Leserbrief

Generationengerechtigkeit Niemand wird später sagen können, er habe von nichts gewusst / Das eigene Verhalten überprüfen und jenen helfen, die betroffen sind

Risiken der Klimarettung selbst recherchieren

In den letzten Tagen habe ich mich sehr bewusst mit den Argumenten der Klimawandelzweifler auseinandergesetzt. Bei meinen Recherchen ist mir eine sehr wichtige Erkenntnis gekommen. Die überwiegende Mehrheit der Wissenschaftler unterschiedlicher Fachrichtungen glaubt, dass es den Klimawandel gibt, er maßgeblich vom Treibhausgas CO2 verursacht wird, dieses CO2 vor allem aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe stammt und somit die CO2-Emissionen drastisch reduziert werden müssen, um die globale Erwärmung verlangsamen und rechtzeitig stoppen zu können.

Trotz der unzähligen wissenschaftlichen Untersuchungen gibt es aber nicht den eindeutigen Beweis für diese Hypothese, der eindeutig und glasklar alles erklärt. Vermutlich wird es den auch nie geben, da wir keine weiteren Planeten wie die Erde haben, mit denen wir quasi eine klinische Studie einschließlich Kontrollgruppe machen könnten. Selbst dann wäre das Ergebnis am Ende ein statistisches, das man vermutlich noch anzweifeln könnte. Hieraus ergibt sich aber auch die logische Schlussfolgerung, dass sich die Mehrheit der Wissenschaftler irren und eine zweifelnde Minderheit am Ende recht haben kann. Der Fall Galileo Galilei ist ein gutes Beispiel aus der Geschichte. Somit muss sich irgendwann jeder selbst fragen, woran er glaubt und wem er mehr vertraut, der Mehrheit der Wissenschaftler oder den zahlenmäßig deutlich geringeren „Zweiflern“.

Da die CO2-Einsparung Veränderungen bei mir und meiner Familie, aber auch in Industriezweigen und deren Arbeitnehmern bedeutet, mache ich es mir nicht leicht. Daher recherchiere ich sehr viel und versuche immer wieder Gegenargumenten eine faire Chance zu geben. Ich weiß nicht, wie alt ich werde, aber eventuell muss ich mein Verhalten in einigen Jahren meinen Kindern und sogar meinen Enkelkindern persönlich verantworten. Daher frage ich mich, welche Risiken es für mich und andere hat, wenn ich mich für die eine oder die andere Meinung entscheide und falsch gelegen habe. Ja, CO2-Einsparungen und Klimaschutz bedeuten Veränderungen, Einschnitte und vermutlich sogar Arbeitsplatzverluste in einigen Bereichen, zum Beispiel in der Automobilindustrie, in Kohlekraftwerken und bei Fluglinien oder Flugzeugherstellern. Da die fossilen Brennstoffe nicht unbegrenzt sind, wäre hier ohnehin irgendwann ein Umdenken notwendig. Außerdem muss man beim globalen Handel und Wettbewerb im Hinterkopf haben, dass sich in einigen Ländern das Kauf- und Nutzungsverhalten bereits verändert hat, ob es uns passt oder nicht (E-Mobilität). Somit wären Veränderungen nur deutlich vorgezogen, was aber sicherlich eine Anpassung erschwert.

Andererseits gehe ich davon aus, dass viele neue Jobs entstehen und in einigen Bereichen das Leben besser wird. Vermutlich wird es mehr Jobs in erneuerbaren Energien und E-Mobilität geben. Es werden Radnetze, Fahrradparkhäuser, Busse, Bahnen und Schienen gebaut und betrieben werden. Die Nachfrage für regionale, ökologische Produkte wird steigen. Mehr Menschen werden auch mal wieder in Deutschland und angrenzenden Ländern Urlaub machen. Kinder werden sicherer mit dem Rad fahren und häufiger auf Straßen spielen können. Es wird weniger Plastikmüll in den Weltmeeren geben, mehr Wald- und Umweltschutzgebiete zur Arterhaltung und Naherholung. Vieles davon sehe ich eher mit Freude als mit Sorge, auch wenn der Weg dahin nicht einfach wird. Aber ja, dies hätte ich dann mitzuverantworten.

Wenn ich aber auf die Minderheit der Klimawandelzweifler setze und am Ende falsch liege und die Berichte des Weltklimarats am Ende recht behalten, weil die Menschheit als Kollektiv nichts oder zu wenig getan hat – dann weiß ich nicht, wie ich noch guten Gewissens meinen Kindern und Enkeln unter die Augen treten kann. Ich kann dann nicht sagen, dass ich von all dem nichts gewusst hätte, da ich bewusst die Warnungen der Mehrheit der Wissenschaftler ignoriert hätte, zum Beispiel, weil mir Veränderungen zu unbequem waren. Das heißt, aber auch, dass ich mich verpflichtet fühle, dass den Menschen besonders geholfen wird, für die die Veränderungen die größten Einschnitte darstellen (so jene, die noch vom Braunkohletagebau oder von der Entwicklung von Verbrennungsmotoren abhängig sind, oder den Landwirten, die von Massentierhaltung wegwollen). Auch sollte in alle Richtungen geforscht werden, um Kurskorrekturen vornehmen zu können, falls sich plötzlich doch bahnbrechende neue Erkenntnisse ergeben.

Am Ende muss aber jeder seine ganz persönliche Risikoanalyse durchführen und eine Gewissensentscheidung treffen, möglichst nachdem er oder sie sich umfangreich durch eigene Recherchen auf der Basis unterschiedlicher Quellen informiert hat! Dies kann und sollte man sich nicht abnehmen lassen, auch wenn man dafür mal ein bis zwei Tage Zeit investieren muss! Erwin Tenhumberg, Schwetzingen

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