Leserbrief

Klimawandel Es geht um existenzielle Fragen junger Menschen

Generation Thunberg fördern

Wenn sich der in einem Artikel erwähnte FDP-Chef Christian Lindner über seinen Spruch „Konkrete Klimapolitik ist Sache der Profis“ ärgern sollte, wird ihn folgende, denkbar mögliche Schlagzeile vor Scham verstummen lassen: „Schwedische Schulschwänzerin Greta Thunberg erhält Friedensnobelpreis.“

Natürlich hat er Recht, dass konkrete Klimapolitik eine Sache für die Profis ist. Ich habe aber das Gefühl, die Profis vom Wegener-Institut und vom Potsdam-Institut, der Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber und der Naturwissenschaftler Ernst Ullrich von Weizäcker, erscheinen vielen Menschen wie Märchenerzähler, anderen eher als Störfaktoren in ihrem angenehmen alltäglichen Lebensrhythmus.

Dass nun noch Wissenschaftler den Schülern beispringen, gerät für die Wissenschaftsministerin Anja Karliczek zum großen Problem und zur beruflichen Krise. Sie kann natürlich als Verantwortliche für die Schulen, die juristisch ähnlich wie Gefängnisse Anstalten des öffentlichen Rechts sind, Schulschwänzern nicht das Wort reden. Sie muss sich bei der Diskussion vieler Bundesländer über Sanktionen gegen die Schulschwänzer, die mit ihren Streiks formal die Schulpflicht verletzen, auf die juristisch sichere Seite schlagen.

Dabei spielt es keine Rolle, wie marode unser Bildungswesen ist, wie stark sich Konkursphänomene manifestieren oder wie oft Ermahnungen für Reformen und Investitionen von der EU-Kommission in Berlin eingehen. Bei der Aktion „Freitage für die Zukunft“ geht es nicht um formaljuristische Rössel-sprünge. Es geht um existenzielle Fragen der jungen Generation.

Es geht um das Artensterben, um die Plastifizierung von Erde und Wasser, es geht um den schmutzigen Fußabdruck der Menschen auf unserem Planeten, wovon wir keinen Zweiten haben und um die Klimaerwärmung.

Es steht die große Frage im Raum, ob ein Paradigmenwechsel überhaupt den Abwärtstrend noch stoppen kann. Ich glaube, dass der Paradigmenwechsel nur von der Schulschwänzergeneration – Greta Thunberg – vollzogen werden kann. Ihre Generation hat auf Grund ihres Alters noch nicht so viel Schaden durch negative Komponenten der Sozialisation erfahren müssen.

Diese Generation hat wegen ihrer Jugend ihre Kraftreserven und Kraftquellen noch nicht für lebenserhaltende Maßnahmen verschleudern müssen. Es ist einfach nicht möglich, dass der Paradigmen- und Perspektivenwechsel von der Generation der Automobiltrickser und Investmentgauner mit ihrer mangelnden Sensibilität für die dramatischen Botschaften der Klimaprofis kommen kann.

Anton Strobel, Brühl

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