Leserbrief

Spaltung der Gesellschaft Diskutieren statt Meinungen einen

Totalitaristisches Wörterbuch

Der Publizist Henryk Broder, einer der herausragendsten Intellektuellen der Bundesrepublik, hat mehrfach darauf hingewiesen, dass die Rede von der Spaltung der Gesellschaft („die Spaltung unserer Gemeinschaft vorantreiben“, „den Riss in unserer Gesellschaft vertiefen“, Dieter Goldschalt) Kennzeichen eines vordemokratischen und letztlich totalitaristischen, national-sozialistischen und kommunistischen Denkens ist. In einer Demokratie ist es seiner Ansicht nach normal, dass Bürger über unterschiedliche Probleme unterschiedliche Auffassungen haben können, schon gar über ein so riesiges Problem wie die Massenzuwanderung illegaler Immigranten. Solange die Auseinandersetzungen sachlich und nicht im Stil der Leser Peter Werner und Dieter Goldschalt verlaufen, ist dieses Aushalten von Meinungsverschiedenheiten ein Charakteristikum fortgeschrittener Zivilisation.

Goldschalt verrät sein vordemokratisches Denken neben vielen anderen Hinweisen in seinem Leserbrief auch durch die Bemerkung: „Man sollte versuchen, die Gesellschaft zu einen.“ Nein, das ist das Bestreben aller Diktatoren, man sollte versuchen, über Gegensätze zu diskutieren und letzten Endes die Mehrheit entscheiden zu lassen.

Zu Beginn erheitert Goldschalt die Leser mit der Bemerkung, dass „Aufbruch 2016“ und Werte-Union sich in Wortwahl und Ton faschistischer und demagogischer Elemente der späten 1920er Jahre bedienen. Ein Beleg fehlt verständlicherweise, da Leser Goldschalt von der Geschichte der Weimarer Republik keine Ahnung hat und nicht weiß, worüber er schreibt.

Im nächsten Absatz zitiert er die berüchtigte Kommunikationsforscherin Elisabeth Wehling, der wir das ebenfalls berüchtigte „ARD-Manual“ verdanken, in dem zum Beispiel der ARD empfohlen wird, die zu Recht umstrittenen Zwangsgebühren „Demokratieabgaben“ zu nennen und auf diese Weise dem geneigten Publikum zu „verkaufen“. Wenn jemand manipuliert, wie Leser Goldschalt mit pseudowissenschaftlichem Gestus raunt, dann doch eher diese Person, der wir das Etikett „Sprachwissenschaftler“ nicht zubilligen sollten.

Es lohnt sich nicht, sich mit allen weiteren unsinnigen Aussagen des Schwetzinger Lesers zu beschäftigen. Vielleicht könnte er aber einmal verraten, worin er die Vorteile der Massenzuwanderung illegaler Immigranten sieht, damit man einmal vernünftig mit ihm diskutieren kann. Er könnte dazu auch gerne die Veranstaltungen von „Aufbruch 2016“ oder der Werte-Union besuchen.

Silvia Hoeltkemeier, Wiesloch

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