Leserbrief

Die Grünen

Gibt’s noch Pazifismus?

Die Frage, ob es bei den Grünen noch Pazifismus gibt, ist leider mit Nein zu beantworten. Laut der Fraktionsvorsitzenden Katrin Göring-Eckhardt waren die Grünen noch nie eine pazifistische Partei.

Wie geschichtsvergessen? Die Grünen gründeten sich aus der 1968er-Bewegung, aus den Demos gegen den Vietnamkrieg und gegen die Stationierung amerikanischer Atomraketen in Deutschland. Gegen den Nato-Doppelbeschluss gingen im Bonner Hofgarten in den Jahren 1981 und 1982 jeweils über 300 000 Menschen auf die Straße.

Konsequenterweise haben die Grünen auf ihrem digitalen Parteitag die Teilnahme an einem völkerrechtswidrigen Einsatz der Bundeswehr (ohne robustes UN-Mandat) im Ausland nicht mehr ausgeschlossen. Die Vorsitzende und gefühlte Bundeskanzlerin in spe, Annalena Baerbock, plädiert dafür, über höhere Ausgaben in Verteidigung und Bundeswehr nachzudenken.

„Oh Herr, schmeiß Hirn vom Himmel.“ Haben wir keine anderen Sorgen? Die Kosten für die herrschende Corona-Pandemie werden auf gigantische 1,5 bis 1,9 Billionen Euro geschätzt. Des Weiteren droht eine Klimakatastrophe, die astronomisch teuer wird. Unsere angeblichen Feinde haben die gleichen Sorgen und wissen nicht, wie sie alles finanzieren sollen. Niemand bedroht uns. Das „Reich des Bösen“ hat genug mit sich selbst zu tun. Eine deutliche Absenkung der Militärausgaben und die Stärkung des Völkerrechts müssen das sicherheitspolitische Gebot der Stunde sein, nicht das Verpulvern weiterer Milliarden für die Aufrüstung der Bundeswehr und das Eintreten für Kriegseinsätze ohne UN-Mandat.

Das für Aufrüstung mehr ausgegebene Geld fließt nur in dubiose Beraterverträge und dunkle Kanäle. Oder glaubt jemand, dass dann Gewehre genauer schießen und Hubschrauber fliegen? Das Aufstocken des Wehretats ist, um es drastisch auszudrücken, unnötig wie ein „Testikel Papam“.

Manfred Hößler, Hockenheim

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