Leserbrief

Internationaler Frauentag Europäerinnen waren die Vorreiterinnen / Neues Buchprojekt soll die Situation schildern

In Afghanistan gibt es keine Gleichheit

Der internationale Frauentag fand im Jahre 1911 zum ersten Mal statt. Die Deutsche Clara Zetkin hatte 1910 in Kopenhagen vorgeschlagen, einen solchen internationalen Frauentag einzuführen. Das erste Ziel verschiedener Frauenrechtlerinnen war es damals, den Frauen das Wahlrecht zu ermöglichen. Weltweit war es ein langer Weg: Die europäischen Frauen waren praktisch die Vorkämpferinnen. Frauen auf der ganzen Welt folgten ihrer Idee.

Durch den hartnäckigen und unermüdlichen Kampf der Frauenbewegung schafften es die europäischen Frauen, in verschiedenen Ländern zu ihrem Wahlrecht zu gelangen. Andere Frauen haben es leider bis heute noch nicht geschafft. In vielen islamischen Ländern, besonders aber in Afghanistan, sind Frauen noch heute für viele Menschen zweiter Klasse.

Obwohl man ihnen offiziell 1963 das Wahlrecht zugestand, in den 1970er Jahren es einen kleinen Fortschritt im Land gab, dürfen sie heute nicht einmal selbst wählen, welches Kleid sie kaufen oder nicht. Tatsächlich ist es so, dass sie heute meistens ein eher rückschrittliches Leben führen müssen. Von 1991 bis 2001 war eine der dunkelsten und schrecklichsten Zeiten in der Geschichte der afghanischen Frau. Radikale Islamisten waren an der Macht: Öffentliche Auspeitschungen, Steinigungen, Zwangs- und Kinderheirat, Vergewaltigungen, häusliche Gewalt, Vollverschleierung und Ehrenmorde waren an der grausamen Tagesordnung.

Die traditionellen afghanischen Werte mussten hochgehalten werden, alles was nur im Entferntesten mit demokratischen Werten zu tun hatte, musste mit aller Gewalt zurückgedrängt und vernichtet werden. Nach dem Sturz der islamistischen Taliban in 2001 gab es große Hoffnung im Land. Für alle Menschen, besonders aber für die Frauen und Mädchen.

Frauenrechte wurden gesetzlich verankert. Frauen durften wählen und selbst gewählt werden. Zumindest auf dem Papier. Mädchen durften in die Schulen gehen. Leider wurde die große Hoffnung der Frauen und Mädchen schnell zunichte gemacht. Tag für Tag verloren sie immer mehr Rechte. Der Großteil der männlichen Gesellschaft und ihr traditionelles Denken waren nicht bereit, diese modernen Erneuerungen mitzugehen und mitzutragen. Plötzlich verschwanden Frauen auf der Straße, sie mussten sich wieder in ihre Burka hüllen, verschwanden aus dem öffentlichen Leben. Mädchen durften nicht mehr in die Schulen gehen. Den Frauen wurde das Arbeiten in der Öffentlichkeit verboten. Heute ist es so, dass Steinigungen und Auspeitschungen, Zwangs- und Kinderheirat sowie häusliche Gewalt und Ehrenmorde wieder völlig normal sind. Vor allem außerhalb Kabuls.

Aktuell ist die Zukunft des Landes weiterhin mehr als ungewiss. Ende Februar 2020 wurde ein sogenanntes Friedensabkommen zwischen den Taliban und den USA geschlossen. Die Taliban aber wollen nur eines: Die extrem strengen Schariagesetze nach ihrer eigenen Interpretation umsetzen und ein Kalifat und einen Gottesstaat errichten.

Die Menschen haben derzeit große Angst und regelrecht Panik, weil sie nicht wissen, welcher Schrecken wieder auf sie zukommen wird. Die Regierung bleibt weiterhin tatenlos. Sie reagiert nicht, wenn es zu Auspeitschungen und Steinigungen kommt.

Die Situation der afghanischen Frau ist und bleibt weiter sehr schlimm und gefährlich. Der internationale Frauentag interessiert dort nicht im Geringsten. Der Wille der Islamisten herrscht derzeit vor im Land: Burkazwang, Kinder- und Zwangsheirat, häusliche Gewalt, Unterdrückung und Diskriminierung der Frau.

Menschenwürde und Gleichheit wollen die meisten Männer, die wie die Taliban denken, den Frauen weiterhin nicht zugestehen. Die Geschichte wiederholt sich wieder einmal. Demokratische Werte und das bisschen Frauenrechte, das die Frauen erfahren durften, werden wieder verloren gehen.

Wir würden uns wünschen, dass sich noch mehr deutsche und europäische Frauen zum 8.März mit den afghanischen Frauen solidarisieren und mit auf deren Schicksal aufmerksam machen würden. Um auf dieses schlimme Schicksal hinzuweisen, haben wir uns entschlossen, unser drittes gemeinsames Buchprojekt in Angriff zu nehmen und es in Kürze fertigzustellen.

Der Titel des Buches „Afghanistan – Frauen unter Peitsche und Schleier“ spricht für sich. Es handelt von dem extrem schwierigen Leben der afghanischen Frau, ihrer schlimmen Unterdrückung und der grausamen und unmenschlichen Gewalt, die ihr tagtäglich im Namen der Religion und Tradition angetan wird.

Während viele Frauen auf der Welt den internationalen Frauentag am 8. März feiern werden, bleiben Werte wie die eigene Identität, Gleichberechtigung und Selbstbestimmung weiterhin ein Traum für die afghanische Frau.

Said Azami und Raquel Rempp,

Schwetzingen

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