Leserbrief

Gesellschaftsfragen

Klimarettung und der Weltfrieden

Seit Jahrzehnten hat es keinen weniger beliebten amerikanischen Präsidenten gegeben als Donald Trump – in Deutschland! In den USA hingegen hat er Chancen, 2020 wiedergewählt zu werden – trotz aller Kritik! Er schubst andere weg, hält populistische, aufputschende Reden, schreibt nur Tweets ohne Argumente. Doch schlimmer als Äußerlichkeiten ist seine Politik: Er lehnt die Verantwortung für das Klima ab, zerstückelt den Welthandel mit seinen „Deals“ und mischt sich in regionale Konflikte ein.

Europa kann sich nicht mehr auf die USA – seinen lange Zeit wichtigsten Partner – verlassen. Angesichts drängender Aufgaben, der Erhaltung des Freihandels und der Umwelt, müssen sie sich umorientieren. Und der größte Staat, mit dem sie keine Konflikte haben, ist China. Seine Führung öffnet sich, sucht gleichzeitig die Zusammenarbeit mit Europa und lädt auffällig oft die deutsche Kanzlerin zu Gesprächen ein.

Trotz aller Unterschiede zwischen Atheisten und Christen, Kommunisten und Demokraten ist eine globale Verantwortung für die Erde und die Menschen entstanden. Im Geiste Abrahams und seines Auftrags: „Sei ein Segen.“ Und der Zusage an Mose, er werde das Volk bei seiner Befreiung unterstützen. Selbstständigkeit und Einheit – mehr kann sich bis heute kein Volk wünschen.

Wenn Angela Merkel mit solchen Worten versucht hätte, Xi Jinping und ihre eigene Regierung für eine deutsch-chinesische Zusammenarbeit zu gewinnen, hätte sie vielleicht Schulterzucken erlebt: „Schöne Worte, aber überall gibt es Nationalisten und Rassisten, die Hass säen, nach Macht streben und Kriege vom Zaun brechen.“ Als Physikerin freilich wäre sie in der Lage gewesen auf die beiden Urkräfte zu verweisen, die seit der ersten Sekunde des Universums dessen Architektur bis in die Seelen der Menschen alles prägen: Abstoßung und Anziehung.

Nun ist die Physik nicht alles, es gibt auch die Theologie. Das Volk Israel hat sich selbst beobachtet, Schwächen und Stärken gesucht – und ein Defizit entdeckt. Ihm fehlten Helfer mit göttlicher Weisheit, ein Messias. Als Erste rief wohl die Prophetin Hanna nach ihm, Samuels Mutter. Nach seiner Geburt verkündete sie: „Der Herr macht arm und macht reich – er erhöht den Armen aus dem Kot.“ Sie nahm vorweg, was 1000 Jahre später die Jungfrau Maria bei der Ankündigung von Jesu’ Geburt antwortete: „Er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen. Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben und lässt die Reichen leer ausgehen.“

Wiederum 2000 Jahre später hat der Theologe Dietrich Bonhoeffer diese Verse „revolutionär“ genannt und damit eine Parallele zum Marxismus und Kommunismus der Neuzeit gezogen. Die christliche und die marxistische Weltsicht sind also nicht völlig konträr. Sie können eine europäisch-chinesische Zusammenarbeit fördern: Vertrauen und ein besseres Verständnis, auch mit der Demokratiebewegung Hongkongs. Mehr lässt sich im Augenblick nicht erwarten. Wenn Xi Jinping darauf eingeht, haben er und Europa einen Konflikt weniger in einer Zeit, in der zwischen dem Iran und den USA ein neuer entsteht.

Helmut Mehrer, Brühl

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