Leserbrief

Informationsfluss Genau hinhören und Fake News erkennen

Verloren im Strudel der Wahrheiten!

Im Verlauf der Zeitgeschichte gab es viele Entwicklungen und epochale Veränderungen, real gewordene Utopien genauso wie ganz einfach erklär- und nachvollziehbare Sachverhalte. Die Menschheit wurde immer wieder mit neuen Wahrheiten konfrontiert und zu allen Zeiten hat es lange gedauert, um die neuen Wissensinhalte glaubhaft, das heißt, fußend auf empirischen Erkenntnissen zu vermitteln.

Das Wissen der Menschheit hat sich im Verlaufe der Jahrhunderte in ungeahntem Maße vervielfacht. Angekommen im 21. Jahrhundert leben wir mittlerweile im Kommunikations- und Informationszeitalter, geprägt durch das Internet mit immer neuen und leistungsfähigeren Gadgets mit den unzähligen damit einhergehenden innovativen Widgets, was für uns heute mindestens genauso revolutionär ist, wie es die Erfindung des Buchdrucks für die Menschen im Mittelalter war.

Plötzlich konnte und kann jeder an Nachrichten und Informationen partizipieren, was bis dato in dieser Form so unmöglich war. Mit dem Fortschreiten der Digitalisierung und dem immer tieferen Eindringen des Internets in mittlerweile alle Lebensbereiche, entstehen sicherlich ungeahnte Möglichkeiten zur Horizonterweiterung, was natürlich die negativen Entwicklungen nicht ausschließt und möglicherweise auch nicht mehr beherrschbare Gefahren heraufbeschwört.

Von der derzeitigen Informationsflut werden wir regelrecht überrollt, was eine Übersichtlichkeit oder gar Verifizierung aussichtslos erscheinen lässt. Inzwischen kursieren widersprüchlichste Statements und absonderlichste Behauptungen zu den verschiedensten Themenbereichen in allen Netzwerken und in allen gesellschaftlichen Gruppierungen. Eine objektive Einordnung wird dadurch zunehmend er-schwert, was letztlich dazu führt, dass eine Differenzierung zwischen „wahr“ und „unwahr“ nahezu unmöglich wird. Zumal, wenn offensichtlich ist, dass Fake News und alternative Fakten salonfähig werden. Die permanente Informationsflut konfrontiert uns immer wieder aufs Neue mit den unterschiedlichsten Darstellungen und Interpretationen von Erkenntnissen und man fühlt sich verloren im Strudel der vielen Wahrheiten.

Betrachtet man die Vorgehensweise einiger Entscheidungsträger weltweit, so muss man feststellen, dass es offenbar genügt, eine Falschbehauptung nur lange genug zu wiederholen, damit sie irgendwann als richtig wahrgenommen wird.

Was kann man bei dieser Gemengelage überhaupt noch glauben und wie soll man den Wahrheitsgehalt von Informationen noch bewerten und einordnen? Führt man sich vor Augen, dass sowohl die übermäßige Ausbeutung von Ressourcen, die schließlich zum Untergang von Zivilisationen führte, wie auch die Vorgehensweise machtgieriger Despoten, die schlussendlich im Chaos mündeten, dann muss man konstatieren, dass sich Geschichte wiederholt und es zeigt sich damals wie heute, dass die Macht der Worte, positiv wie negativ, Einfluss auf jeden Aspekt unseres Lebens nehmen.

Psychologen, Linguisten und Hirnforscher bestätigen, dass die Wirkung von Sprache, durch subtile Manipulation, unser Denken und Handeln maßgeblich beeinflusst. Schon der römische Dichter und Aphoristiker Publilius Syrus – im ersten Jahrhundert vor Christus – erkannte: „Die Sprache ist der Spiegel der Seele. Wie der Mensch spricht, so ist er.“ Wir sollten also ganz genau hinhören.

Gerhard Kiermeier,

Hockenheim

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