Leserbrief

Energieversorgung Da werden alle Register gezogen

Märchen der Lobbyisten

Schon seit einigen Monaten läuft die Anti-Öko-Energiewende-Kampagne der AKW-Betreiber auf vollen Touren und alle Register werden gezogen, um das Aus für die Atommeiler zu verhindern und so weiterhin Profite zu sichern.

Die Gerichte werden von den Stromkonzernen mit Klagen überrollt: da geht es um die Brennelementesteuer, gegen das dreimonatige Moratorium und das endgültige Abschalten von acht Reaktoren 2011 nach der Fukushima-Katastrophe, gegen Kostenbeteiligung an den Lagerstätten Gorleben und Schacht Konrad, gegen das Verbot von Castor-Transporten und gegen das Endlagersuchgesetz. So soll uns Steuerzahlern ein Schadenersatz in Milliardenhöhe aufgebürdet werden!

Wie nicht anders zu erwarten, finden sich auch hierzulande willfährige Helfer für diese Lobbyarbeit der Stromkonzerne, die nur eines wollen: das Rad im Sinne der AKW-Betreiber zurück zu drehen.

Da werden in Leserbriefen Schreckensszenarien über die Unberechenbarkeit von "Windmühlen", Solar- und Biogasanlagen ausgemalt und Zahlen gestreut, die in irrelevanter Weise vom Kleinen aufs große Ganze hochgerechnet werden - als ob eine Windflaute vor Pellworm die Windräder in ganz Deutschland stilllegen würde.

Milliarden Subventionen verbraten

Da wird über Billionenkosten der Energiewende räsoniert, als hätte die Atomindustrie nicht jahrzehntelang Milliarden von Subventionen verbraten. Zu durchsichtig ist die Absicht, die dahintersteckt: grundlastfähig sind nur die sauberen AKWs oder die Dreckschleudern von Braunkohlekraftwerken - alles andere funktioniert offensichtlich nicht. Kein Hinweis auf das politische Versagen im Hinblick auf die Reduzierung der CO2-Zertifikate, die den Betrieb solcher Anlagen zum Wohle von Mensch und Umwelt unrentabel machen würden.

Eine Märchenstunde besonderer Art wurde auf dem Treffen des "Energiezirkels" im Naturfreundehaus Ketsch zelebriert: Im Artikel der Schwetzinger Zeitung vom 29. Oktober waren so geheimnisvolle Botschaften zu lesen wie "der Wind betritt die Weltbühne unseres Jahrhunderts", "Deutschland hängt sein Schicksal in den Wind", "Windturbinen liefern nur Zappelstrom", "es ist das reinste Chaos auf der Stromverbraucherseite", "alle Versuche der Speicherung seien gescheitert", "Kosten gehen in die Billionen", "Windkraft bringt die Wende ins Nichts". Immerhin sei hier angemerkt, dass im vergangenen Jahr Deutschland so viel an Zitter-Zappel-Strom ins Ausland exportiert hat wie nie zuvor!

Oh, wie werden sich die deutschen Stromkonzerne über solche Art von Hilfe freuen - hoffentlich werden sie das auch entsprechend honorieren.

Der kleine Stromkunde weiß zum Glück ganz genau, dass nur er über die EEG-Umlage zur Kasse gebeten wird. Ganz im Gegensatz zu früher, als die AKW-Konzerne immense staatliche Subventionen kassierten, denn ohne diese wäre weder der Bau, der Betrieb, der Schutz und die Überwachung der Anlagen, aber auch die Lagerung des Atommülls und der jetzt begonnene aufwendige Rückbau einiger Atommeiler gar nicht möglich gewesen.

Nicht ohne Grund lehnen es alle Versicherungen ab, die gesamten Risiken des Betriebs von Kernkraftwerken zu tragen. Die Prämien wären unkalkulierbar und nicht zu bezahlen.

Viele Märchen gehen glücklicherweise gut aus, aber das Märchen vom sauberen billigen Atomstrom ist schon mehrfach ganz böse ausgegangen: Three Mile Island 1979, Tschernobyl 1986, Fukushima 2011 - und wahrscheinlich zigtausend Störfälle weltweit.

Lassen wir also solche Märchen besser dort, wo sie hingehören - nämlich in den Kindergärten!

Dr. Jörg-Otto Läppchen, Ketsch

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