Leserbrief

Betrachtung von Mensch und Natur Warum soll plötzlich der Wolf gejagt werden? / Wie Gifte Vögel und Insekten sterben lassen

Nicht überall einmischen

Die Mär vom bösen Wolf, ein Indiz derer Sippschaft, die ihn als Raubtier für sehr gefährlich und mit fletschenden Zähnen darstellen. Der Wolf und die sieben Geißlein und Rotkäppchen frei nach Gebrüder Grimm lassen grüßen!

Einst abgeknallt und ausgerottet, in den letzten Jahren erfolgreich wieder angesiedelt, wird jetzt aber erneut zum Politikum, ob man die angeblichen 50 Wolfsrudel gewähren lässt oder sie dezimiert, dem Abschuss durch Freizeitjäger opfert, wie einst „Problem-Bär Bruno“, der illegal und heimlich die Grenze zum Wohlstandstaat Germania überschritt.

Ich frage mich warum? Es ist doch der Mensch, der die Landschaften wie im Tagebau wegbaggert, anderswo zubetoniert, unverhohlen Raubbau betreibt, wichtige Ressourcen- Rückzugsräume für Wildtiere vernichtet, ganze Wälder abholzt, damit auch der Massen- und Spaßtourismus in den europäisch-alpinen Regionen sowie auf anderen Kontinenten auf seine Kosten kommt und die Ökonomen kräftig daran verdienen.

Fakt ist doch, wo „früher“ großflächige Naturräume in Wald und Feld Bestand hatten, breiten sich heute intensiv genutzte Monokulturen aus, weil Raps, Rüben und andere Kraftstoffpflanzen auch zur Herstellung von Ethanol-E10 taugen. Gerade weil das Vögel- und Insektensterben zur Zeit in aller Munde ist, sollte hier alsbald ein Umdenken stattfinden, anstatt weiterhin Pestizide (Geisel der Natur) – lateinisch Pestis = Seuche – Cida = tötend – und andere Umweltgifte in den Fluren auszubringen. Wenn statt Vogelstimmen und Bienensummen nur noch das Motorengeheul und anderer Lärm in die Ohren dringt, dann ist längst fünf nach Zwölf.

Trotz Hungersnot und Elend in der Dritten Welt werden Ur-Regenwälder rund um den Globus gerodet und vernichtet, weil Agrosprit vermeintlich hierzulande die Natur schont, und wird somit dem Autofahrer vorgegaukelt, er verhält sich sehr umweltfreundlich, am Ende jedoch nur denen zum Vorteil verhilft, die daran auf Kosten der Artenvielfalt ihren Reibach machen. Dass hier unsere vermeintliche politische Intelligenz daran profitiert, ist nicht von der Hand zu weisen, weil einflussreiche Gruppierungen und Industrielle bekanntlich ihre Finger im Spiel haben.

Was sollen Wölfe oder Luchse denn fressen, wenn das Nahrungsangebot immer mehr schwindet und einstige Lebensräume fehlen, die Menschheit aber sich unkontrolliert ausbreiten darf? Wer ist hier der Regulator: der liebe Gott oder der Papst vielleicht?

Unverständlich ist derweil die Panikmache und Aussage vom Abenteurer Reinhold Messner, der Wolf könnte besser in Sibirien leben als hier in den verschiedenen zur Kulturlandschaft geschaffenen Räumen, wo er eventuell das liebe Weideviehschaf als Nahrungsersatzmittel gelegentlich erlegt. Dieses Ansinnen passt eigentlich nicht zu ihm, da er doch der „grünen Ideologie“ sehr nahe stand, aber durch seine Polarisierung nicht nur Zustimmung, sondern auch manches Kopfschütteln erntete. Möge doch er, der sogenannte „Extrem-Kletterer“, dorthin auswandern, vielleicht findet sich noch eine besondere Herausforderung in der sibirischen Wildnis! Hat doch gerade seine Abenteuerlust auch dazu geführt, dass der heutige Bergsteiger-Tourismus in Gebieten wie Nepal -Tibet und Himalaya gewaltige Veränderungen sowie eine Vermüllung in den dortigen Hochgebirgsregionen zum Nachteil der Flora und Fauna mit sich brachte!

Es ist beschämend und grotesk zugleich, dass der moderne Homo sapiens meint, alles bestimmen und beherrschen zu wollen, anstatt sich zu besinnen, dass die noch freilebenden Tierpopulationen die Spezies Mensch gar nicht benötigt – umgekehrt aber, ohne den natürlichen Kreislauf und deren Geschöpfe sind die Menschen dem Untergang nahe. Zum Glück gibt es ja Parks und zoologische Einrichtungen, damit auch nachfolgende Generationen einige tierische Lebewesen, teils hinter Gittern und Absperrungen sowie in Glasvitrinen zu bewundern haben, die in der freien natürlichen Landschaft keinen Platz mehr finden, den sie jedoch einst hatten.

Gerhard Klee, Ketsch

Das Wichtigste von heute
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker Schwetzinger Zeitung
Newsticker überregional
Meistgelesene Artikel
Neueste Artikel