Leserbrief

Steuersünder Selbstanzeige darf nicht zur Straffreiheit führen / Er sollte jetzt die Konsequenzen ziehen

Hoeneß - die Vorbildschande

Straffreiheit für Steuersünder bei Selbstanzeige? Nein! Wer Euros am Fiskus vorbei ins Ausland transferiert, um die Steuer zu sparen, egal ob es sich um "Peanuts-Bagatellfälle" oder um viel höhere Geldbeträge handelt, darf nicht geschont werden.

Die Politik, quer durch alle Parteien unterdessen, ist in diesem leidigen Thema bekanntlich gespalten, äußert sich in Sonntagsreden, gibt unglaubhafte Statements ab, die an Scheinheiligkeit nicht zu überbieten sind. Das ist auch verständlich, denn wer selbst im Glashaus sitzt, sollte mit Steinen keinesfalls werfen!

Der Fall Hoeneß und andere prominente Lichtgestalten wie Zumwinkel, Graf, Becker und Co, zeigten uns bis dato anschaulich, wie es mit der Steuermoral hierzulande bestellt ist. Die "normalen Steuerzahler", auch Rentner und Pensionäre, werden aufgefordert, ihre Steuererklärung lückenlos ans Finanzamt zu schicken und diese Schickimicki-Gesellschaft betrügt auf Teufel komm raus. Anschließend stellt man es als Kavaliersdelikt oder als sportlichen Reiz dar und einige sehen sich sogar gezwungen, aus "reiner Notwehr" zu handeln.

Steuern zahlen, das ist keine Schande, sondern ein notwendiges Übel. Diese aber zu hinterziehen, das ist ein Verrat am ehrlichen Steuerzahler und mit Straffreiheit nicht zu rechtfertigen. Ob diese Absicht in Zukunft allerdings nützt, ist zweifelhaft. Denn, um diesen Sumpf trocken zu legen, müssten rigorose Maßnahmen geschaffen werden, an denen diese Spezies hart zu knabbern hätten! Steuerparadiese und Steuerflucht wird es auch weiterhin geben, ob es nun die Kanalinseln sind oder andere Schlupflöcher auf dem Planeten. Insider in der Finanzwelt haben das Know-how und geben entsprechende Tipps, womit solche Transaktionen auch in Zukunft an der Tagesordnung sein werden.

Gerhard Klee, Ketsch

Steuerhinterziehung und Ehebruch

Mit dem Satz von Bundespräsident Gauck: "Steuerhinterziehung und -betrug ist unmoralisch" bin ich voll und ganz einverstanden. Wenn jedoch der Satz: "Ehebruch ist unmoralisch" ebenso Gültigkeit besitzt, wirft hier jemand mit Steinen, der selbst im Glashaus sitzt.

Edgar Riedinger, Plankstadt

Justiz ist jetzt gefordert

Der ehemals so hoch geschätzte und in Talkshows gern gesehene Gast, der als Vorbild für die junge Generation des 21. Jahrhundert stand, hat seine Glaubwürdigkeit verloren. Ein typischer Upperclasskrimineller, der die politische Schutzgemeinschaft jahrelang genutzt hat, um Geld am Finanzamt vorbei zu mogeln. Auch jetzt noch, nach Aufdeckung dieses Skandals, stehen viele hinter ihm, die dazu lieber gar keine Meinung vertreten und lieber still sein sollten, weil sie vielleicht die Nächsten sein könnten.

Er selbst bleibt uneinsichtig, gibt vor, sich durch seine Selbstanzeige reingewaschen zu haben, Präsident des wohl herausragendsten Vereins der Deutschen Fußballclubs bleiben zu wollen und es nur noch durchstehen, ohne am Ende daraus irgendwelche Konsequenzen ziehen zu müssen.

Wenn diese Verblendung Schule macht und solch ein Weg auch noch Unterstützung bekommt, wenn man für seine Fehler, die hier wohl als Kavaliersdelikt gesehen werden, als so prominente Person nicht einstehen muss, dann ist das ein Signal an die Jugend, diesem Vorbild zu folgen. Führen wird es dazu, dass Schuld und Unschuld nicht mehr auseinandergehalten werden kann, wenn man rechtzeitig die Reißleine zieht.

Hier ist die Justiz aufgefordert, ohne Ansehen der Person das Bewusstsein in der Bevölkerung zwischen Kriminalität und Rechtschaffenheit zu schärfen - beziehungsweise das Verhältnis wieder herzustellen.

Knut Liesenbein, Brühl

Sündenbock für viele andere

Ulrich Hoeneß, einst mittelmäßiger Bundesligafußballer, dann grandioser Geldmanager für Bayern München, Moralpapst des deutschen Fußballs (zum Beispiel gegen Christoph Daum) wird selber steuerkriminell. Für ihn ist es nach eigener Aussage ein schwerer Fehler!

Vorher gibt es Drohungen gegen die Presse. Der Freistaat Bayern wusste über die Höhe der Hinterziehung Bescheid: Keine 650 Millionen! Woher? Hoeneß ist der Sündenbock für wie viele andere? Wenn Bayern München nach wie vor gewinnt, kommt er aus dem Schneider.

Wie viele andere auch! Peter Michael Mähn, Schwetzingen

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