Leserbrief

Asylbewerber-Camp Lob für ehrenamtliche Helfer und Aufruf, sie zu unterstützen

"Ich bin maßlos beeindruckt"

Seit Wochen dominiert die Frage des interkulturellen Miteinanders die Schlagzeiten aller Zeitungen und Zeitschriften. Eine Möglichkeit ist es, einen achtungsvollen, mitfühlenden Umgang miteinander zu pflegen. Und dazu habe ich folgendes erlebt: Ich hatte die Möglichkeit, einen kleinen Einblick in die Arbeit des Asyl-Arbeitskreises Schwetzingen und in das Asylbewerber-Camp zu erhalten. Und ich muss sagen, ich bin maßlos beeindruckt.

Zuerst erhielt ich eine Führung von einer freiwilligen Helferin des Arbeitskreises "Soziales". An dieser Stelle nochmals vielen Dank dafür. Der Anblick der Wohnsituation war so unangenehm wie erwartet. Eine Wohneinheit mit 30 Quadratmetern, auf denen sechs Personen leben, macht deutlich, dass hier wirklich niemand zu seinem Vergnügen lebt.

Wer hier ist, muss einen triftigen Grund haben. Wie schlimm muss es da zu Hause gewesen sein. Die Um-stände sind nicht schön. Auffällig wa-ren die vielen freundlichen Worte der Bewohner. Die ehrenamtlichen Helfer erfreuen sich großer Beliebtheit bei den Bewohnern. Besonders die weiblichen Ehrenamtlichen werden von Männern, in deren Kultur Frauen oft keinen gleichwertigen Stellenwert haben, freundlich und achtungsvoll gegrüßt. Wir erhielten eine Einladung zum Tee, und dort konnte ich erfahren woher die große Akzeptanz kommt. Der Einsatz der Ehrenamtlichen ist unschätzbar. Sie investieren unglaublich viel eigene Freizeit, kümmern sich um jeden, der sich an sie wendet, suchen Kontakt zu denen, die nicht von alleine auf sie zukommen. Sie helfen bei Arztbesuchen, übersetzen, vereinbaren Termine, fahren die Asylbewerber zu Terminen die sie nicht eigenständig erreichen können.

Ebenso unterstützen sie, wenn ein Termin auf einem Amt ansteht. Die Camp-Bewohner können sich unbürokratisch mit jedem Problem an die Helfer wenden, die dann eine Lösung suchen. Und meistens auch finden. Natürlich zeitnah. Die Aufgaben erstrecken sich von "Es wird ein Paar Herrenschuhe Größe 43 für Zimmer X benötigt", bis zu "Das Baby der Familie von Zimmer Y ist geboren worden, jetzt benötigt es eine europäische Geburtsurkunde".

Bei der Teambesprechung durfte ich ebenfalls dabei sein. Dabei wurde nochmals deutlich, wie viel persönlichen Einsatz, Engagement, Erfindungsreichtum und soziale Kompetenz diese Arbeit erfordert. Und für diese freiwillige Arbeit fehlen immer noch viele Helfer.

Besonders jetzt, da sich die Anzahl der Asylbewerber nochmals deutlich erhöht hat und weitere Ankömmlinge angekündigt sind. Die Arbeit, die dort geleistet wird, unterscheidet Grundversorgung von Mitmenschlichkeit. Und davon braucht es immer mehr, wenn in den Zeitungen einmal wieder mehr Positives zu lesen sein soll. Vielen Dank dafür!

Alenka Zschocke, Hockenheim

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