Leserbrief

Risikogruppen Zwischen unverständlichen Regelungen und Altersdiskriminierung / Sondererlaubnis für Genesene könnte helfen

Freiheit als Einsicht in die Notwendigkeit

Als von Covid-19 genesen geltende Oma, eindeutig der Risikogruppe Zugeordnete, möchte ich zu einigen Statements in der Schwetzinger Zeitung vom 11. April Stellung nehmen und zum Nachdenken anregen: Im Artikel der Pfarrerin Ilka Sobottke wird eine offensichtlich jüngere Frau zitiert, die sich über die Älteren beschwert mit den Worten: „Risikogruppe! Wegen denen müssen wir zuhause bleiben, aber die machen, was sie wollen.“

Ich frage mich, „kann ich jetzt als fast 76-Jährige nicht mehr ohne Gesichtsmaske nach draußen – weil ich einfach zu den Älteren gehöre, die sich im Übrigen das Virus, ohne zu reisen, hier eingefangen hat? Muss ich mir ein Schild „Bin gesund“ umhängen? Diese zitierte jüngere Person hat anscheinend nicht begriffen, dass auch sie – woher auch immer – an Corona erkranken, auch schwer erkranken könnte, und die Beschränkungen auch ihrem Schutz dienen.

Abgesehen davon, die Schutzmaßnahmen sind – bis zu einem gewissen Grad – sinnvoll und nötig, da anscheinend die Vernunft bei einigen zu wünschen übrig lässt. Nicht sinnvoll jedoch scheinen mir Sperrungen von kleinen Spielplätzen in Ketsch, wo sich so gut wie nie Kinder aufhalten, da die Umgebung im Laufe der Jahre fast nur noch von Senioren bewohnt wird, so gesehen im Mitterhofer Weg, dem Spielplatz zwischen Lanz-, Diesel- und von-Braun-Straße. Selbiges in der Schwetzinger Straße, wo ich an den neuen kleinen Aufenthaltsplätzen noch nie ein Kind sehen konnte, man sich vielleicht aber gerne mal beim Spaziergang hinsetzen würde.

Auch nicht zu verstehen ist, dass ein Autofahrer, allein unterwegs, nach seinem Ziel befragt, seine Wochenendbeziehung angibt, und nicht hindarf, weil es ein Nachbarort ist (laut Leserbrief vom 11. April). Ein bisschen was muss man doch den Einzelnen noch selbst entscheiden lassen! Wenn die beiden zusammen wohnen würden, kämen sie nach ihrer jeweiligen Arbeit ja auch in der gemeinsamen Wohnung an.

Ebenfalls – im Ganzen unverständlich – laufen seit Wochen Rückholaktionen für unsere im Ausland gestrandeten Reiselustigen, die bis vor Kurzem ohne jegliche Kontrolle von den Flughäfen, vorwiegend Frankfurt, aber auch Düsseldorf, nach Hause durften, ohne in Quarantäne zu müssen, ebenso wenig wie die weiterhin einreisenden Migranten. „Schon“ ab 10. April beginnt unsere Regierung nachzudenken und den Bundesländern zu empfehlen, ab diesem Zeitpunkt häusliche Quarantäne anzuregen. Bravo! Wie wurde da bisher unterschieden?

Und nun noch mal zu den Genesenen. Davon muss es viele geben, denn beim Aufruf der Uni Heidelberg zur Plasmaspende haben sich gleich am ersten Tag überwältigend viele Menschen gemeldet, so dass man auf das meinige aufgrund meines Alters verzichten kann (Spende nur bis 60 Jahre).

Warum kann man all diese Genesenen nicht mit einer Sondererlaubnis ausstatten – für Friseure, Krankengymnastik-Praxen oder Fitnessstudios – und somit auch die Möglichkeit eröffnen, sich helfend einzubringen, sei es bei der Kinderbetreuung oder in Altenheimen und Pflegeeinrichtungen. Das würde allen Beteiligten helfen, den Geschäften beim Überleben und den Genesenen bei der Rückkehr zur Normalität.

Monika Voigtmann, Ketsch

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