Leserbrief

WDR-Satire

Respekt ist gefragt

Zum Kommentar „Patente Umweltsau“ vom 30. Dezember wird uns geschrieben: Marco Pecht sprach in seinem Kommentar genau das aus, was wahrscheinlich vielen Lesern auf der Seele brannte. Nur eines hat er wohl vergessen, dass das Wort „Umweltsau“ ein Unwort sondersgleichen ist. Ja geradezu eine Frechheit! Ich möchte gar nicht die vielen Vorzüge der heutigen Enkel hervorheben, die nur aufgrund eines sparsamen Lebenswandels der Großeltern in Saus und Braus leben und es ihnen möglich macht, großmundig auf Demos den Klimawandel einzufordern. Bei jedem Wetter eingemummelt in Designerklamotten – von den Omas bezahlt – die zum Recyceln ins Ausland verbracht werden, weil sie aus schadstoffbelastendem Material hergestellt sind.

Drei Fragen sollten erlaubt sein: Wer von der Enkelgeneration benutzt noch waschbare Windeln? Wer strickt die Socken selbst? Wer bewirtschaftet einen Schrebergarten? Wir Alten haben das getan und viele tun es noch immer!

Wenn wir das Lied von der „Oma im Hühnerstall“ gesungen haben, dann war es die Hochachtung vor Frauen, die nach dem Krieg Steine geklopft haben, um Städte wieder aufzubauen. Diese Frauen mussten notgedrungen die Männer ersetzen und ja, Motorrad-, Pferdefuhrwerke- und alte Traktoren fahren lernen – auch Übungsstunden im Hühnerstall waren angesagt. Dieses Lied zu missbrauchen für ein blödsinniges, beleidigendes Umweltlied, das ist eine Frechheit. Politiker, Wirtschaftler, Künstler beschweren sich über die Verrohung der Sprache, ja sie reichen sogar Klage bei Gericht auf Unterlassung bestimmter Redewendungen ein, sollten wir Omas und Opas eventuell das Gleiche tun?

Aber eine noch größere Frechheit ist es vom WDR, im Nachhinein das Kinderlied als Satire darzustellen, weil man unter dem Deckmantel der Satire ungestraft beleidigen darf.

Es wäre schön, wenn sich auch die Enkelgeneration von diesem Lied distanzieren würde und uns Alte so akzeptierten – mit all unseren Fehlern – wie wir Großeltern sie akzeptieren mit all ihren Marotten.

Respekt ist das Zauberwort!

Hella Müller, Reilingen

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