soll die Nachbarbebauung dienen. Diese liegt aber an einer Straßenkreuzung/Eckstraße und immer an der Grenze zum Gehweg.

Wenn der Gemeinderat eine Planung wie die vorgelegte akzeptieren würde, wäre das ein Affront gegen alle anderen Hausbesitzer im Ort ohne Bebauungsplan, die ihr Haus an der Straßenfront haben und eine begrenzte Bebauung nach hinten. Warum? Weil das einen Präzedenzfall schafft, wie tief bebaut werden kann.

Dann kann der Nachbar auf die Idee kommen, den Garten durch Wohn- oder Gewerbebauten zu ersetzen. Der normale Mensch würde seine komplette Wohnqualität verlieren. Gewonnen haben dann Geld und Rücksichtslosigkeit. Die "Adler"-Bebauung muss auch unter diesen und weiteren sozialen und unter dem Ortsbild-Gesichtspunkten angesehen werden. Eigentum verpflichtet nun mal, auch wenn das nicht alle verstehen können oder verstehen wollen. Unser kompletter Gemeinderat muss endlich in ausreichendem Umfang seine Verantwortung wahrnehmen und nicht gerade so (knapp abgelehnt) mal eine so wahnwitzige Bebauung verhindern. Die Befürworter dieser Planung können weder verstanden noch geprüft haben, was sie da befürworten. Wenn es stimmt, dass die Besitzer des Areals nun die Kompetenz der lokalen Baubehörde anzweifeln, dann ist das ein witziger Mosaikstein in der Hybris, weil zu all den früheren Zeiten ist man wohl gut mit den Beteiligten klar gekommen. Es gab ja nie Probleme, weil es nie Vorgaben gab.

Wenn es weiter stimmt, dass frühere Kritiken an dem Vorgehen der Eigentümer schon zu Anzeigen oder Drohungen geführt haben, dann kann es ja noch interessanter werden, weil so viel mehr diskutiert und Neues zu erfahren sein wird. Dann sehen wir mal, wer wann und wie aufwacht! Plankscht kann mehr, nur tun muss man es!

Knut Doll, Plankstadt

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