Leserbrief

Venezuela Korrektur zu einem Leserbrief vom 8. Februar

Kein Putschist – aber eine Witzfigur

Es ist unangenehm, wenn man sich selbst korrigieren muss, aber was sein muss, muss sein, denn die Dinge müssen immer so nah an der Wahrheit wie möglich benannt werden: In meinem Leserbrief vom 8. Februar titulierte ich den sich selbst zum Präsidenten erhobenen Guaidó als „Putschisten“. Diese Titulierung muss ich zurücknehmen! Nachdem ich in der deutschen Ausgabe von „Le monde diplomatique“ vom März 2019 gelesen habe, dass seine Partei „Voluntad Popular“ im Parlament von 167 Sitzen gerade mal 14 – ja, Sie haben richtig gelesen: 14 Sitze innehat, kann man ihn beim besten Willen nicht als „Putschist“, sondern muss ihn viel mehr als Witzfigur bezeichnen!

Damit passt er viel besser zu der Witzfigur im Weißen Haus! Leider kann diese Witzfigur Leute eines Schlags von Elliott Abrams zum Sonderbeauftragten für Venezuela ernennen. Seine Qualifikation für den Job hat er in der Vergangenheit nachdrücklich unter Beweis gestellt, indem er schon unter Reagan dabei half, Bürgerkriege in Mittelamerika anzuzetteln und demokratisch gewählte Regierungen, die den USA ein Dorn im Auge waren, zu stürzen.

Die Berichte in der Schwetzinger Zeitung zu Venezuela lese ich so aufmerksam, dass es mir nicht entgangen wäre, wenn dort berichtet worden wäre, dass Guaidó Anführer einer Splitterpartei ist. Man muss sich schon fragen, warum diese Information nicht vermittelt wurde. Wahrscheinlich Zufall! Leider war auch kein Platz für die Info, dass im Nordosten Kolumbiens jährlich tausende Kinder verhungern! Aber dabei handelt es sich ja um Indios vom Stamm der Wayuu! Für die Info, dass eben dieses Kolumbien „humanitäre Hilfe“ nach Venezuela schicken will, dafür findet sich Platz.

Im Gegensatz dazu ist in Venezuela niemand verhungert! Und den Menschen dort ginge es deutlich besser, wenn die USA nicht das Vermögen Venezuelas, das bei US-Banken angelegt ist, blockiert und das Land und die Menschen dort mit Sanktionen überzogen und Großbritannien nicht das dort gelagerte Gold Venezuelas konfisziert hätte!

Günter Pfisterer, Hockenheim

Anmerkung der Redaktion: Ende Dezember 2015 drückte der Wähler seinen Willen aus: Mit einer deutlichen Mehrheit zog die konservativ-bürgerliche Opposition in die Nationalversammlung von Venezuela ein. Deren Präsident ist Guaidó. Maduro ignorierte das, regierte mit Sonderdekreten und ersetzte das Parlament durch eine verfassungsgebende Versammlung, die nur mit Maduro-Anhängern besetzt ist. Zwei Millionen Venezolaner ergriffen seither bereits die Flucht.

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