Leserbrief

Bundesweiter Warntag Sirenenalarmierung für alle Fälle ideal

Vielleicht war dieser Flop gut fürs Überdenken der Lage

Er wurde hoch beworben und hat uns schmerzlich vor Augen geführt, wie schlecht es um die potenzielle Möglichkeit zur breiten Warnung der Bevölkerung derzeit beschieden ist. Ging man vor 30 Jahren noch davon aus, dass der Ost-Westkonflikt beendet war und man im Bereich der Zivilverteidigung Gelder einsparen kann, so hat man nach und nach die flächenmäßige Sirenenalarmierung abgebaut, sobald auch die örtliche Feuerwehr auf die sogenannte stille Alarmierung über Funkmeldeempfänger umgestellt hatte.

Vor was sollte man auch heutzutage die Bevölkerung eigentlich großflächig warnen?

Dazu muss man gar nicht so weit zurückblicken. Schaut man sich die Vergangenheit an, so wurde es bei den Flutkatastrophen an der Elbe 2002 und an der Oder 1997 notwendig, schnell die Bevölkerung vor einer starken Hochwasserflutwelle zu warnen. Das dürfte auch für uns Rheinanlieger von Interesse sein, vor solchen potenziellen Jahrhunderthochwassern gewarnt zu werden.

Aber auch die Betriebe in Mannheim und Ludwigshafen, die der Störfallverordnung unterliegen, machen es akut notwendig, bei einem Störfall die umliegenden Kommunen schnell zu informieren.

Auch bei der Nuklearkatastrophe von Fukushima hat es sich gezeigt, wie schnell man die Bevölkerung warnen muss.

Nun ja, unsere deutschen Atomkraftwerke sind großteils abgeschaltet worden, aber im benachbarten Frankreich laufen die Atommeiler noch unter Volllast weiter. Was, wenn dort eine Havarie geschieht? Eine radioaktive Wolke kennt keine Ländergrenzen, gerade da die gewöhnlichen Windrichtungen großteils aus Südwest einströmen. Deshalb gebietet es sich, auch weiterhin in die Sirenenalarmierung zu investieren oder, wo schon abgebaut, sie wieder zu installieren.

Zwar sind die Warn-Apps „Nina“ und „Katwarn“ gute und feine Programme – aber was, wenn unsere IT-Infrastruktur durch einen Cyber-angriff lahmgelegt wurde? Hat nicht schon das bundesweite „Probeauslösen“ am Warntag zum Absturz dieser Apps geführt? Ganz zu schweigen davon, ob die 80-jährige Oma mit den aktuellen Smartphones umgehen kann.

Der Warntag war vielleicht beim ersten Betrachten ein Flop, doch er führte uns auch gezielt vor Augen, was geschieht, wenn nichts geschieht. Es wäre nun zu überlegen, in Zeiten des Klimawandels, des globalen Terrorismus und sich verschärfender internationaler Konflikte, den Ausbau der Sirenenalarmierung wieder zu forcieren.

Marco Krupp, Brühl

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