Leserbrief

Corona-Proteste Aggression, Wut und Zorn im Deutschen Bundestag ausgelebt / AfD zeigt sich von ihrer negativen Seite

Nicht in eine Welle der Bosheit gleiten

Verändert die Pandemie uns Deutsche? Ja doch! Wenn Tag für Tag Zigtausende angesteckt werden, Tausende in Krankenhäusern behandelt werden müssen und trotzdem Hunderte sterben, leidet das ganze Volk und wird zur Mithilfe aufgerufen. Die Betroffenen, ihre Freunde und Verwandten müssten sich dankbar und mitverantwortlich zeigen und zum Beispiel die vorgeschriebenen Schutzmasken tragen.

Doch eine wütende und zornige Minderheit mit starkem Rechtseinschlag demonstriert lautstark dagegen. Sie betrachtet alle Vorbeugemaßnahmen als Eingriffe in ihre Freiheit und könnte das sogar begründen: Die USA und Schweden sind fraglos Demokratien, fordern aber von ihren Bürgern nicht, Masken zu tragen.

Den Preis dafür bezahlen die Infizierten. In den zerstrittenen USA sind es inzwischen 3,5 Prozent, im friedlichen Schweden zwei Prozent. In Deutschland jedoch trotz der Opposition nur ein Prozent. Warum? Wegen des von der Mehrheit mitgetragenen Schutzes! Ohne ihn läge die Infektionsrate irgendwo zwischen Schweden und den USA, also dreimal so hoch wie derzeit.

Was wäre aber, wenn – wie bei Demos gefordert – die Bundesregierung das Tragen von Masken verboten hätte? Der Gedanke ist nicht absurd. 2018 haben antisemitische, politisch „rechtsgedrallte“ Demonstranten in Chemnitz Masken getragen. Lange vor Corona! Und gegen staatliche Verbote. Über ihre Motive muss man nicht lange nachdenken: Sie schützten sich gegen die Verfolgung wegen ihrer nachträglich festgestellten Delikte: Landfriedensbruch, Sachbeschädigungen und Angriffe auf Polizisten.

Fazit: Masken zu tragen oder abzulehnen, sagt nichts über den demokratischen Geist aus, sondern über persönliche Interessen. Es gibt Menschen, die sogar auf eingebildete Zwänge allergisch reagieren. Sie „müssen“ tun, was verboten, und ablehnen, was geboten ist. Solange sie dabei keine Gesetze verletzen, ist das allenfalls störend.

Das Beste wäre freilich, wenn jeder im Sinn des Gemeinwohls handelte, den Landfrieden sowie seine und unser aller Gesundheit verantwortungsbewusst schützte.

Wie heftig gegen vernünftiges Verhalten verstoßen wird, haben wir am Mittwoch vor einer Woche vor und im Bundestag erlebt. Nachdem Ende August rechte Demonstranten mit Reichskriegsflaggen nur knapp gehindert worden waren, in das Parlament einzudringen, gelang das nun einigen mit Hilfe der AfD.

Während einer Abstimmung belästigten und bedrängten sie Abgeordnete anderer Fraktionen, selbst einen Minister beschimpften sie. Als sich zwei Tage später der Bundestag in einer aktuellen Stunde dagegen verwahrte und eine Verfolgung dieser Delikte ankündigte, zeigte sich die AfD-Fraktion keineswegs schuldbewusst. Sie verhielt sich wie ihre Demonstranten: aggressiv, wütend und zornig.

Nun verlangt die Ehrlichkeit zuzugeben, dass ab einer bestimmbaren Zahl die Teilnehmer einer Demonstration fähig sind, sich als aggressive Masse zu begreifen und entsprechend zu verhalten. Friedliche Vorbilder eines demokratischen Geistes sieht man derzeit nur unter den Weißrussen mit ihrer Geduld und ihrem bewusst durchgehaltenen Friedenswillen. Dazu müssten Deutsche freilich ebenfalls fähig sein. Und waren es auch. Es kommt auf die Größe der Sache und die Stärke des gemeinsamen Willens an.

Vor 30 Jahren haben sich Bürger der DDR mit ihren Pfarrern in den Kirchen versammelt, sind als „das Volk“ durch Leipzig und andere Städte gezogen und haben schließlich das kommunistische System überwunden. Wenn es auch noch lange dauern wird, bis wir das Rhesus und seine rechten Leugner besiegt haben werden, den Mut dazu müssen wir schon heute aufbringen. Packen wir’s an!

Helmut Mehrer, Brühl

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