Leserbrief

Gesundheitssystem Interessanter Film im Ketscher Kino

Patient und Markt

Sie möchten zur Entbindungsstation: Geht leider nicht; sie wurde unlängst geschlossen. Sie möchten zur Kinderstation: Geht leider nicht; auch sie wurde unlängst geschlossen. Was macht eine Krankenhausschwester, wenn nach fünf Stunden der angepiepste Arzt immer noch nicht zum blauverfärbten Patienten gekommen ist? Sie wählt die 112!

Ein Patient bedankt sich überschwänglich bei seinem behandelnden Arzt, der ihm seinen Diabetikerfuß gerettet habe und erzählt, dass sein Bekannter leider nicht so viel Glück gehabt habe, denn ihm wurde der Fuß abgenommen, da es für das Krankenhaus günstiger gewesen sei, den Fuß zu amputieren als aufwendig zu pflegen und damit für ihn zu erhalten!

Sie denken, aus welchem Land beziehungsweise aus welchem Tollhaus sind diese Beispiele? Es sind allesamt Beispiele aus Deutschland und zwar aus Krankenhäusern in privater Regie.

Jetzt denken Sie vielleicht, wie gut, dass wir hier noch zahlreiche Krankenhäuser in öffentlicher Trägerschaft haben. Doch vor kurzem veröffentlichte die gemeinnützige Bertelsmann-Stiftung ein Machwerk, in dem sie die Schließung vieler kleinerer Krankenhäuser forderte – und die anschließende Privatisierung der dann entstehenden größeren Einheiten.

Das Thema geht also auch Sie an und insbesondere die im Gesundheitswesen Beschäftigten.

Deshalb sollten Sie sich am kommenden Mittwoch, 11. September, um 19.30 Uhr im Central Kino in Ketsch den Film ,Der marktgerechte Patient’ anschauen, in dem Sie weitere haarsträubende Beispiele für die fatalen Auswirkungen der 2004 eingeführten Reform sehen können.

Günter Pfisterer, Hockenheim

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