Leserbrief

Serie „Bewusst nachhaltig“ Es gibt auch Hoffnungsschimmer

Spezielle Art der Gartenkunst

Bezugnehmend auf den Artikel „Auf kleinstem Raum zählt jede Blüte“ in der SZ vom 26. Juni wird uns geschrieben: Über Gartenkunst in Deutschland wird am Schluss die Frage aufgeworfen: „Warum schreibt jemand einen Text über einen Balkon?“ Die Autorin formuliert Antworten mit entsprechender Botschaft: Für Nichtgartenliebhaber die Tatsache – Pflanzen können mehr als Steine. Wegen ihrer Textverarbeitung und Schreibstils hatte ich das Gefühl, ich lese ein weiteres Kapitel in „Meike Winnemuth: Bin im Garten“, Penguin-Verlag.

Ich hoffte, endlich eine Expertise mit genaueren Zahlen über die Verbreitung von unsozialen Gärten zu lesen. Mich beschäftigen folgende Fragen: „Wie weit ist die Gartenkunst in Deutschland auf den Hund gekommen“ (Stefanie Kammerer). „Wie ist das Verhältnis von der Verbreitung von Schotterpisten und sozialen Vorgärten?“, „Was bedeutet zu viel Stein im Klimakontext?“.

Ich sehe in den Schotterpisten der unsozialen Gärten auch eine Metapher unseres Gesellschaftsbildes, in dem mehr und mehr Versteinerungen zu beobachten sind – mit der wachsenden Kluft zwischen Arm und Reich. Aber auch Versteinerungen in der Arbeitswelt, mit zunehmenden Burnout-Syndromen, einem unsicheren Lebensgefühl und Zukunftsängsten. Dramatisch zeigen sich Versteinerungen bei den Führungseliten durch den Mangel an sozialpsychologischem Ethos. Die Pathologie der Profitmaximierung verstärkt die Tendenz zum Betrug statt die Sozialtugenden Anstand und Ehrlichkeit. Wir hören von Automobiltricksereien und von Cum-Ex-Gaunereien mit Hilfe der Investmentbanker.

Die vergreisende Gesellschaft und ihre Politiker finden nicht die richtigen Antworten auf gesellschaftliche Probleme. Bei einer zu starken Gewichtung der Ökonomie gegenüber der Ökologie braucht man sich nicht zu wundern, wenn sich Jugendliche für „Friday for future“ solidarisieren. Dennoch erlebe ich auch kleine Hoffnungsschimmer. In einem Haus in meiner Nachbarschaft ist eine junge Familie eingezogen, die ihren Eingangsbereich liebevoll ohne Schotter gestaltet hat und auf ihrem Garagendach zwei Gewächshäuser installiert hat.

Diese Beobachtung hat mich sehr erfreut, so dass ich sie eingeladen habe, um in meinem Garten an dem Projekt „Hommage à Giverny“ (Monet) zu partizipieren.

Anton Strobel, Brühl

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