Leserbrief

Erdwärme Der Bürgermeister hätte die Aufgabe, Schaden von seinen Bürgern abzuwenden

Geothermie die Zweite?

Wer die Artikel in der SZ zum Thema Geothermie liest und dazu noch die Beschlussvorlage zur Gemeinderatsitzung, der muss sich fragen, zu was die Gemeindeverwaltung Brühl noch im Stande ist, um Schäden und gesundheitliche Risiken nach Brühl zu holen.

Es bewahrheitet sich wieder, dass es ein entscheidender Fehler war, das Bohrloch, wenn auch auf Kosten der Gemeinde, nicht dauerhaft zu schließen. Das öffentliche Wohl, das laut Beschlussvorlage und Vorstellung in der Gemeinderatssitzung von der Aufsuchung nicht beeinträchtigt sein soll, ist ohne Zweifel sehr massiv durch die Förderung und Nutzung von Erdwärme, Sole und Lithium betroffen.

Zu den öffentlichen Aufgaben der Gemeinde Brühl gehört unter anderem der Schutz vor seismischen Ereignissen und Gebäudeschäden durch die Geothermie, der Schutz vor Grund- und Abwasserverunreinigung bei zu erwartenden Betriebs- und Störfällen sowie der Gesundheitsschutz bei umweltschädigender Gewinnung von Lithium aus den Salzlaugen. Eine umweltschonende Gewinnung von Lithium aus Salzlaugen gibt es bisher nicht – und es wird sie aus Expertensicht auch nicht geben. Wer das ignoriert, handelt mit Vorsatz.

Die Entscheidung im Gemeinderat betraf momentan zwar nur die Aufsuchung, eine Ablehnung zur Bohrtätigkeit wäre bei jetziger Zusage nicht mehr zu begründen. Das haben wir doch beim vorangegangenen Verfahren schon durchlebt.

Geothermie wird nur mit einem ganz kleinen Teil zur Energiewende beitragen können. Und das zu enormen Investitionskosten und mit hohen Fördermitteln. Wo bleiben dagegen die riesigen ungenutzten Flächen für die Sonnenenergie? Kleingliedrige dezentrale Wärmeversorgungen, zum Beispiel durch Blockheizkraftwerke? Warum werden in Baden-Württemberg beziehungsweise im Rhein-Neckar-Kreis so wenige Windräder zugelassen? Die Technik der Latentspeicher wird überhaupt nicht verfolgt (im Sommer wird mit Sonne aufgeladen, was im Winter an Wärme benötigt wird), geschweige denn gefördert.

Brühl zum Beispiel ist die Gemeinde, die mit Abstand die geringste Stromeinspeisung nach dem EEG im ganzen Umkreis hat. Warum ist das so?

Geothermie mit Abstand von der Wohnbebauung: denkbar. Es wäre damals auf der Kollerinsel möglich gewesen. Aber der Bürgermeister lehnte das ab, er wollte dort den Campingplatz haben. Jeder weiß es: Geothermie nie in der Nähe einer Bebauung. Und trotzdem verfolgt der Bürgermeister wieder vehement das gleiche Ziel. Er will mit MVV und EnBW das Projekt unbedingt nach Brühl an den aktuellen Standort holen. Was für einen Grund gibt es dafür, dass ihm der Schutz vor Schäden an Gesundheit und Eigentum nicht wichtig genug ist?

Klaus Triebskorn, Brühl

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