Leserbrief

Energiepolitik: 2 Kraft-Wärme-Kopplung und Windkraft sind teuer und schaffen die Co

Klimaziele der Regierung sind gefährdet

Die Bundesregierung hat gerade eine neue Kostenumlage auf die Strompreise beschlossen. Mit 1,5 Milliarden Euro jährlich soll die "hocheffiziente und klimafreundliche" Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) gefördert werden, um das gefährdete deutsche Klimaziel "40 Prozent weniger CO2 in 2020 - bezogen auf 1990" doch noch zu erreichen.

570 Millionen Tonnen energiebedingtes CO2 sollen es in fünf Jahren nur noch sein, im Vergleich zu voraussichtlich 660 in 2015. Unter Vernachlässigung von Konjunktur-und Wettereinflüssen auf den Energieverbrauch heißt das: Binnen fünf Jahren sollen 90 Millionen Tonnen CO2 weniger emittiert werden, das heißt 18 Millionen im Schnitt. Das sind 50 Prozent mehr als von 1990 bis 2014 im Jahresdurchschnitt vermieden werden konnten!

Was kann die KWK in dieser schwierigen Situation ausrichten? Aus thermodynamischen Gründen kann die Energieverwertung, der Wirkungsgrad, in Heizkraftwerken (HKW) 80 Prozent erreichen und somit doppelt so gut sein wie in normalen Kraftwerken. Allerdings nur in der Heizperiode bei optimalem Verhältnis der Kuppelprodukte Strom und Heizwärme. In einem HKW wird Dampf aus der Turbine entnommen und zur Bereitung von Heißwasser für ein Fernwärmenetz mit einer Vorlauftemperatur von 120 bis 130 Grad verwendet. Siehe GKM in Mannheim. Diese Simultanproduktion hat mit der von grün-alternativer Seite als Argument gegen AKW behaupteten "Abwärmenutzung" nichts zu tun. Das am Ende des Stromerzeugungsprozesses aus einem Kraftwerk als Abwärme austretende Kühlwasser hat nur 15 Grad und ist energetisch nicht nutzbar.

Gemäß dem neuen KWK-Beschluss soll effizienter Koppelstrom aus Gas wesentlich weniger effizienten Steinkohlestrom ersetzen. Dadurch wird nicht nur Einsatzenergie eingespart, sondern es verringert sich auch die CO2-Emission dank des geringeren Kohlenstoffgehalts von Erdgas im Vergleich zu Steinkohle. 4 Millionen Tonnen CO2 weniger im Jahr soll die 1,5 Milliarden Euro teure Klimarettungsbeihilfe einbringen. Das ist erschreckend wenig für soviel Geld!

Dass es auch vernünftiger ginge zeigt der Fall Irsching in Bayern. Dort lassen die Wendemacher zwei höchsteffiziente Gas-Dampf-Kraftwerke (GuD) mit 1400 MW "aus Gründen der Reservehaltung" stillstehen. Würde man das grundlastgeeignete Werk B zum Beispiel 6000 Jahresstunden an Stelle eines Braunkohleblocks arbeiten lassen, so könnte man 50 Prozent mehr CO2 einsparen als die KWK-Förderung erbringen soll, und zwar ohne Investitionskosten und ohne Strompreisaufschlag. Ein tpisches Beispiel für die Konfusion in unserer Energiepolitik im Zeichen der Energiewende.

Fester Bestandteil der Wende ist ja dieses Klimaziel 2020. Es soll im Wesentlichen mit der gleichen Strategie erreicht werden wie der "Atomausstieg", nämlich durch sehr starken Ausbau der Windkraftnutzung, ganz besonders auf See (Offshore Rotoren). Ab 2016 stehen 582 neue Riesenräder in Nord- und Ostsee mit 2500 MW für unglaubliche 12 Milliarden Euro zur Verfügung. In den Jahren 2016 bis 2020 sollen weitere 750 bis 800 Offshore-Windräder mit 3700 MW folgen, so dass im Klima-Zieljahr 2020 planmäßige 6200 MW schätzungsweise 22 Mrd kwh klimaschonenden Windstrom erzeugen können.

Wird damit Steinkohlestrom ersetzt, so lassen sich dadurch etwa 20 Millionen Tonnen CO2 vermeiden. Das sind aber nur 22 Prozent der 90 Millionen Tonnen CO2, die zum Erreichen des Klimaziels bis 2020 vermieden werden müssen. Die wichtigste Aktivität der Energiewende, die Windkraftexpansion, ist also nicht nur energiepolitisch zum Ersetzen der Kernkraftwerke, sondern auch klimapolitisch zum Erreichen des deutschen Klimaziels 2020 untauglich.

Die einzige energietechnische Möglichkeit das unserer "Klimakanzlerin" so wichtige CO2-Ziel realisierbar erscheinen zu lassen, besteht in der sukzessiven Wiederinbetriebnahme von fünf zurzeit stillstehenden, aber noch betriebsfähigen KKW. Sie können zum Beispiel mit 5300 MW pro Jahr 40 Mrd kwh Braunkohlestrom ersetzen und dadurch circa 45 Millionen Tonnen CO2 vermeiden, ohne irgendwelche Kostenumlagen oder dergleichen.

Die aus heutiger Sicht nicht mehr lösbare CO2-Verringerungsaufgabe von 90 Millionen Tonnen binnen fünf Jahren wäre mit Sicherheit halbiert, und das Prestigeziel der deutschen Klimapolitik 2020 wäre damit erreichbar.

Dr.Felix Conrad, Hockenheim

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