Leserbrief

Pflegeheimstandort in Hockenheim Die Meinungen bei den Bürgern gehen auseinander / Unterlagen öffentlich machen und diskutieren

Ist die Randlage vorgeschoben

Ein Pflegeheim-Neubau soll im Gebiet Biblis in Hockenheim entstehen. Für die Bürgerinitiative ist es schwer zu sagen „wir wollen diese Menschen nicht bei uns haben?“ Oder „der Autoverkehr stört uns. Die Straßen werden zugeparkt.“ „Wird das Restgebiet Bauland?“ „Die Grundstückspreise fallen.“ Das wäre unpopulär. Deshalb die dürftige Argumentation mit der Randlage.

In Hockenheim kann man in 15 Minuten zu Fuß von überall ins Zentrum gelangen. Warum ist die Initiative nicht zur „Randlage“ des Heims im Med Center aktiv? Gelten da andere Maßstäbe? Die Lärmbelastung: Der Standort liegt hinter einem Lärmschutzwall an der Landstraße. In Oftersheim gibt es ein Heim an der Bahnlinie. In Neckarau an der vierspurigen Straße. Gibt es dort Beschwerden?

Pflegebedürftige und deren Angehörige können selbst entscheiden, wo sie leben wollen. Hat sie jemand gefragt? Erweiterung des aktuellen Standorts: Gefährlich! Rettung im Notfall ist schwierig bei dieser verwinkelten Bebauung. Die Heimaufsichtsbehörde wird 2019 die Schließung des Pflegezentrum Hockenheim anordnen. Über 200 Arbeitsplätze sind nur das geringste Problem. Hier geht es um alte Menschen. Die hat man bereits einmal „verpflanzt“. Jetzt schickt man sie einfach weg. Keiner will sie vor seiner Haustür haben. Das ist traurig, aber wahr. Bleibt zu hoffen, dass kein Gegner einen Pflegeplatz in Wohnortnähe benötigt. Als Gesellschaft sollten wir uns schämen.

Jochen Stephan, Hockenheim

Arbeitsplätze sind in Gefahr

Wir arbeiten seit Jahren im Pflegezentrum. Wir sind der Meinung, dass wir eine gute Arbeit zum Wohle unserer Pflegebedürftigen leisten. Sicherlich möchten wir nichts schädliches für unsere Bewohner. Es ist uns ein Anliegen, dass sowohl die Bewohner wie auch wir am Standort Hockenheim bleiben können. Viele von uns Mitarbeitern leben in Hockenheim und haben kein Auto zur Verfügung.

Leider ist der öffentliche Nahverkehr für Pflegekräfte, die um 6.30 Uhr am Wochenende zum Frühdienst müssen, nicht vorhanden. Wie sollen wir dann unsere Arbeit erreichen? Auch haben wir uns mit unseren Bewohnern unterhalten, diese sehen den Standort „Biblis“ nicht kritisch, meistens sagen sie, dass es ihnen egal sei, wo sie in Hockenheim wohnen. Aber sie äußern sich sehr genau, dass sie auf uns als Pflegekräfte nicht verzichten möchten. Wir hoffen sehr, dass der Standort Hockenheim erhalten bleibt! Im Namen vieler Kollegen.

Angela Lehr, Hockenheim

Mehr Transparenz nötig

Mehr Transparenz und Bürgerbeteiligung ist derzeit nicht nur in Hockenheim in aller Munde. Überall gründen sich Bürgerinitiativen und bitten um Informationen, die Bürgern gesetzlich zustehen. Dies zeugt nicht gerade von transparenten Verwaltungen. Auch in Hockenheim ist dies zu beobachten, insbesondere bei der Planung eines Alten- und Pflegeheims. Hier wurde ein Standort beschlossen, ohne dass bis heute ein aktuelles Lärmgutachten für Reiterplatz und Biblis vorgelegt wurde. Am Reiterplatz ist der Lärm vielleicht zehnmal im Jahr ein bis zwei Stunden am Tag hoch, im Biblis donnert alle fünf Minuten ein Güterzug vorbei – mit zunehmender Frequenz. Letztlich muss das in einem aktuellen Lärmgutachten berücksichtigt werden. Was, wenn es dieses aktuelle Lärmgutachten gar nicht gibt?

Wie zu lesen war, musste der Gemeinderat Beschlüsse über das Vorhaben ohne qualifizierte Unterlagen fassen. Immer wieder wird das Argument Zeit genannt. Das kann doch nicht das einzige haltbare Argument für ein Projekt in diesem Ausmaß und mit dieser Bedeutung für die Bürger der Stadt sein. Die Bürger müssen zukünftig mit der Konsequenz dieser Entscheidung leben. In der Zeitung konnte man lesen, dass Bürger und Fraktionen nach mehrmaliger schriftlicher Anfrage keine Antworten bekommen haben. Das ist das Gegenteil von Transparenz. Wenn man nichts zu verbergen hat, warum kommen dann keine Antworten und Lärmgutachten mit aktuellen Zahlen von der Stadtverwaltung?

