Leserbrief

Generationenkonflikt Junge Union wird zur Jungen Jammer-Union durch ihre Vorschläge

Rentner zahlen Milliarden

CDU und SPD müssen sich ständig gegen altvordere Miesmacher aus den eigenen Reihen erwehren. Jetzt schürt noch der Vorsitzende der Jungen Union, Tilman Kuban, den Generationenkonflikt. Die Rentenzugeständnisse würden die junge Generation überfordern, ihr bleibe keine Luft zum Atmen. Dem muss widersprochen werden. Die Rentnergeneration leistet Großartiges, sie zahlt jährlich zirka 100 Milliarden Euro Steuern. Davon 30 Milliarden Umsatzsteuern auf den täglichen Bedarf. Jährlich kommen 1,3 Millionen Neurentner hinzu. Sie investieren im ersten Jahr ihrer Rentenzeit in neue Autos, neue Küchen und Möbel, neue Türen und Fenster, Dächer und Heizungsanlagen oder lassen sich die Zähne richten, im Jahr sind das weitere sechs Milliarden Umsatzsteuereinnahmen.

Über den Beschäftigungseffekt dieser Investitionen werden Lohnsteuer und Gewerbesteuer von geschätzt neun Milliarden bezahlt. Außerdem zahlen Rentner immer mehr Einkommensteuer, hier wurde berichtet, im letzten Jahr schon 35 Milliarden Euro, in den kommenden Jahren wird das steigen. Wenn aus den Mietzahlungen der Rentner von den Vermietungsgesellschaften die Körperschaftsteuer gezahlt wird, sind das weitere 13 Milliarden Euro.

Leider sterben jedes Jahr ungefähr 1,4 Millionen Rentner, für den Fiskus sind das zwei Milliarden Erbschaftssteuereinnahmen. Die Mineralölsteuer nicht zu vergessen, weitere fünf Milliarden Euro von Rentnern. So kommen rund 100 Milliarden zusammen, das entspricht exakt dem jährlichen Bundeszuschuss an die Rentenversicherung, der notwendig ist, um Ungerechtigkeiten auszugleichen und den Beitragssatz zu stabilisieren.

Und der ist mit 18,6 Prozent so niedrig, wie seit 20 Jahren nicht mehr. Da jammert der Vorsitzende der Jungen Union, die junge Generation sei mit dem Bundeszuschuss an die Rentenkasse und dem Grundrentenkompromiss heute und in Zukunft überfordert? Da stimmt der Blickwinkel nicht. Ab heute nennen wir ihn den Vorsitzenden der Jungen Jammer-Union. Annegret Kramp-Karrenbauer kann einem leidtun, außer diesem Gejammer kommt von der Jungen Union nicht viel. Keine Visionen, nichts, doch eins noch, sie wollen die Unternehmenssteuern senken.

Aber wie soll dann das Zwei-Prozent-Ziel im Verteidigungshaushalt erreicht werden? Es wirkt alles ein wenig konfus, was da gesagt wird. Die Altersgruppe der 18- bis 20-Jährigen, das sind zwei Millionen junge Bürger, ist die eigentliche Klientel der Jungen Union. Die gilt es zu motivieren, zu aktivieren. Es gibt in diesem Bereich nur 42 000 Jugendliche, die sich zum Bundesfreiwilligendienst melden, sie wollen helfen, anpacken, gestalten, sich solidarisch beteiligen. Im Waldschutz, Tierschutz, Artenschutz, Gewässerschutz, in Altenheimen, Behindertenwerkstätten, Kirchen, Kindertagesstätten, Krankenhäusern, beim Roten Kreuz, Technischen Hilfswerk in der Feuerwehr. Überall werden junge Helfer benötigt.

Warum greift man nicht die Idee eines „Bundespflichtdienstes“ auf, das wäre eine Vision, wie man bei jungen Menschen das Helfersyndrom weckt und den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärkt. Die Halbzeitbilanz der GroKo ist das Gegenteil von grottenschlecht. Werner und Ingrid Jäkel, Schwetz.

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