Leserbrief

Zukunft der Kirchengemeinden Ein innerer Wandel der Gesellschaft könnte mit der Rückkehr zur Religion beginnen

Was wir Menschen brauchen . . .

Was wir Menschen brauchen, aber nur mit der Religion bekommen! Viele Christen, die ihrer Religion verbunden sind, bleiben zeitlebens den gerne übernommenen Pflichten treu. Sie feiern den Sonntag würdig mit einem Gottesdienstbesuch – und begegnen in den Kirchen Woche für Woche Menschen ihres Alters. Mit ihnen sind sie so vertraut wie mit den Liedern und Gebeten. Die Verse des „Vater unser“ beziehen sie auf ihr eigenes Leben. Gottes Name aus Exodus: „Ich bin (für Euch) da“ geht ihnen durch den Sinn, wenn sie „Geheiligt werde Dein Name“ sprechen. Bei „Dein Wille geschehe“ fühlen sie sich von dem hilfreichen Schöpfer der Welt angesprochen mitzudenken und zu tun, was in ihrer Macht liegt, zum Beispiel Verantwortung für die Umwelt zu übernehmen.

Doch jüngere Christen haben oft schon früh dieses Gebet vergessen. Wer will da erwarten, dass sie über seine Verse nachdenken! Aber was lässt sich gegen den Exodus von Mitchristen tun? Er scheint unabänderlich. Ältere sterben – naturgemäß – oder werden durch Krankheiten vom Kirchgang abgehalten. In den Bänken öffnen sich Lücken. Kaum merklich zunächst, aber ständig. Noch können Konfirmanden der 1940er und 50er Jahren halbe Reihen füllen, doch zwischen ihnen wachsen Lücken. Ihre Nachfolger kommen nur in der Vorbereitungszeit, danach bleiben sie zu Hause.

Wie gehen die Zurückgebliebenen damit um? Wärme und die Herzlichkeit ihrer Gemeinschaft gehen verloren. Pessimisten sprechen von einer Selbstaufgabe der Christenheit, andere vom Wandel der Gesellschaft, der sich auch wieder umkehren könne. Doch wann dies geschieht, wagt niemand vorherzusagen. Da sich ein Trend aus individuellen Entscheidungen ergibt, müssten sich ebenso viele Einzelne ihm entgegenstemmen, statt zu resignieren,

Aber wie? Erfolg verspricht, bewusst die zum Bleiben aufzufordern, die noch da sind, die Alten. Sie zeigen in ihren Gebeten, dass sie sich mitverantwortlich für ihre Kirche und die Gesellschaft fühlen. Haben die Kirchen eine Alternative?

Gleich die Gegenfrage: Überfordert man sie da nicht? Das mag sein. Ein Blick in die USA könnte Mut wecken. Dort läuft gerade ein ganz besonderer Präsidentschaftswahlkampf. Überall beobachtet man ihn, da sich sein Ergebnis auf die ganze Welt auswirken wird. Die Europäer schauen im Augenblick mit Wohlgefallen auf zwei ältere Kandidaten: Joe Biden und Michael Bloomberg, die vor allem den Sieg eines ungeliebten Jüngeren verhindern wollen, des Amtsinhabers.

Sie treten als Anwälte des Anstands, der Grundrechte und des Engagements für ihr Gemeinwesen auf. Präsident Trump hingegen gilt auf beiden Seiten des Atlantiks als abstoßend und unmoralisch. Man wirft ihm Lügen und den Missbrauch der Rechte und der Würde des Amtes vor. Sogar Erpressung! Keine Frage, dass er damit die universale Moral und Grundsätze der Verfassung und der Religion verletzt.

Aber was bedeutet das für uns Deutsche? Wer den Alten nichts mehr zutraut, könnte an Konrad Adenauer denken. Der erste Bundeskanzler war bei seiner Wahl schon 73 und schied erst mit 87 aus dem Amt. Also: Mut, Ihr alten Christen, baut die Gemeinden wieder auf. Holt Eure Kinder und Enkel wieder in die Kirchen zurück. Sie sind unverzichtbar. Nicht nur um die Beziehung zu Gott, sondern auch um Euren Staat zu erhalten.

Denn der Niedergang auf beiden Ebenen läuft parallel. Deutsche Rechtspopulisten stellen nicht nur die Grundrechte, sondern auch die Verantwortung aller für das Klima in Frage. Wie Präsident Trump gefährden sie damit die Zukunft letztlich der ganzen Menschheit. Um sie zu retten, gibt es schon Gesetze, Durchsuchungen und Kontrollen. Vorschriften von oben reichen aber nicht aus. Ein innerer Wandel muss her, er ist dringend notwendig, und er könnte mit der Rückkehr zur Religion beginnen.

Helmut Mehrer, Brühl

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