Leserbrief

Organspende Jeder kann sich frei entscheiden – alles andere widerspricht unserem Grundgesetz

Sind kein Ersatzteillager

Der forsche Jens Spahn (CDU) möchte zusammen mit Heiner Lauterbach (SPD) jeden Bürger zum Organspender machen, der sich nicht schriftlich dokumentiert dagegen entscheidet. Der sterbende Mensch wird zum Ersatzteillager degradiert und das widerspricht eklatant unserem Grundgesetz.

Jeder Mensch hat das Recht auf körperliche Unversehrtheit und Unantastbarkeit seiner Menschenwürde. Diese Ignoranz eröffnet die Möglichkeit zu weiteren Manipulationen, wie schon geschehen bei der Auswahl der zu transplantierenden Patienten. Wie krank und wie alt darf ein sterbender Mensch sein, damit ihm keine Organe entnommen werden dürfen. Wie krank und wie alt darf der Empfänger des Transplantats sein? Meines Wissens müssen beispielsweise Nieren nach zehn Jahren oft erneut transplantiert werden trotz Medikation gegen eine Abstoßung. Es gibt so gut wie keine Informationen hierzu. 80 Prozent der Menschen sollen für Organtransplantation sein, aber nur 36 Prozent besitzen einen Organspender-Ausweis. Das sagt doch alles über dieses hochbrisante Thema. Wie soll man heute entscheiden, was man morgen begründet ablehnt.

Aktuell wird bemängelt, die Organtransplantation werde zu schlecht bezahlt. Es geht also vordergründig – wie immer – um das liebe Geld in unserer Gesundheitsindustrie. Warum werden die Bürger nicht verpflichtet, sich testen zu lassen, ob sie als potenzielle Knochenmarkspender und damit als Lebensretter in Frage kommen?

Jens Spahn hat dafür gesorgt, dass HIV-Tests in Drogeriemärkten verkauft werden dürfen und somit der Kontrolle des Gesundheitsamtes entzogen werden. Ebenso hat er vorgeschlagen, dass vorbeugende Tabletten gegen eine HIV-Infektion bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr verschrieben werden. Schwule dürfen Blut spenden, wenn sie darlegen, zwölf Monate keinen Sex gehabt zu haben. Jetzt wird mir klar, warum man in Aufklärungsbögen beim Arzt darauf hingewiesen wird, dass man bei einer Blutübertragung mit HIV-Viren infiziert werden kann.

Mein Fazit: Jens Spahn ist als Minister für Gesundheit eine völlige Fehlbesetzung. Morlies Böcker-Stastny, Hockenh.

Wem gehört mein Körper?

Rede ich besitzanzeigend von „meinem Körper“, so geht eindeutig daraus hervor, dass dieser mein Eigentum a priori ist und niemanden sonst gehört. Er ist kein Gemeinschaftseigentum! Daher kann mich kein Gesetz zum Organspender bestimmen. Was der Gesetzgeber beschließen soll, ist eine Enteignung, die ethisch nicht in Ordnung ist.

Wer seine Organe spenden will, kann dies nur freiwillig erklären. Wer sich nicht erklären will, darf nicht gezwungen werden, sich mit dem Thema Organspende auseinanderzusetzen. Das wäre Nötigung durch den Gesetzgeber! Niemand muss bereit sein, nein zu sagen und sich möglicherweise damit als schlechter Mitmensch zu outen. Der Vorsitzende des Ethikrates, Peter Dabrock, findet die Widerspruchslösung „unnötig und schädlich“; damit hat er vollkommen recht! Es ist, wie FDP-Chef Christian Lindner sagt, ein „Einschnitt in die freie Selbstbestimmung“. Das gilt auch für die Eintragung in ein sogenanntes Register. Es ist ein Eingriff in unsere Grundrechte, die wir doch so hochhalten! Diese sollten nicht, wie schon öfters geschehen, durch Spezialgesetze aufgeweicht werden, um einem aktuellen Notstand zu genügen.

Klaus Tremmel, Ketsch

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