Leserbrief

Thüringen und die Folgen Harsche Kritik an der Werte Union und dessen Plankstadter Bundesvorsitzenden Alexander Mitsch

Man sperrt die Haustür ab und lässt die Hintertür weit offen

Dieser Gedanke kam mir, nachdem ich die aktuellen Statements der CDU-Spitze zur Abgrenzung gegenüber der AfD vernommen habe und er wird bestärkt durch die Erkenntnisse, die man diversen lokalen Veröffentlichungen der Werte Union entnehmen kann. Betrachtet man darüber hinaus die Einmütigkeit der Werte Union mit dem lokal agierenden Aufbruch 2016 und deren veröffentlichten Ansichten, sollte sich für die CDU die Frage nach einer Abgrenzung erst gar nicht stellen, hat man doch bereits alles „im eigenen Hause“.

„Schließlich müssen die Ränder abgedeckt werden“, ein nicht selten gehörtes Argument, das grundsätzlich nachvollziehbar ist. Dabei darf aber nicht übersehen werden, dass eine politische Partei kein Gemischtwarenladen mit einem möglichst breiten Sortiment ist. Dort kaufe ich, was ich benötige, den Rest kann ich liegenlassen. Im Gegensatz dazu bekomme ich als Wähler einer Partei stets das ganze Sortiment, muss also damit rechnen, dass alles, was sich „zwischen den Rändern“ befindet, reale Politik werden kann.

„So schlimm wird es schon nicht kommen“ und „man muss denen schließlich mal einen Denkzettel erteilen“, sind weitere, oft gehörte Aussagen. Dass es manchmal doch schlimm kommen kann, zeigen die aktuellen Ereignisse – die Vergangenheit muss hier gar nicht erst bemüht werden.

Über die für eine Volkspartei erforderliche Breite hinaus sollte, nicht zuletzt im Interesse des Wählers, darauf geachtet werden, dass die Eindeutigkeit des politischen Angebots dabei nicht verlorengeht.

Darüber hinaus sollte eine Partei es sich gut überlegen, ob sie die Deutungshoheit über bestimmte Begriffe, wie konservativ oder patriotisch – oder gar über die grundlegenden eigenen Werte – einer parteiinternen Splittergruppe, wie zum Beispiel der selbst ernannten Werte Union, überlassen will.

Kann ein CDU-Mitglied eigentlich ein konservativer Patriot mit eigenen Werten sein, wenn er die Ansichten der Werte Union hierzu nicht teilt? Zugegeben, eine rhetorische Frage, zeigt sie aber doch das ganze Ausmaß des Ansinnens einer kleinen Gruppe, die für eine „Volkspartei“ – ich verwende hier bewusst diese Bezeichnung – grundlegende Definition vorgeben will.

In diesem Zusammenhang sei darauf verwiesen, dass die CDU rund 400 000 Mitglieder hat, die Werte Union nach eigenen Angaben 4000. Wenn man richtig rechnet, macht das gerade mal ein Prozent aus. Vor diesem Hintergrund drängt sich mir die Frage auf, ob hier der Schwanz versucht, mit dem Hund zu wedeln. Ich bin übrigens nur ein politisch interessierter Wähler und keiner Partei zugehörig.

Manfred Maroszek, Plankstadt

Gerade mal ein Prozent

In den zahlreichen Auseinandersetzungen der Leserbriefschreiber mit der sich CDU-nah gebenden Werte Union hat sich auch der Verfasser dieser Zeilen mehrfach zu Wort gemeldet. Am gravierendsten erschien ihm das Mantra: „Merkel weg – Flüchtlinge raus“. Wer eine Partei halb von außen in zwei so zentralen strategischen und zugleich moralisch brisanten Fragen bloßstellt, verstärkt ihre Probleme, anstatt sie zu lösen.

Inzwischen ist diese Gruppierung in allen Medien zu finden. 4000 Mitglieder haben sie, hört man, gerade ein Prozent der CDU. Trotzdem spart sie nicht mit Ratschlägen. Insbesondere nach der Fast-Annahme der Zusammenarbeit zwischen der AfD und der CDU im Thüringer Landtag hat sie Oberwasser bekommen. Dass Annegret Kramp-Karrenbauer zu einer Blitzreise nach Erfurt gezwungen war, um dieser Verirrung ein Ende zu setzen, bedauerten viele. Auf keinen Fall aber war das Grund für ihren Rücktritt. Den verursachte die Landtagsfraktion mit ihrem Widerstand gegen ihre Bundesvorsitzende. Das war eine offene Revolte, die sich nur durch das fehlende Vertrauen der Abgeordneten in ihre daran nicht schuldlose Bundesspitze erklären lässt. In der Tat haben die Berliner ihre durch die Wahlniederlage gebeutelten Thüringer Parteifreunde allein gelassen. Nirgendwo war von einem einzigen tröstenden und Wunden heilenden Besuch zu erfahren. Selbst wenn er stattgefunden hätte, eine Information darüber hätte die Verkrampfung gelöst. Stattdessen Funkstille.

Derweil drischt die Werte Union so heftig auf die letzte Volkspartei Europas ein, dass unsere Nachbarn eine Staatskrise befürchten. Im Kern geht es nicht um die Handlungsfähigkeit der Regierung, sondern um zur AfD abwandernde Wähler, um reine Bauchargumente ohne Logik.

Wie kann man Bürgern einreden, dass sie weiterhin CDU wählen sollen, aber gleichzeitig auch den Rücktritt der Kanzlerin fordern? Oder will man den CDU-Parteitagsbeschluss aushebeln und mit Faschisten eine Koalition vorbereiten, die von 76 Prozent der Deutschen abgelehnt wird?

Eines ist nach dem Erfurter Wochenende hingegen sicher: Über die Gewissenlosigkeit der „Rechtsaußen-Partei“ braucht man kein Wort zu verlieren. Sie verhält sich, wenn man Wilhelm Busch mit diesem Vergleich nicht schändet, wie die anarchischen Knaben Max und Moritz, die mit ihren „Streichen“ händereibend den größtmöglichen Schaden anrichten.

Schadens- und Gewinnüberlegungen sollten für die CDU jedoch zweitrangig sein, wenn man an die Werte ihres Ursprungs denkt, die sie in der Bibel hundertfach und in ungezählten Varianten findet. Zum Beispiel bei Jesaja, der schon 500 Jahre vor Jesus gelebt hat (58.10): „Wenn du der Unterdrückung bei dir ein Ende machst, auf keinen mit dem Finger zeigst und niemand verleumdest, dem Hungrigen dein Brot reichst und den Darbenden satt machst, dann geht im Dunkel dein Licht auf und deine Finsternis wird hell wie der Mittag.“

Es geht um Nächstenliebe und Menschenwürde. Für die sind wir geschaffen. Unser Gehirn belohnt uns, es schüttet Endorphine aus, die unsere Adern warm durchfluten, wenn wir liebevoll handeln. Es ist noch gar nicht so lange her, dass Wissenschaftler diese Hormone entdeckt haben. Jesaja hatte sie schon vor 2500 Jahren gespürt. Was für eine wunderbare Belohnung!

Lasst uns gütig miteinander umgehen!

Helmut Mehrer, Brühl

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