Leserbrief

Großbritannien Ein Blick auf die Regierungsarbeit mit ihrem Premierminister / EU hat nicht mehr alle Karten in der Hand

Ist Boris Johnson ein neuer Winston Churchill?

Der von Medien vielgeschmähte Boris Johnson ist nicht nur der große Sieger in Großbritannien, sondern auch in Europa – genauer: in der EU. Denn Boris Johnson hat vor den Wahlen ein neues, für Großbritannien eindeutig günstigeres Austrittsabkommen mit der EU abgeschlossen als die unglücklich agierende Theresa May. Johnson fand mit seinem neuen Vorschlag vor allem Verständnis bei und Unterstützung von Frankreich – von Staatspräsident Emmanuel Macron.

Und nun verfügt Boris Johnson seit dem 12. Dezember mit seiner konservativen Partei über eine komfortable absolute Mehrheit, obschon er im Vorfeld der Wahlen im alten Parlament eine Niederlage nach der anderen hat einstecken müssen. Es erinnert mich in gewisser Weise an Winston Churchill, dem Großbritannien und Europa, so auch Deutschland, unermesslich viel zu verdanken haben. Das alles ist eine sehr beachtenswerte Leistung, denn die EU unter Führung Deutschlands, das beim Brexit von allen EU-Staaten weitaus am meisten verlieren wird, hat sich gegenüber dem vom britischen Volk beschlossenen Brexit ablehnend – ich sage: destruktiv – verhalten. Die Lagebeurteilung von Sabine Weyand, der deutschen stellvertretenden Verhandlungsführerin vonseiten der EU, dass „die EU alle Karten in der Hand hat“ trifft nicht (mehr) zu, denn nun hat eindeutig der britische Premierminister Johnson das Sagen. Dessen Ermahnung an die Briten, die in der EU bleiben möchten („put a sock in it“ – halt die Klappe), gilt auch für die EU, vor allem für Deutschland. „Let’s get Brexit done, but first get breakfast done“ – „Yes, Mister Johnson!“

Jürg Walter Meyer, Leimen

Das Wichtigste von heute
Newsticker Schwetzinger Zeitung
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker überregional