Leserbrief

Pflegeheim-Standort in Hockenheim Am Rande der Stadt verlieren die Senioren an Lebensqualität / Lieber nochmals drüber nachdenken

Gibt’s im Biblis keinen Lärm?

Ja geht’s noch? In Hockenheim wird ein durchgeplantes Bauvorhaben auf dem Reiterplatz für ein Alten- und Pflegeheim (Kuratorium) aus Lärmgründen durch den Gemeinderat abgelehnt (für das es, wie ich gehört habe, Ausnahmegenehmigungen von der Heimbauaufsicht gibt). Es geht hier um etwa zehn, nicht zusammenhängende Tage von Veranstaltungen auf dem Hockenheimring, an denen stundenweise Lärm auftritt. Dafür soll das gleiche Bauvorhaben im Biblis, viertes Gewann) umgesetzt werden, das aus vielen Gründen ungünstig ist: Entfernung (suboptimal), Lärm (Bahn, Fahrzeuge), Gefahr (fließender Verkehr), Risiken (Hochwasser) sowie Gesundheit (Klimaanlagen).

1. Bei der Entfernung ist für alte Menschen das Problem, dass sie aus eigener Kraft den Weg in die Innenstadt nicht überwinden können und ausgegrenzt werden. Eine Infrastruktur zur Überwindung der Entfernung ist nicht vorhanden. Ja, geht’s noch?

2. Der Lärm durch die Bahn (vor allem Güterverkehr) sowie durch den Lkw-Verkehr, der direkt angrenzenden Bundesstraßen rollt hier tagtäglich von morgens bis abends vorbei. In einem Zeitungsbericht stand dieser Tage, dass dieses Manko durch eine Schallschutzverglasung zu kompensieren sei. Kann man eine Schallschutzverglasung nicht auch am Reiterplatz einbauen? Außerdem frage ich mich, warum die Anwohner der angrenzenden Wohngebiete dann schon 40 Jahre gegen Bahnlärm prozessieren. In einem weiteren Zeitungsartikel einer Bürgerinitiative stand, dass sich laut Eisenbahn-Bundesamt bis 2030 die Lärmbelastung und Güterzugfrequenz um ein Vielfaches an dieser Örtlichkeit verstärken wird. Ja geht’s noch?

3. Es besteht die Gefahr, dass alte Menschen dem in unmittelbarer Nähe (Aldi-Kreisel) stark aufkommenden Fahrzeugverkehr nicht mehr gewachsen sind (hier leben auch demenzkranke Menschen). Durch die Umgestaltung am Med-Center wird noch mehr Verkehr Richtung Aldi-Kreisel geleitet. Dieser Kreisel wird ein Verkehrsschwerpunkt, das ist jetzt schon abzusehen! Also wird man darüber nachdenken müssen, eventuell eine Begrenzung (Zaun, Mauer) zum Schutz bauen zu müssen. Ja geht’s noch?

4. Ein weiteres Risiko ist der Hochwasserschutz, der in der Innenstadt großgeschrieben wird, den es im Biblis aber anscheinend nicht gibt. Hier soll das Gebäude so tief wie möglich in den Boden (Grundwassernähe) getrieben werden, damit man die vorhandene Lärmschutzwand nicht erhöhen muss. Auf dem Reiterplatz wäre eine Tiefgarage problemlos möglich und hätte keinen weiteren Flächenverbrauch zur Folge. Im Biblis hingegen muss wegen der Grundwassernähe auf eine Tiefgarage verzichtet werden. Bei Starkregen oder Wettersturz ist das „Absaufen“ des Gebäudes vorprogrammiert. Ja geht’s noch?

5. Bezüglich der Gesundheit sollte man bedenken, dass bei Temperaturen über 30 Grad, wie im vergangenen Sommer, die Menschen in geschlossenen Räumen mit Schallschutzverglasung auf Klimaanlagen angewiesen sind. Da der Außenlärm auch abends und nachts vorhanden ist, kann man nicht einfach die Fenster länger öffnen und lüften. Bei Pflegebedürftigen, deren Immunsystem häufig schon stark angegriffen ist, sehe ich hier ein weiteres Risiko durch die künstliche Kühlung. Ja geht’s noch?

Ich kann mir nicht erklären, warum eine Stadt so eine Örtlichkeit auswählt, wenn im Vorfeld das Pflegeheim St. Elisabeth aus Lärm- und Entfernungsgründen den Außenbereich abgelehnt hat. Im sozialen Wohnungsbau wurde die Örtlichkeit auch aus Lärmgründen gestrichen. Der Zeitdruck kann bei so einer wichtigen Entscheidung auch kein Argument sein, da das Gesetz schon seit neun Jahren Bestand hat.

Ich möchte mit einem kleinen Reim zur Situation schließen:

Ist es nicht nett, ich habe einen Platz im St. Elisabeth!

Was mein Freund wohl dazu kann, abgeschoben zu werden ins Biblis-Gewann?

Anton Jorina, Hockenheim

Standort Pflegezentrum

Durch zwei Leserbriefe wurde ich animiert, mich nun auch zum Pflegeheimstandort zu Wort zu melden: Die Ausführungen von den Herren Westphal und Maurer kann man nur unterstreichen. Regelmäßig komme ich in die hiesigen Altenheime. Es ist so schön, zu sehen, wie immer wieder Bewohner selbstständig unterwegs sind – oder sich von ihren Angehörigen mit ihrem Rollstuhl in die „Stadt“ bringen lassen, um am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen – oder sich in einem Café zu erfreuen.

Es war mir eine Freude und Erleichterung, dass sich beim Altenheim St. Elisabeth eine wirklich vorzügliche Lösung gefunden hat, dass diese Einrichtung an ihrem Standort bleiben kann. Es ist so wichtig für die Bewohner, im Zentrum der Stadt zu sein. Sie sind somit noch „im Leben“ mit drin, müssen sich nicht als Minderwertige oder Abgeschobene vorkommen und können an manchen öffentlichen Angeboten teilnehmen.

So müsste auch für das Pflegezentrum in der Rathausstraße eine andere Möglichkeit als Biblis gefunden werden, damit die Bewohner im Stadtzentrum bleiben können. Es treibt mich im Nachhinein um, warum am neugestalteten ehemaligen „Messplatz“ eine große Wohneinheit mit Läden gebaut wird. Wäre hier nicht ein idealer Platz für das Pflegeheim gewesen? Es läge direkt am Puls in der Stadtmitte. Und das Hervorragende: Der neu gestaltete Kraichbachbereich wäre in unmittelbarer Nähe als Erholungsgebiet zu nutzen Warum hatten unsere Stadtväter dies bei der großen Planung nicht im Blick? Spielt hier eventuell das Geld die größere Rolle, das man hätte aufbringen müssen?

Ich denke auch, dass sich Hockenheim keinen guten Namen nach außen macht, wenn die Verantwortlichen auf dem Standort „Biblis“ beharren. Es täte mir leid für die Bewohner des Pflegezentrums, wenn sie auf diese Weise an den Rand gedrängt würden. Ihnen würde viel verloren gehen. Zu Fuß fanden in der Vergangenheit auch immer wieder Kindergruppen den Weg dorthin, um die Alten mit Liedern oder Vorspiel zu erfreuen. Das wäre dann auch nicht mehr möglich.

So sollte doch alles daran gesetzt werden, dass dieses Haus seine Qualität der Möglichkeiten nicht verliert. Nicht das Geld sollte den Standort entscheiden, sondern ein möglichst optimaler Platz für die Bewohner.

Dora Weimer, Hockenheim

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