Leserbrief

Brexit Brücken aufbauen statt sie abzureißen – das ist der Weg

Rolle Englands in Europa

Kürzlich wurden im Fernsehen Berichte über die Bombardierungen deutscher Städte am Ende des Zweiten Weltkriegs gezeigt. Beteiligt waren Flugzeuge der Royal Air Force aus England und der United States Army aus den USA. Erschütternd war der Bericht über Pforzheim, das am 23. Februar 1945 total zerstört wurde. Aus 368 Flugzeugen fielen 1575 Tonnen Bomben, die in einem Feuersturm 17 600 Menschen töteten.

Ähnlich erging es Dresden. Als damals vierjähriger Junge erlebte ich in meiner Heimatgemeinde in Nordböhmen, wie am späten Abend des 13. Februar 1945 der Himmel hell erleuchtet war. Feuerrot glühten die letzten Wolken und veränderten ihr Aussehen ständig. Mal waren sie gelb, dann orange oder dunkelrot. Dresden brannte, und wir sahen den Feuerschein über eine Strecke von einigen hundert Kilometern. 25 000 Menschen – darunter viele Flüchtlinge – kamen zu Tode. Frauen, Kinder und Greise verbrannten oder wurden erschlagen. Kulturgüter wurden vernichtet.

Veranlasst wurden die Bombardements durch Winston Churchill und ausgeführt durch Luftmarschall Arthur Harris. In Anbetracht des unermesslichen Leids erwog Churchill am 23. März 1945, die Luftangriffe einzustellen, und distanzierte sich von Harris. Nach heutiger völkerrechtlichen Bewertung sind flächendeckende Bombardierungen von nicht an Kriegshandlungen be-teiligten Zivilisten und die Zerstörung von Kulturgütern als Kriegsverbrechen zu werten. Eine Entschuldigung Englands wäre angebracht, denn auch in Deutschland bekennt man sich zur Schuld und dem von hier ausgegangenen Unrecht.

Dabei sollte die Rolle Englands in den Kriegsjahren und am Aufbau Europas hinterfragt werden. Weshalb erinnert sich England hinsichtlich des Brexits nicht an die Vision Churchills, der 1946 die Möglichkeiten Europas wie folgt beurteilt hat: „Wenn Europa dereinst geeint wäre auf der Grundlage seines gemeinsamen Erbes, würde es keine Begrenzung geben für das Glück, den Wohlstand und den Ruhm seiner 400 Millionen Menschen.“

Während Adenauer und de Gaulle, Kohl und Mitterrand diesen Weg zur Versöhnung beitrugen, versuchte Thatcher, die Wiedervereinigung zu verhindern. Darf man da nicht die Frage nach der Rolle Englands zu einem Zusammenwachsen der Volkswirtschaften stellen? Brücken aufbauen, statt abzureißen, sollte der Weg in die Zukunft sein.

Rudi Lerche, Plankstadt

Das Wichtigste von heute
Newsticker Schwetzinger Zeitung
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker überregional