Leserbrief

Annegret Kramp-Karrenbauer Übernahme des Chefpostens bei der Bundeswehr kühl kalkuliert

Ministeramt: Glaubwürdigkeit leidet

Dass Politiker ihre Meinung ändern wie andere das Hemd, ist nicht neu, doch finde ich es sonderbar, großspurig zu verkünden, „mit mir keine Steuererhöhungen und keinesfalls ein Ministeramt“. Heute aber, weil machtbesessen und karieregeil die Maxime, schlüpft die CDU-Fraktionsvorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer (AKK) ins Verteidigungsministerium und will die Bundeswehr wieder nato- und verteidigungsbereit machen.

Sie muss ja nicht wissen, wie der Eurofighter zum Fliegen taugt oder wie das Laden der Gulaschkanone funktioniert, wichtig wäre eine gewisse militärische Erfahrung mit dem gesamten Heer, dessen Gepflogenheiten und Auftrag sowie im Umgang mit Soldaten. Mit dem Abschreiten der Ehrenkompanie bei öffentlichen Anlässen oder die Besuche von Truppenteilen in den verschiedenen Krisenherden und Gefahrengebieten ist es nicht getan. Vielmehr sind Führungsstärke ein wichtiger Faktor sowie das verlorengegangene Vertrauen gegenüber der Politik wiederherzustellen, damit die Bundeswehr im Verteidigungsfall einen verlässlicher Partner darstellt.

Zuviel Porzellan wurde in den vergangenen Jahren zerschlagen: Fehlentscheidungen, Missmanagement, die Steuergeldverschwendung-Beraterverträge, der Hickhack um das „Eurograb“ Gorch Fock – hilfreich war dies am allerwenigsten, wodurch bei den Verbündeten Zweifel aufkamen, ob die Bundeswehr überhaupt ihren ihr zugedachten Auftrag noch erfüllen kann. Dass Annegret Kramp-Karrenbauer den Entschluss fasste, den „verwaisten“ Posten im Verteidigungsministerium zu übernehmen, kam zur Überraschung vieler, doch es war kühl kalkuliert. Böse Zungen behaupten, dies sei das Sprungbrett ins Kanzleramt. Doch für die Bundeswehr ist dies wie ein Schlag ins Gesicht.

Wenn vom Volk gewählte Mandatsträger, Eitelkeiten und Pfründe wichtiger sind als fachliche Kompetenz – der geleistete Eid ist nebensächlich , dann ist es verständlich, dass Zweifel vorherrschen und die Glaubwürdigkeit in die Politik verlorengeht. Was nützen geschwollene flehentliche Antrittsreden, Absichtserklärungen von gewählten und mit einer gewissen Arroganz beschlagene Volksvertreter, wenn am Ende sich alles in Schall und Rauch auflöst.

Wie heißt es so schön: Das Hemd beziehungsweise die Bluse ist meist näher wie die Hose oder der Rock.

Gerhard Klee, Ketsch

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