Leserbrief

Verkehr in Oftersheim Schilderungen aus dem Alltag / Radfahrer nutzen den Gehweg / Rücksichtslose Parker

Was du nicht willst, das man dir tu’ . . .

Ich habe seit 1963 den Pkw-Führerschein und noch nie Punkte in Flensburg erworben. Wenn ich nun mal zu Fuß in Oftersheim unterwegs bin, versetzt mich der hier ablaufende Verkehr stets in Erstaunen. In Oftersheim fährt ein jeder, wie es ihm gefällt. Auf dem Gehweg in verschiedenen Richtungen mit dem Rad und mit dem Motorroller unterwegs zu sein, ist in Oftersheim erlaubt. Wenn Sie aus der Haustür treten, kann es sein, dass man Sie freundlicherweise einlädt, auf dem Schutzblech des Vorderrades eines Fahrrades (sollte eins vorhanden sein) ein Stückchen mitzufahren. Es sei denn, Sie möchten, dass nicht unbedingt und erklären, dass das, wo sich der Radfahrer gerade befindet, der „Gehweg“ ist und „nicht die Fahrbahn“, wo er als Fahrer hingehört. Darauf erhalten Sie dann die Antwort: „Ich weiß!“ – und man lässt Sie im Zweifel zurück, ob das tatsächlich der Fall ist, weil man auf dem Gehweg einfach weiterfährt.

Sie laufen ein Stück weiter und es begegnet Ihnen auf dem Gehweg ein Radfahrer, der sein Handy bedient, wozu er beide Hände benötigt und den Lenker an seinem Fahrrad ganz außer Acht lässt. Zudem genießt er mittels verstöpselten Ohren eine musikalische Berieselung, die sein Wahrnehmungsvermögen des Verkehrsaufkommens auf keine Weise unterstützt. Wenn Sie Glück haben, parkt da auch noch gerade ein Auto in entgegengesetzter Richtung und im Halteverbot, weil der Fahrer auf dieser Seite etwas abzugeben hat und dieser reißt zum Aussteigen dann spontan die Autotür auf, ohne Sie als Fußgänger überhaupt wahrgenommen zu haben. Gehen Sie dann ein Stück weiter, gelangen Sie zum Siegwald-Kehder-Haus, wo sich Fahrradfahrer so richtig austoben können. In rasanter Weise wird da durch den Innenhof gefahren, wohl in der Annahme, dass es sich hier um eine öffentliche Straße handelt, oder man nimmt an, dass das eine aus früheren Jahren stammende Teilstrecke der Tour de France ist. Wenn sich da ältere Leute, die dort wohnen, zwecks Einkaufs oder anderen Vorhaben auf den Weg in den Ort machen müssen, begeben sie sich in höchste Gefahr. Das Haus hat drei Ein- beziehungsweise Ausgänge zum Innenhof: Egal wo man das Haus verlässt oder wieder auf dem Heimweg ist, man hat zwei Möglichkeiten, entweder Glück oder Pech. Wenn Sie Glück haben und es passiert auf dem Rückweg, hilft Ihnen eventuell der Radfahrer beim Einsammeln der verstreut herumliegenden Einkäufe, wenn Sie Pech habe, sammeln Sie selbst, wenn Sie noch in der Lage dazu sind.

Dann sind da noch die Fußgänger mit Hund. Davon gehen einige Gassi mit ihrem Liebling – und zwar nicht vor der eigenen Haustür. Nein, es genügt ja da schon ein kleines Fleckchen Grün beim Nachbarn oder der Gehweg, um dort die „Hinterlassenschaften“ zurückzulassen – man selbst will und braucht sie ja nicht.

Wann hört dieser Egoismus auf? Und wann beginnt man endlich wieder daran zu denken: „Was du nicht willst, das man dir tu’, das füg’ auch keinem andern zu!“

Gisela Stratthaus, Oftersheim

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