Leserbrief

Reiserschnittgarten Die Bewohner des Insultheimer Hofs sind von den Planungen empört / Sie sehen Probleme für ihr Trinkwasser

Was dafür alles zerstört werden müsste

Durch Zufall erfuhr ich vor einiger Zeit, was da vor meiner Haustür geplant wurde. Nämlich ein Reiserschnittgarten. Dagegen ist ja erstmal nichts einzuwenden, aber nachdem ich hörte, welche Konsequenzen dieses Vorhaben nach sich zieht, verschlug es mir die Sprache. Nun frage ich mich, wann man mich darüber informieren wollte, dass nicht nur in meinem Garten die Apfelbäume (einen pflanzte ich zur Geburt meiner Tochter - heute ist sie 14), die Kirschbäume, meine Rosen . . . , sondern auch noch ringsherum circa 300 Obstbäume, vernichtet werden sollen. Was bedeutet dieser Eingriff zum Beispiel für die Tierwelt, die ich hier genießen darf? Jedes Jahr besuchen uns die Saatgänse, die eine große Fläche zum Landen und Starten benötigen. Die unglaubliche Vielzahl von Insekten (Bienen), seltenen Vogelarten, Hasen, Rehe, Füchse, Schleiereulen, Fledermäuse und viele mehr.

Was bedeutet diese Maßnahme für die Menschen, die hier leben und deren Besucher, die dieses Idyll als Naherholungsgebiet zu schätzen wissen? Was bedeutet das Spritzen von Pestiziden, damit das Gebiet des Reiserschnittgartens keim- und virenfrei bleibt? Wir beziehen das Trinkwasser von unserem eigenen Brunnen. Muss ich mir jetzt auch noch ernsthafte Sorgen um die Gesundheit von mir und meinen Kindern machen?

Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass es keinen geeigneteren Platz für dieses Projekt geben soll! Der massive Eingriff in dieses Natur-, Land- und Wasserschutzgebiet erscheint mir, milde gesagt, komplett unüberlegt und irrsinnig. Bezug nehmend auf den Artikel in der Schwetzinger Zeitung vom 10. November auf Seite 17 möchte ich noch anmerken: Ja, Frau Fey, ich wäre überglücklich, wenn Sie sich von hier wieder zurückziehen würden und, ja, ich bin emotional aufgewühlt, weil man das Ganze im Stillen durchziehen wollte!

Gabriele Müller, Hockenheim

Nicht tatenlos zusehen

Wir wollen nicht tatenlos zusehen, wie mindestens 300 Bäume jeglicher Art - alle Obstbäume, alle Linden und wer weiß, welche am Ende noch "stören" werden - auf unseren Streuobstwiesen gefällt werden müssen, wie Hochstauden und Rosengewächse jeglicher Art gefällt werden müssen, wie die seltenen Saatgänse sich zurückziehen werden, weil man ihnen den Platz wegnimmt, wie unsere Störche, Milane, Bussarde, Falken vergiftet werden, weil sie die Mäuse fressen, die wiederum durch die Pestizide, für die es eine Sondergenehmigung braucht, vergiftet werden - von unseren Hauskatzen ganz zu schweigen. Nicht zu vergessen unser Grundwasser, welches wir alle, die hier leben, aus einem Brunnen beziehen. Obstbäume werden mitunter bis zu 22 Mal im Jahr gespritzt, das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen, welche Belastung für Mensch und Natur.

Es gab da eine Bemerkung von einem Befürworter dieses Projekts - das sind ja "nur" Mieter... Ja, wir sind Mieter, wie auch die Bienen, die durch das Gift betroffen werden, Bienen, die mittlerweile zur beschützten Art gehören sollten, ohne die Biene kein Obst, oder wollen wir anfangen, wie in China, unsere Bäume mit dem Pinsel zu bestäuben?

Mieter, wie unsere Rehe, die ihren gewohnten Weg nicht mehr ziehen können, weil er mit meterlangen Zäunen zugebaut wurde, wie der Mörscher Wald, der in Gefahr kommt, eventuell teilgerodet zu werden, falls dieses wahnsinnige Projekt genehmigt werden sollte.

Ein Projekt, von dem wir alle, alle Anwohner, die Stadt Hockenheim inklusive rein zufällig aus der Zeitung erfahren haben. Ich persönlich habe es aus Facebook erfahren (ich bin Anwohner dieser Idylle, die jetzt massiv bedroht wird).

Ich finde es skandalös, dass die Bürger heutzutage nicht mehr informiert werden, dass man sie einfach mit von oben "Beschlossenem" konfrontiert - nach dem Motto "Friss oder stirb, du bist ja "nur" Mieter, kannst ja wegziehen...

Ich stelle die Notwendigkeit eines solchen Projekts infrage! Ich stelle die Art des Informationsaustauschs infrage. Und ich berufe mich auf die Aussage von Sabine Fey (Verantwortliche der Reiserschnittgärten): "Wenn wir auf Widerstand stoßen, werden wir uns zurückziehen und einen neuen Platz suchen."

Ich sage Nein zu diesem Projekt!

Martina Belli, Hockenheim

Anmerkung der Redaktion: Die Aussage ist nicht ganz richtig zitiert. In unserem Artikel hieß es wörtlich: "Uns geht es nicht um Konfrontation. Wenn in Hockenheim kein Verständnis herrscht, werden wir uns zurückziehen, dann wird der Reiserschnittgarten geschlossen."

Insultheimer Hof bewahren

Ich bin empört darüber, dass in meiner unmittelbaren Umgebung - in einem Natur- und Landschaftsschutzgebiet - ein Reiserschnittgarten entstehen soll. Noch empörter bin ich darüber, dass ich als unmittelbar Betroffener nicht in Kenntnis gesetzt werde. Direkt vor meiner Haustür sollen demnächst meterhohe Zäune gestellt werden, sollen 400 Obstbäume gefällt werden, um einen Reiserschnittgarten zur Veredelung von Obstbäumen aufzubauen? Klingt das nicht in sich schon paradox?

Die Umgebung des Geländes, wo der Reiserschnittgarten entstehen soll, ist durchsetzt von Wildreisern, was es schwierig machen dürfte, die für ein Gelingen dieser Veredelung erforderliche Virus- und Keimfreiheit gewährleisten zu können. Um dieser Wildreiser Herr zu werden, muss vermutlich einiges an Gift gespritzt werden. Was hieße das wiederum für unser Trinkwasser auf dem Hof, das wir aus einem Brunnen beziehen?

Wie kann es sein, dass das Land Baden-Württemberg 180 000 Euro in ein derartiges Projekt steckt aber kein Geld hat, um die Mieter des Insultheimer Hofes an die Hockenheimer Trinkwasserversorgung anzubinden? Und das, nachdem unser Trinkwasser bis vor nicht allzu langer Zeit mit Bakterien verunreinigt war und ein solcher Schritt dringend notwendig wäre?

Was bedeutet das Projekt für die Tierwelt hier im Natur- und Landschaftsschutzgebiet Hockenheimer Rheinbogen? Wo und wie sollen die Saatgänse denn künftig starten und landen , wenn 15 Hektar der Fläche, auf der sie seit Jahrzehnten überwintern, eingezäunt werden? Was wird mit den für uns lebenswichtigen Bienen?

Ich bin dagegen und sage Nein zu diesem Projekt!

Cornelie Drkosch, Hockenheim

Das Wichtigste von heute
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker Schwetzinger Zeitung
Newsticker überregional
Meistgelesene Artikel
Neueste Artikel