Leserbrief

Radfahren und Parken Endlich die Wege flächendeckend instandsetzen / Mit Tiefgaragen der Situation Rechnung tragen

Verblasste Perle der Kurpfalz

Kritik üben, ist einfach, es besser zu machen dagegen oftmals schwer. Zumal besser zu machen nicht gleichbedeutend dafür stehen muss, dass in dem gewählten Weg auch automatisch eine mehrheitliche Meinung der Schwetzinger Bürger abgeleitet werden kann.

Wenn jedoch ein Parteimitglied der AfD dafür eintritt, den Straßenzustand der Fahrradwege für Schwetzingen und Ketsch zu dokumentieren (siehe Artikel der SZ vom 28. September), fängt ein überzeugter Demokrat an, sich Fragen zu stellen. Die Gefühlslage lässt sich am Ehesten noch mit wütend und fassungslos beschreiben.

Warum? Einem AfD-Mitglied gelingt es mit seinem berechtigten Anliegen Aufmerksamkeit zu erzielen und breitet so noch die Saat aus, um auf diesem Weg potenzielle Wähler anzusprechen. Die Basis dafür liefern einige der etablierten Parteien und Amtsträger in Schwetzingen selbst, die den Anschein erwecken, dass sie seit geraumer Zeit einige Prioritäten ihres Handelns in Richtung Tourismus, Kunst, Selbstdarstellung und der Verfolgung sonstiger Interessen verschoben zu haben scheinen.

Eine Ausnahme bildet in Schwetzingen das Projekt „Pro Friedhof Schwetzingen“ unter Leitung von Bürgermeister Matthias Steffan. Ein beispielhaftes Engagement für die Pflege und Umgestaltung des Schwetzinger Friedhofs, dessen Erscheinungsbild auch lange Zeit für negativen Gesprächsstoff sorgte, wie unter anderem im letzten Oberbürgermeister-Wahlkampf.

Unzumutbare Zustände

Nun zu den Fahrradwegen und den gefährlichen, unsinnigen und zum Teil auch widersprüchlichen Markierungen auf den zahlreichen Schlaglochpisten unserer Stadt. Als Beispiele dienen die Bruchhäuser Straße (egal ob im Zuständigkeitsbereich des Landes), die Gustav-Hummel-Straße, die Berliner Straße, die Walter-Rathenau-Straße, die Mühlen-/Friedrich-Ebert-Straße oder die Antonistraße, um nur einige zu nennen. Die Straßenbeläge sind mittlerweile nur noch SUV-tauglich und erinnern an die Zustände in den neuen Bundesländern aus den Jahren 1989.

Fußgängern und Radfahrern wird dringend empfohlen, diese Verkehrsräume weiträumig zu umgehen oder zu umfahren. Es besteht bei Nutzung permanente Lebensgefahr! Geparkte Autos auf Fahrrad- und Gehwegen – auch in Kreuzungen hinein –, Fahrradwege die in Blumenbeeten (Mühlenstraße) enden, fehlende Spiegel an gefährlichen Aus- und Einfahrten, herausschauender Bewehrungsstahl auf der Eisenbahnbrücke (egal, ob die Brücke im Zuständigkeitsbereich der Deutschen Bahn liegt) zwischen „Sportler-Kreisel“ und Bruchhäuser Straße sowie viele weitere Brennpunkte.

In diesem Zusammenhang fällt mir eine engagierte Stadträtin ein, die leidenschaftlich für die Ausbesserung des Fahrradwegs entlang der Gewerbeschule gestritten hatte, bevor eine partielle Ausbesserung erfolgte. Der Kampf dauerte Jahre und war sehr zäh. Danach schlief das Engagement der Amtsträger wieder ein. Es wäre sehr bedauerlich, wenn erst ein tragischer Unfall passieren müsste und etwaige Schadensersatzansprüche an die Stadt abgeleitet werden, bevor diese aktiv wird.

Die Park- und Verkehrssituation in Schwetzingen ist eine Schande. Geparkt wird willkürlich ohne Sinn und Verstand, ohne Rücksicht auf die Einhaltung von Verkehrsregeln. Autos auf Gehwegen, im Halteverbot, vor Ein- und Ausfahrten und dies in einer Dichte, dass es kaum ein Durchkommen gibt. Für Menschen mit Rollatoren oder Eltern mit Kinderwagen gleichen die Gehwege einem Hindernislauf. Dafür kann die Stadtverwaltung nur bedingt etwas, denn hier ist das Ordnungsamt gefordert, viel härter, konsequenter und dauerhaft durchzugreifen.

Rettungsdienste, Feuerwehr und Entsorgungsbetriebe wären sicherlich mehr als dankbar, wenn hier endlich Abhilfe geschaffen würde. Im Ergebnis könnte auch die Stadt ihre Finanzen erheblich aufbessern.

Kreativität gepaart mit Verantwortung müsste durch die im Amt befindlichen Akteure wahrgenommen werden, um Lösungsvorschläge zu erarbeiten und mit der Bevölkerung zu diskutieren. Beispielsweise könnte vor Verschönerungen von Parkanlagen innerhalb der Stadt darüber nachgedacht werden, wie die Parksituation entschärft werden kann.

Beispielsweise durch den Bau von Tiefgaragen für die Anwohner, die keine Parkplätze zur Verfügung gestellt bekommen. So könnte Parkraum geschaffen werden und mit Parkanlagen, Grünflächen oder Kinderspielplätzen an der Oberfläche das Stadtbild abgerundet werden. Durch eine entsprechende Nutzungsgebühr oder eine Umlage an alle Wohnungs- und Hauseigentümer mit fehlenden Parkplätzen, könnte die Finanzierung erfolgen.

Muss auch hier so lange gewartet werden, bis die AfD diese Themen besetzt?

Die Hoffnung stirbt bekannterweise zuletzt und die Freiheit des Einzelnen ist die Freiheit des Andersdenkenden. Möge die Vernunft siegen und unsere Amtsträger endlich aufwachen, um ihrer Verantwortung gerecht zu werden.

Ich hoffe, dass die „Perle der Kurpfalz“ bald wieder Belege dafür erhält, um als „Perle“ wahrgenommen werden zu können.

Andreas Marks, Schwetzingen

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