Leserbrief

Ansiedlung der "21sportsgroup" Eine kleinteilige Vergabe wäre vielleicht besser gewesen / Arbeitsplätze als positives Argument

Ist das wirklich ein Glücksfall?

Ob man als Gemeinde über die Ansiedlung der "21sportsgroup GmbH" in Ketsch so glücklich sein kann, darüber kann man geteilter Meinung sein. Sicherlich sind als positive Aspekte die Arbeitsplätze und die Steuereinnahmen zu nennen.

Was aber doch für Irritation sorgt, ist die rechtliche Konstruktion dieses Vorhaben. Wenngleich sich die "21sportsgroup GmbH" in Ketsch ansiedeln möchte, ist sie wohl nicht Eigentümer vom Grundstück und auch nicht vom zukünftigen Gebäude. Käufer für das Grundstück ist vielmehr nach den Drucksachen des Landtages (unter anderem 16/0048) die Kapitalverwaltungsgesellschaft Institutional Investment Partners GmbH (IIP GmbH). Diese hält auch das Optionsrecht für eine weitere Teilfläche von 14 700 Quadratmetern. Die "21sportsgroup" ist da nur Mieterin. Auch muss man sich fragen, wie man auf "hunderte Arbeitsplätze" kommt, denn laut den Drucksachen des Landtages sind es 100 neue. Wenngleich auch diese Größenordnung keinesfalls zu vernachlässigen ist.

Im Hinblick auf diese Rechtskonstruktion, die Größe der Fläche von zirka 68 000 Quadratmetern und dem großflächigen Wegfall von Naturflächen, kommen einem schon Bedenken zu diesem Großprojekt. Gerade, ob nicht eine kleinteilige Gewerbeansiedlung oder sogar der Verzicht einer Ausdehnung der Gewerbeflächen nicht sinnvoller gewesen wäre.

Bedauerlich ist auch das Verhalten der Gemeindeverwaltung, die wohl eine Informierung der Bevölkerung für nicht notwendig hält. Hier darf man daran erinnern, dass bereits im Juni 2016 auf dieses Großprojekt aufmerksam gemacht wurde. Im Hinblick auf den möglichen Verkehr, Lärm, weitere Belastungen oder generell zur Entwicklung des Gewerbegebietes, wäre eine Informations- und Diskussionsveranstaltung wünschenswert gewesen. Hier würde zum Beispiel interessieren, welches Konzept die Gemeindeverwaltung mit dem Gewerbegebiet verfolgt. Gibt es überhaupt ein Konzept? Schließlich ist die "21sportsgroup" und auch zuvor der Gemüsering nicht vom Himmel gefallen. Vielmehr war es das Ergebnis der offensiven Bewerbung der Flächen auf Immobilienmessen, wie zum Beispiel der EXPO REAL in München unter Billigung des Landes. Was hat das gekostet und mit welchem Gemeinderatsbeschluss hat man diese Bewerbung als Gemeindeverwaltung überhaupt veranlasst?

So läuft es aber wie immer, es werden Entscheidungen hinter verschlossenen Türen im Rathaus und im fernen Landtag in Stuttgart getroffen. Dann darf man sich aber auch nicht über Politikverdrossenheit und Ärger beschweren.

Simon Schmeisser, Ketsch

Das Wichtigste von heute
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker Schwetzinger Zeitung
Newsticker überregional
Meistgelesene Artikel
Neueste Artikel