Leserbrief

Kiesabbau im „Entenpfuhl“ Bürgermeister und Gemeinderat haben Bedenken – aber der Umweltbeauftragte sagt kein Wort

Null Einwände der Gemeinde?

In der letzten Gemeinderatssitzung sprach der Ketscher Gemeinderat Jungmann den geplanten Kiesabbau im „Gewann Entenpfuhl zwischen Ketsch, Talhaus und Schwetzingen an und wollte von der Verwaltung wissen, was getan werden kann. Der Bürgermeister unterrichtete, dass die Verwaltung Bedenken gegen dieses Projekt habe, was von Seiten der Gemeinde bereits deutlich zum Ausdruck gebracht worden sei. Die Gemeindeverwaltung und der Gemeinderat lehnen das Projekt weiterhin ab.

Gemeinderat Martin erkundigte sich, ob es ein Lärmgutachten gebe? Die Gemeinde habe diesbezüglich keine Informationen. So stand es im Protokoll zur Gemeinderatssitzung im Amtsblatt. Beim öffentlichen Scoping-Termin im Landratsamt gab es dann folgende Stellungnahme der Gemeinde Ketsch: Margarete Schuh von der Kreisverwaltung teilte mit, dass ihr Wasserwirtschaftsamt die Gemeinde Ketsch als unmittelbar betroffen angeschrieben habe. Die schriftliche Antwort liege vor und hierin teile die Gemeinde Ketsch mit, dass sie keinerlei Einwände gegen den geplanten Kiesabbau habe.

Auf die Frage von Margarete Schuh, ob jemand von der Gemeinde da ist, meldete sich der Umweltbeauftragte Stang. Auf die Frage, ob sich an der Stellungnahme der Gemeinde etwas geändert habe, erklärte der vom Bürgermeister beauftragte Umweltbeauftragte: „Nein, die Gemeinde hat weiter keine Einwände gegen den Kiesabbau im Entenpfuhl.“

Die anwesenden Bürger aus der Gemeinde Ketsch waren geschockt. Keine Einwände von Ketsch? Wo waren die vom Bürgermeister angekündigten Bedenken der Gemeindeverwaltung und des Gemeinderats?

Hier hat man „deutlich“ zum Ausdruck gebracht: Wir stimmen der Beschlussvorlage uneingeschränkt zu! Bedenken keine! Was soll das? Wo sind die Bedenken der Gemeinde und der Bürger? Was hatte ich erwartet? Bedenken: Der Wald ist ein Schallschutz für Ketsch, hinter dem Wald liegen die viel befahrenen Straßen (Autobahn und Bundesstraße) und die Schnellbahntrasse. Ist der Wald weg, wird es deutlich lauter. Das Werk, macht bei seinem Betrieb kräftig Krach. Radlader, die mit ihrer Schaufel gegen Bordwände donnern, beim Einfüllen in die Metalltrichter gibt es dumpfe Schläge, die Baggerschaufel, die gegen den Einfülltrichter schlägt und natürlich auch das Grundgeräusch von rieselndem Kies. Die Leute der Rheinstraßen kennen das aus alter Zeit.

Der Turm im „Alla Hopp“ ist zu, weil spielende Kinder ab und zu Kiesel die Metallrutsche runterkullern lassen. Im Kieswerk fallen Millionen von Kiesel auf Metallteile – und das jeden Tag. Auch der Einwand, dass das „Große Loch“ mit Verbindung zum Grundwasser in unmittelbarer Nähe zu den Trinkwasserbrunnen eventuell das Trinkwasser verunreinigt werden könnte – von der Gemeinde Ketsch ist nichts zu hören.

Ich verstehe die Firma Krieger KG, denn für sie geht es hier um mehr als 100 Millionen Euro. Sie werden uns aber keine neuen Brunnen bohren, wenn es Probleme gibt. Das werden wir, die Menschen, die Trinkwasser brauchen, dann bezahlen müssen. Auch hier von der Gemeinde, die ja beim Zweckverband Mitglied ist, nichts.

In der Karlsruher Straße hängen immer noch die Plakate mit „Lärm macht krank“ – jetzt haben sie einen weiteren Grund, hängen zu bleiben. Und unser Bürgermeister sagt: Wir haben unsere Bedenken deutlich zum Ausdruck gebracht – aber wo?

Wilfried Windisch, Ketsch

Das Wichtigste von heute
Newsticker Schwetzinger Zeitung
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker überregional