Leserbrief

Die eiserne Kanzlerin Hochstimmung oder Politik nach dem Stockholm-Syndrom? Eine Momentbetrachtung der Regierung

Leichen pflastern Angela Merkels Weg

Ein Konkurrent weniger für Merkel, so begründeten viele Merkels Motivation, als sie vor zwei Jahren Christian Wullf mit aller Gewalt als Bundespräsidentschaftskandidat aufgestellt hat. Was folgte war eine holprige Präsidentenwahl und zwei Jahre später der schmachvolle Abgang des einstigen Kronprinzen.

Übrigens: Im ARD-Presseclub am Sonntag vor der Wahl, bemühte ein Pressevertreter gar den Filmtitel "Leichen pflastern ihren Weg". Übertrieben meinen Sie? Nicht unbedingt. Auch eine Ära Merkel geht mal vorbei und die CDU wäre dann froh, wenn Angie die guten Leute wie zum Beispiel Friedrich Merz nicht auf dem politischen Friedhof abgeladen hätte. Da liegt jetzt auch Norbert Röttgen.

Was die Wahl in NRW angeht: Es war nicht die Curry-Wurst, sondern der starke "Kraft-Akt", der die Wahl entschied. Ähnlich wie im Fußball passiert es auch mal, dass man ein Spiel verliert, nur das "Wie" ist entscheidend. Und da machte Röttgen eine sehr unglückliche Figur, denn er führte einen Wahlkampf, als wolle er die Wahl von der Ersatzbank aus gewinnen.

Aber im Grunde war Röttgen nur ehrlich, denn angeblich soll die Kanzlerin zu Röttgen gesagt haben, er solle sich öffentlich zu einem Wechsel von Berlin nach Düsseldorf bekennen und sie (Merkel) würde nach der Wahl einfach auf Röttgens Verbleib in Berlin bestehen. Wenn dies stimmt, dann hätte Merkel von Anfang an einen Wählerbetrug vorgehabt, den Röttgen nicht mitmachen wollte. Wie schnauzte Poffalla seinen Parteikollegen Bosbach kürzlich wegen dessen berechtigter Bedenken um Merkels Euro-Kurs an: "Ich kann deine Fresse nicht mehr sehen". Nach Hochstimmung sieht das in der CDU zurzeit ja nicht gerade aus.

Nur falls jetzt wieder der "Evergreen" von der Beliebtheit der Kanzlerin unter anderem bei der Bewältigung der Eurokrise aufgelegt wird: Schon mal was vom Stockholm-Syndrom gehört? Das ist ein psychologisches Phänomen, bei dem Opfer von Geiselnahmen ein positives emotionales Verhältnis zu ihren Peinigern aufbauen. Die Bürger, inklusive einiger Politiker, fühlen sich im Moment so einigem hilflos ausgeliefert.

Herbert Semsch, Brühl

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