Leserbrief

Erziehung Die vorhandenen Fähigkeiten fördern und an eine gute Entwicklung glauben / System Gemeinschaftsschule wird uns noch viel Nerven kosten

Gebt den Kindern die Möglichkeit, sich zu entfalten

Merken wir eigentlich noch was? Hören wir noch zu? Und das beziehe ich auf unsere Kinder, sehen wir noch unsere Kinder als unsere Kinder oder gehören die längst in die Obhut anderer. Was ich damit sagen möchte: Mir macht es Angst, wenn andere über unsere Kinder bestimmen – damit meine ich besonders die Mamas, wir haben sie monatelang unterm Herzen getragen.

Ich habe etwas dagegen, dass unsere Kinder mittlerweile so geformt werden wie andere dies gerne hätten. Situationen werden, statt auf Wahrheiten zu prüfen, manipuliert, fatale Schäden entstehen, Mobbing ist die Folge, das sind Belastungen, die keiner braucht.

Unsere Kinder haben keinen Architekten, unsere Kinder sind nicht aus dem Baukasten, entsprechen keiner Norm. Aber was ist ein gutes Kind, das wirklich in unsere Gesellschaft passt? Sind denn nur die Ja-Sager willkommen, die Ruhigen, die in sich kehren, damit sie ihre Ruhe haben? Wie fühlen wir uns denn, die wir einen Chef haben, der uns nicht will wie wir sind, voller Ideen und Begeisterung für die Arbeit gern mitorganisieren?

Zeigen wir doch, was wir drauf haben, seien wir vorlaut, arrogant, einfach nicht tragbar . . .

Der derzeitige massive Vandalismus, die Aggressionen und die Orte der Verwüstung sprechen Worte, die nicht zu entschuldigen sind. Holt die jungen Leute in die Verpflichtung, Zerstörtes wieder herzurichten, spätestens dann wird man in Gesprächen merken, was in den Seelen steckt und einige werden bereuen, was sie in ihrem Reflex getan haben. So wie die Zerstörer der Alla-Hopp-Anlage Reue suchen, vielleicht ist es Taktik, damit die Strafe vorm Richter gemildert wird, aber ein Beginn ist es allemal – und eine Chance.

Nein, wir hören unseren Kindern zu wenig zu, sie werden abgestempelt. Fähigkeiten sind längst weniger gefragt als Kompetenzen. Beim Parkfest sah man aber tolle Kinder und Jugendliche mit Begeisterung und Talent musizieren – Respekt!

Warum dürfen andere nicht auch ihre Fähigkeiten zeigen, muss man stets nur gut in der Schule sein? Nein, wir haben tolle Kids, aber die passen nicht ins Raster, sind eher aufmüpfig, frech, denen muss man Grenzen zeigen, aus denen kann nichts werden. Hört auf damit – besonders in den Schulen. Es gibt kein Wissen nur nach Lehrbüchern, man muss schon auf sich selbst hören und im Beruf Lehrer steckt das Lehren.

Wir können nicht viel tun als Eltern, wenn die Kids acht bis zehn Stunden am Tag weg sind. Dann hoffen wir wenigstens, dass sie in guter Obhut sind, aber der viele Wechsel bei den Lehrern stiftet oft Unruhe. Ich kenne Lehrer, die geben mir ein Feedback und meine Kids geben mir Gutes wieder, aber sie wollen ein System, in dem sie aufgehoben sind.

Eltern wären froh, wenn sie dann ein paar ruhige Stunden mit Fröhlichkeit verbringen könnten – nicht mit unendlichen Diskussionen, die so sinnlos und zeitraubend sind.

Ich möchte diesen Anstoß mit auf den Weg geben – und möge mit der neuen Schule Ruhe einkehren, denn es ist nicht in meinem Sinne etwas schlechtzureden, aber wir sollten wissen, das System Gemeinschaftsschule, wie es derzeit ist, wird auch im neuen Schulgebäude nicht Fähigkeiten an unsere Kinder verschenken, sondern nur den Geldbeutel der Planer füllen. Es wird uns noch einige Nerven kosten, wir sitzen noch mitten drin und Spaß macht es derzeit überhaupt nicht. Wie sollen unsere Kids klar denken bei diesem Durcheinander.

Mich haben die Worte von Werner Pfitzenmeier sehr gerührt, als er bei einer Ehrung sagte, er habe sein Hobby zum Beruf gemacht, mit den einfachsten Mitteln und Ideen. Und wer hat ihm da mehr die Hand gehalten, als seine Mama. Und ich glaube, sie hatte es auch nicht immer leicht, aber sie glaubte fest an ihren Sohn. „Gebt euren Kindern die Möglichkeit, sich zu entfalten. Es ist wichtig, dass man sich entfalten kann, sehr, sehr wichtig“, sagte er noch. Das hat mich zu diesem Brief veranlasst.

Sabine Englert, Schwetzingen

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