Nun soll eine „frühzeitige Öffentlichkeitsbeteiligung“ vor Weihnachten stattfinden und anschließend die Pläne über Weihnachten und Neujahr zur Einsicht im Rathaus ausliegen. Was ist daran „frühzeitig“, wenn der Standort ohne Vorlage eines Lärmgutachtens und ohne Nennung der weiteren geprüften Standorte bereits im Juli entschieden wurde? Der Zeitpunkt vor und über Weihnachten und die Handlungsweise sind eine Provokation für alle, die für Transparenz eintreten. Dies wirkt wie eine Alibi-Öffentlichkeitsbeteiligung. Beim sozialen Wohnungsbau hingegen gab es drei öffentliche Veranstaltungen für alle Bürger bevor die Entscheidung für Reiterplatz und Hubäcker fiel. Dennoch ist hier seit einem Jahr nichts passiert.

Müssen Pflegebedürftige bald die letzte Zeit ihres Lebens an diesem dafür ungeeignetsten Platz verbringen? Man fragt sich, ob es bei dem Verhalten der Stadtverwaltung überhaupt noch um ein Alten- und Pflegeheim geht oder vielleicht um ganz andere Ziele? Jetzt wäre die Chance, dieses Fiasko durch einen neuen Entscheid des Gemeinderats abzuwenden. Hierzu braucht es Stadträte mit Rückgrat. Die Bürger Hockenheims werden es ihnen danken.

Ursula Stieber, Hockenheim

Sachlage oder Stimmungsmache?

Von Anfang an habe ich die Diskussionen um den Neubau eines Alten- und Pflegeheimes in Hockenheim verfolgt und vermisse die kontroverse Auseinandersetzung mit diesem Thema. Viel mehr empfinde ich die Berichterstattung seitens der Bürgerinitiative und einige Leserbriefe als Stimmungsmache, um den Standort Biblis 4 madig zu machen. Der jüngste Leserbrief hat mich veranlasst, auch einen zu verfassen. Hierzu greife ich die darin angeführten Punkte noch einmal auf.

1. Entfernung: Das Grundstück am Reiterplatz hat eine ähnlich weite Entfernung zur Karlsruher Straße wie der Standort Biblis 4.

2. Lärm: Bisher wurde der Lärm gerne als Ausschlusskriterium angeführt. Allerdings vermisse ich konkrete Zahlen, die dies belegen.

3. Gefahr ALDI-Kreisel: Ist es nicht so, dass der Kreisel den Verkehr deutlich verlangsamt? Der stationäre Blitzer in der Ernst-Wilhelm-Sachs-Straße lässt vermuten, dass hier nicht immer vorschriftsmäßig gefahren wird und somit der Standort Reiterplatz ein größeres Risiko mit sich bringt.

4. Hochwasser: Ich kann mich nicht entsinnen, dass es bisher großflächige Überschwemmungen im Bereich Biblis gab.

5. Temperaturen: Die Standorte Biblis 4 und Reiterplatz liegen in derselben Klimazone. Demnach werden an beiden Standorten ähnliche Temperaturen auftreten. Und die These, dass Klimaanlagen krank machen, finde ich gewagt.

Durch diese differenzierte Betrachtung der vorherigen Punkte haben diese nichts oder nur bedingt etwas mit der Sachlage zu tun. Die Frage bleibt, ob es sich hier nicht nur um Stimmungsmache handelt? In einem früheren Artikel hieß es, die „Alten“ würden an die Peripherie abgeschoben, wenn ein Alten- und Pflegheim in Biblis 4 gebaut werde. Die Definition von Peripherie trifft auch auf den Standort Reiterplatz zu. Wobei hier die Frage auftaucht, ob ein Alten- und Pflegeheim direkt neben dem Friedhof die glücklich gewählte Alternative ist? Sollte es nicht oberstes Ziel sein, eine ausreichende Anzahl an Pflegeheimplätzen in Hockenheim zu erhalten, um die Attraktivität zu wahren? Als „Hoggema“ finde ich Hockenheim überall lebenswert. Sollte man dies unseren Senioren verwehren?

Daniel Berger, Hockenheim

Kritik am Umgang

Da die Diskussion um den Standort des „Pflegeheims“ nun doch mehrere Mitbürger interessiert, möchte ich noch einen Punkt zur Entscheidungshilfe ansprechen. Sollte man der Betreiberin überhaupt erlauben, ein Pflegeheim zu betreiben? Ich höre immer wieder Kritik an der Art und Weise, wie die Dame mit ihren Mitmenschen umgeht, aber niemand traut sich, das offen auszusprechen. Was ich hier im Haus selbst erlebt habe und was mir von Patienten und Mitbewohnern und Personal erzählt wurde, habe ich zu einer kleinen Dokumentation mit Bildern zusammengestellt.

Da die Inhaberin diejenigen, die aufbegehren, wie eine Dampfwalze niedermacht, bleibt mir nur der Weg an die Öffentlichkeit. Beschwerden bei der Heimaufsicht und bei der Stadt (Bauaufsicht und OB Gummer) werden nicht oder mit Ausreden und Vertröstungen beantwortet. Bitte denken Sie daran, dass Sie im Alter auch in einem solchen Haus landen könnten. Es ist schon schlimm genug, dass die Politik die Alten und Kranken aufs Abstellgleis schiebt, unterstützen Sie diese Zustände nicht noch. Dass Sie dazu schweigen, macht Sie zu Mitwissern und Mittätern. Nur dadurch, dass man es zulässt, kann sich das Böse am Leben halten. Aber die Geldgier von einigen wenigen Personen sollte man nicht über das Wohl von alten und hilflosen Kranken stellen. Falls Sie mehr Beweismaterial brauchen, stelle ich das gerne zur Verfügung.

Klaus Maurer, Hockenheim

Das Wichtigste von heute
Newsticker Schwetzinger Zeitung
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker überregional