Leserbrief

Staatliches Gewaltmonopol Wildwest kann doch nicht unsere Zukunft sein

Sich damit abfinden?

Als Bürger werden wir aufgefordert und entsprechend öffentlich geehrt, wenn wir uns einmischen, zivile Courage zeigen, wenn Unrecht geschieht und wir es im Rahmen unserer Möglichkeiten verhindern können. Niemand verlangt jedoch von uns, selbstlos das eigene Leben zu gefährden. Leisten wir Erste Hilfe, so darf uns kein Vorwurf treffen, falsch gehandelt zu haben.

Es ist das natürliche Recht des Individuums, sich zu wehren und so die eigene Existenz zu schützen. Unsere christliche Tradition erlaubt die Notwehr und die Nothilfe. Pazifistisch die andere Backe hinzuhalten geschieht aus freiwilliger Überzeugung. Unsere Handlungen müssen nur der Situation angemessen sein. So weit so gut.

In der modernen Zivilgesellschaft hat der Staat das Gewaltmonopol. Wir haben dieses Recht delegiert und erwarten daher zurecht, dass dieses ausgeübt wird. Fehde und Rache sind mittelalterlich und werden nur noch dort praktiziert, wo man in der Entwicklung noch einige Jahrhunderte zurück ist, wie in archaischen Gesellschaften. Auch in Parallelgesellschaften hierzulande. Sich selber schützen kann nicht jeder, selbst wenn den Deutschen Waffen erlaubt wären, Wildwest kann nicht unsere Zukunft sein.

In einem Land, in dem wir gut und gerne leben sollen, können wir uns indes nicht damit abfinden, unter ständiger Bedrohung leben zu sollen, einfach weiter so wie bisher, das Risiko einfach zu ignorieren.

Staatsverdrossenheit kommt von Staatsversagen. Liest man am Morgen die Zeitung, verdirbt man sich mitunter den ganzen Tag. Wieder wurden in schamlosester Weise alte Leute beraubt, wieder wurden tonnenschwere Güter geklaut, wieder endete eine harmlose Auseinandersetzung in brutalster Weise, wieder ein Anschlag, wieder eine Vergewaltigung, wieder ein Mord. Für das Opfer, das oft lange Zeit oder ein Leben lang leidet, ist es nicht interessant, welche Traumata der Täter etwa durchlebt hat, was ihn entschuldigen könnte. Es hat mit den Folgen zu leben. Millionenschäden durch gesprengte Geldautomaten – über Versicherungen zahlen wir wohl alle dafür. Das Sozialisieren von Verlusten kann doch nicht die Lösung des Problems darstellen.

Ob schärfere Gesetze helfen? Mitnichten, wenn man diese nicht konsequent anwendet. Wie kann es sein, dass Städte wie Mannheim und Ludwigshafen nicht einmal mit noch jugendlichen Straftätern fertig werden und ein Hilferuf an die Landesregierung verhallt?

Sich schützen zu müssen kostet Nerven und auch viel Geld für die Aufrüstung unserer Heimstätten – bis hin zum Schutz vor der um sich greifenden Internetkriminalität.

Nur durch Änderung unseres eigenen Verhaltens wird es „da oben“ ankommen, dass es nicht angeht, dem Staatsbürger die vermeintliche Ohnmacht der Staatsorgane zu zelebrieren.

Klaus Tremmel, Ketsch

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