Leserbrief

Präsenzunterricht Gedanken zur Rückkehr in die Schulen

Mal im Freien lernen

Auf der Titelseite vom 30. Juni war ein Foto von einer, die Schultreppe aufsteigenden Kindergruppe zu sehen. Als ich in einer Ecke meines Schreibtisches die Titelseite des Spiegels vom 25. April erblickte, musste ich schmunzeln. „Schulversagen, wie das Virus die Schwächen unseres antiquierten Bildungssystems offenbart.“ Der Überschrift „Endlich wieder Schule“ in der SZ stimme ich in vollem Umfang zu – für die Situation der Eltern, insbesondere der Mütter, die zuerst mit der Quarantäne, dann mit Homeoffice und mit Homeschooling konfrontiert waren. Bei vielen Schülern bin ich mir bei dem Wort „endlich“ nicht so sicher, wenn ich an ein Erlebnis während des Weihnachtsurlaubs 2019 bei meinen Enkeln in Dortmund denke: Der kleinere Juri, Schüler der ersten Klasse, hat schon vor der Schulzeit die „Raupe Nimmersatt“ abgeschrieben. Während meines Besuchs sagte er beim Nachmittagskaffee: „Ach ich freue mich, wenn nach den Ferien die Schule wieder anfängt“. Sein älterer Bruder Hanjo aus der dritten Klasse gab ihm zur Antwort: „Du bist doch krank.“ Diese Haltung passt eigentlich nicht zu seinem Zeugnis mit fünf Einsern. Für die Schülerseite könnten auch Zweifel bei dem Phänomen der „Lernbulimie“ existieren – sich in kurzer Zeit möglichst viel Lernstoff reinziehen, beim Leistungstest auskotzen und gleich vergessen. Der Hoffnungsschimmer auf der Titelseite der SZ wird schon im Text unterm Foto ad absurdum geführt: Wegen Corona-Ausbrüchen in Schulen im Kreis Göppingen und in einem Brettener Gymnasium fällt der Präsenzunterricht dort aus. Und: Neuer Corona-Ausbruch im Raum Germersheim, Grundschulen und Realschulen geschlossen.

Der Pädiater und Sachbuchautor Herbert Renz-Polster schlägt nach dem Ende der alten Pädagogik vor: „Neue Wege probieren – mehr Freiheiten für Kitas und Grundschulen“. Er meint, dass Unterricht auch draußen funktionieren kann, nicht nur in geschlossenen Räumen. Falls es hier Interesse zur Gründung einer freien Schule gibt, schlage ich sein Buch vor: „Kinder verstehen“ – Kösel Verlag. Und: Informationen zur Freinet-Pädagogik Kooperative e.V. „Kinder erfinden Mathematik“ – Verlag Netz.

Anton Strobel, Brühl

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