Leserbrief

Corona Bei Berichterstattung sollte deutlich differenziert werden / Zahlen ungeeignet, um daraus Maßnahmen gegen die Pandemie abzuleiten

Todesfälle mit oder wegen Covid-19?

Todesfälle wegen einer Covid-19-Erkrankung sind die schlimmsten Konsequenzen der Corona-Pandemie. In der Berichterstattung darüber muss schnellstmöglich klar nach den wahren Todesursachen unterschieden werden.

Künftig muss bei Verstorbenen festgestellt werden, ob Covid-19 die Todesursache ist. Selbst wenn gleichzeitig andere Vorerkrankungen vorgelegen hatten, sollte das inzwischen mit ausreichender Zuverlässigkeit möglich sein. Wird die Todesursache nicht präzisiert, so kommt es aufgrund des Berichts ungeeigneter Fallzahlen weiterhin zu fehlerhaften Entscheidungen. Die folgende vereinfachende Darstellung erläutert das: In Deutschland starben im Jahr 2019 täglich etwa 2600 Menschen (Statistisches Bundesamt – Destatis). Etwa 1,8 Prozent der mit SARS-CoV-2 Infizierten starben bisher mit diesem Virus – also entweder daran, an einer ganz anderen Erkrankung oder altersbedingt (RKI Lagebericht 26. Dezember 2020, Seite 4, aus kumulierten Fällen). Der Anteil der positiv auf SARS-CoV-2 getesteten Personen ist zwischen den Kalenderwochen 44 und 51 von 8,9 Prozent auf 11,7 Prozent angestiegen (RKI Lagebericht 23. Dezember 2020, Seite 10). Diese Zahl wird trotz anlaufender Impfungen im Jahr 2021 zunächst weiter steigen. Wenn man stark vereinfachend annimmt, dass nicht 1,8 Prozent der mit SARS-CoV-2 Infizierten, sondern niemand ursächlich nur an Covid-19 sterben würde, dann würde die aktuelle Statistik dennoch täglich 304 Todesfälle (11,7 Prozent von 2600) mit Covid-19 berichten, auch wenn niemand davon an diesem Virus verstorben wäre. Die Zahl stiege sogar noch weiter an, weil ja die Zahl der Infizierten zunimmt. Die Zahl der Todesfälle mit Covid-19 ist also ungeeignet, um daraus Maßnahmen gegen die Pandemie abzuleiten. Die für diese Betrachtung vereinfachende Annahme, dass Covid-19 keine Krankheit mit möglicher Todesfolge sei, wurde nur getroffen, um die Folgen der unklaren Berichterstattung besser beschreiben zu können. Wir erleben täglich, dass Intensivstationen in Hochrisikogebieten überlastet sind. Wir sehen auch täglich, dass auf allen Intensivstationen Menschen an Covid-19 sterben. Wir lesen und hören täglich, dass es viele Menschen gibt, die auch nach Monaten noch sehr unter den Folgen der Erkrankung leiden. Deshalb sind wirksame Maßnahmen gegen die weitere Ausbreitung dringend geboten.

Die Berichterstattung über Todesfälle mit Covid-19 war zu Beginn der Ausbreitung gerechtfertigt, weil die Zahl der Erkrankten im Vergleich mit der Zahl der alltäglichen Todesfälle gering war und weil es keine Nachweismöglichkeiten für SARS-CoV-2 gab. Jetzt ist das anders. Jetzt wird eine belastbare und zuverlässige Datenbasis benötigt, um daraus die richtigen Maßnahmen gegen die weitere Verbreitung von SARS-CoV-2 und für den Schutz von Wirtschaft und Arbeitsplätzen ableiten zu können. Auch nur dann sind die getroffenen Maßnahmen zur Bewältigung der Pandemie für die Bevölkerung verständlich und nachvollziehbar.

Dr. Stefan Maixner, Schwetzingen

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