Leserbrief

Hockenheimring Die Konzerte und die Begleiterscheinungen

Trauriger Hindernislauf

Die Karten für das Ed Sheeran- Konzert am Sonntag waren ein Weihnachtsgeschenk. Der Besuch war aber eine besondere Herausforderung. Drei Wochen davor erlitt ich einen Bänderriss. Erst am Sonntagmorgen fiel die Entscheidung: wir probieren es mit Krücken. Am Hockenheimring waren wir schnell. Nicht klar war uns, dass die Besucher des Innenraums zu Fuß über eine Riesenschleife mehr als einmal rund um den Ring geführt wurden – und auf den offiziellen Infos rund um Anreise und Konzert war dies auch nicht so beschrieben. Die Tribünenbesucher hatten es da einfacher. Vermutlich hatte sich das ein gewiefter Planer überlegt, um die Menschenmassen zu leiten. Das ist für gesunde Menschen kein Problem. Aber mit Krücken schon.

Nach der ersten Kontrolle – selbst die Security nannte die Durchgänge nicht vorteilhaft für Krückengeher – begann eine lange Strecke ohne Getränkeverkauf, Rotes Kreuz oder Verantwortliche – ein anstrengender Weg durch die Sommerhitze auf Krücken. Eine Brezelverkäuferin am Ende hatte so Mitleid, dass sie mir ihren Stuhl anbot. Der Frau sei Dank. Aus Respekt vor dem Rückweg fragte ich die Security, ob dieser Weg auch für das Konzertende gelte. Ja war die Antwort. Unterwegs sprachen wir Security („nicht informiert“) und Vertreter des DRK („nicht befugt“) an, ob es zurück einen kürzeren Weg gebe. Aber nein: kein Hilfsangebot, nur Kopfschütteln. Ich hätte wahrscheinlich umfallen sollen, dann hätte es anders ausgesehen.

In diesen Zeiten ist das ein jämmerliches Bild. So verließ ich den Rand des Innenraums bereits um 22.15 Uhr, um 22.45 Uhr an den Tribünen anzukommen. Und dann? Wurden doch Notausgänge aufgemacht. Eine solche Veranstaltungsorganisation mit Desinformation ist ein Trauerspiel. Und dabei hätte es so einfach sein können, und ich hätte das Konzert genießen können.

Petra Pfeifer, Oftersheim

Negative Begleiterscheinungen

Beim Betrachten der Konzertbesucher auf den Bildern in der Zeitung fragte ich mich reflexartig: Ob da nicht einige dabei sind, die bei „Friday For Future“ mitmarschieren. Was ein Widerspruch wäre.

Denn in der Tat frage ich mich, ob solche „Mega-Hypes“ noch zeitgemäß sind. Nur allein bei Schwetzingen, Brühl, Ketsch und Oftersheim, wo nahezu alle Ortsstraßen durch Staus blockiert waren, reden wir über rund 62 000 Einwohner, die durch diese Veranstaltungen über mehrere Stunden verkehrstechnisch in Geiselhaft genommen wurden.

Jenen, die sich jetzt über diesen Begriff mokieren, sei gesagt, dass dieser auch bedeutet: Unbeabsichtigte, nicht gewollte Teilhabe an einer Situation, die man nicht selbst verschuldet hat und die aus eigenen Kräften nicht zu ändern ist. Sollen die etwa auch alle wegziehen, wie manche gerne spötteln, die mit Kritik nicht umgehen können?

Denen sei gesagt: Wir reden auch über ein Krankenhaus, Senioren- und Pflegeeinrichtungen, Ambulanzen und Feuerwehrgerätehäuser, die über Stunden blockiert waren! Bei einem Notfall oder Brand wäre jede Hilfe zu spät gekommen. Das ist dann bestimmt nicht mehr lustig.

Herbert Semsch, Brühl

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