Leserbrief

Zusammenhalt Solidarisches Miteinander statt nachhaltige Spaltung müssen das Ziel sein / Die Gefolgschaft bröckelt bereits

Was macht Corona mit uns?

Schwierige Zeiten durchleben wir nun schon seit einigen Wochen, es wird uns Bürgern vieles abverlangt und zugemutet und keiner weiß, wie lange uns das noch begleiten wird. Überall beschwörende Hilferufe mit der Bitte um Verständnis, Rücksichtnahme, Solidarität und der mahnende Appell zur Eigenverantwortung, obwohl ein klarer Blick im täglichen Informationsdickicht fast nicht mehr möglich scheint, denn viele der mittlerweile getroffenen Maßnahmen, Auflagen und Verordnungen sind inzwischen zum Teil sehr widersprüchlich und nicht mehr nachvollziehbar.

Große Bevölkerungsteile wissen gerade jetzt nicht mehr, wie sie die geforderten Bürden, Einschränkungen und Belastungen noch stemmen sollen. Die coronabedingten und auf Corona gegründeten Auflagen und Beschränkungen fördern mittlerweile auch fragwürdige Verhaltensweisen, denn es ist schon mehr als irritierend, wenn sich die Menschen angstvoll, misstrauisch und zum Teil auch abweisend begegnen.

Empathie, selbstloses Solidaritätsdenken und altruistisches Handeln werden möglicherweise von ungeahnten und bis dato versteckten Egoismen verdrängt, was unterschwellig die Gefahr in sich birgt, längst vergessen geglaubte Überwachungsmechanismen neu zu etablieren. Verantwortungsvolles aber auch einheitliches Vorgehen und klare Ansagen seitens der Protagonisten, wären sicherlich sehr hilfreich, um Transparenz und Glaubwürdigkeit wieder herzustellen.

Es sei die Frage erlaubt, ob die politisch Verantwortlichen bei der Corona-Bekämpfung überhaupt noch eine einheitliche Strategie verfolgen oder ob diverse Landesfürsten aus Eigeninteresse schon auf Wahlkampfmodus und parteiinternes Augenmerk geschaltet haben? Des Weiteren bleibt die Maßnahme, die Verantwortlichkeit beim Umgang mit Corona-Infektionszahlen und den damit einhergehenden Verbreitungsmechanismen an Landkreise und Kommunen zu delegieren, aus meiner Sicht mehr als fragwürdig.

Wenig hilfreich sind hierbei auch die immer wieder neu in Umlauf gebrachten Zahlenzusammenhänge wie neben dem R-Wert nun auch noch der geglättete R-Wert beziehungsweise die geglättete Reproduktionszahl. Welche Rolle spielen dann eigentlich noch die Expertenstudien und -meinungen der fachkompetenten Virologen und Epidemiologen?

Es verwundert daher auch nicht, dass die Gerichte bundesweit inzwischen mit hunderten Klagen und Verfassungsbeschwerden konfrontiert werden, bei denen nun grundsätzlich geklärt werden soll und muss, wie recht- und verhältnismäßig beziehungsweise verfassungskonform viele der getroffenen Maßnahmen in einem freiheitlichen Rechtsstaat überhaupt sind.

Das zeigt, dass die Stimmung im Lande mehr als angespannt ist und die bedingungslose Gefolgschaft in der Bevölkerung bröckelt, denn die Infos und Mechanismen im Internet zeigen wie Verschwörungstheorien, extreme Ausrichtungen und Anfeindungen in jedwede Richtung sowie die Einflussnahme durch manipulatorische Bots, die Meinungsbildung in sehr hohem Maße unterwandern.

Die Zeiten sind wahrlich schwierig und die Herausforderungen enorm, denn der Rechtsstaat steht auf dem Prüfstand und die Menschen sind aufs Höchste angespannt und gefordert.

Es bleibt zu hoffen, dass diese Krise die Menschen nicht nachhaltig spaltet, sondern in solidarischem Miteinander zusammenführt.

Gerhard Kiermeier,

Hockenheim

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