Leserbrief

Streit um Özil Andere Profis haben ein Treffen abgelehnt

Fußballer-Logik

Was der angeblich gute Fußballer Mesut Özil gerade veranstaltet, ist geistig gesehen bedauerlich. Und das auf Englisch. Geht es nicht um einen deutschen Sachverhalt? Ein richtiger Komiker, dieser Özil. Er lenkt nur von seinen falschen Handlungen – unter anderem das Treffen mit Erdogan – ab. Mit der Opferrolle und Rassismus-Anschuldigungen kommt er jetzt nach neun Wochen. Macht auf unschuldig, doch seine Worte sind leere, hässlich umgesetzte Schönmalereien fern der Realität. Ein Beweis dafür, wie feige er ist, wenn er so tut, als wüsste er nicht, welchen medialen Effekt dieses Foto vor einer aufgezwungenen, vorverlegten türkischen Wahl für Präsident und System und vor einer WM im deutschen Kader haben kann. Einsicht: Fehlanzeige!

Sein geistiger Realitätsverlust gipfelt im Vergleich von Matthäus mit Putin. Das war weder ein inszeniertes Treffen, noch gab’s ein Trikot geschenkt, sondern ein zufälliges Treffen auf der Tribüne, wo man sich halt mal kurz die Hand gibt.

Özil war derjenige, der sich mit einem Mann ablichten ließ, den er Präsidenten nennt und mit dem er sich stolz präsentiert. Spricht jetzt wie Erdogan vor einiger Zeit von deutschem Rassismus, aber feiert einen Faschisten, der Menschen in Deutschland Nazis nennt und selbst ein menschenverachtender Despot ist, der viele unterdrückt. Ein Mann, der Richter, Anwälte, Ärzte, Politiker, Journalisten und andere Menschen einsperrt, weil sie seine Politik ablehnen. Menschen, die Jahre studiert und hart gearbeitet haben (was Özil gar nicht kennt) und ihre Freiheit wegen eines Despoten aufgeben mussten.

Özils Verhalten ist eine schallende Ohrfeige für demokratische Türken und für verfolgte Kurden, die durch Erdogan finanzierte Syrer-Milizen bekämpft werden, weil sie alle die Politik dieses Diktators ablehnen. Özil hat bei allem nur an Erdogan gedacht, nicht an die Menschenrechte in der Türkei oder an die Vorbildfunktion für junge Fußballer mit Migrationshintergrund hier in Deutschland. „Fußballer – kein Politiker“, richtig. Dann sollte er das Vorleben und sich von Despoten primitivster politischer Gesinnung fernhalten, besonders wenn es die eigene Kultur betrifft. Yuri Sahin (BVB) hat das damals erkannt und das Treffen in London abgelehnt.

Wie wäre es, wenn er einfach mal Respekt zeigen würde. Deutsche Lehrer, Trainer und Akademien haben ihn ausgebildet und da hingebracht, wo er heute ist. Deutschland hat all das geboten, was ihn erfolgreich sein lässt. In der Türkei wäre diese Karriere so nicht verlaufen. Er hat Deutschland genutzt oder benutzt, um Fußball-Profi zu werden. Dafür war das Deutschland-Trikot gut genug. Aber ansonsten pocht er darauf, Türke zu sein. Viele Deutsch-Türken tragen wirklich zwei Länder in ihren Herzen. Das Land, in dem sie geboren und aufgewachsen sind und das Land, aus dem ihre Eltern kommen. Nur, zu der Zeit, in der ihre Eltern ihnen Werte vermittelt haben, war die Türkei ein aufstrebendes modernes Land, in dem niemand Angst haben musste, seine Existenz zu verlieren, nur weil er die Meinung der Regierung nicht teilte! Niemand legt seine Herkunft, seine Kultur, seine Tradition und seine Einstellung ab, nur weil er hier lebt. Wie Boateng für Ghana oder Khedira für Tunesien sicherlich auch etwas empfinden.

Das ist vollkommen in Ordnung und eigentlich selbstverständlich. Im Falle der momentanen Türkei ist das schwer zu vereinen für viele hier lebende Türken. Mesut Özil mag ein guter Fußballer beim FC Arsenal sein, obwohl seine Zweikampfwerte in der englischen Premier League kaum erwähnenswert und eher rückläufig sind. Mario Basler in der Doppelpass-Sendung bei DSF und jetzt Uli Hoeneß sprechen endlich die Wahrheit aus: Özil war seit Jahren meist ein Mitläufer in der DFB- Elf, hätte Löw statt falscher Dankbarkeit das Leistungsprinzip gelten lassen, hätte sein Rücktritt schon früher stattgefunden. Es gab schon längere Zeit bessere Spieler als ihn.

Peter Schmitt, Brühl

Das Wichtigste von heute
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker Schwetzinger Zeitung
Newsticker überregional